Internetsucht ist ein ernstes Thema: Der unkontrollierte Umgang mit dem Online-Medium kann die Gesundheit gefährden. Das ist unter anderem Thema einer erst kürzlich lancierten Plakat- und Anzeigenkampagne des Gesundheitsdepartements des Kantons Basel-Stadt. Nicht ganz so dramatisch ist der Aufruf der beiden Schweizer Social-Media-Exponenten Kevin Kyburz und Tom Brühwiler: Der 15. Dezember soll zum internetlosen Sonntag werden – und seit die Idee in den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #offlineDay die Runde macht, wird angeregt diskutiert.

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Während etliche Internet-Nutzer bereits ihr Mitmachen angekündigt haben, sind durchaus aber auch kritische Stimmen zu vernehmen: «Ich finde diesen Offline Day überflüssig», schreibt beispielsweise der deutsche Blogger Christoph Niggli-Aigner, «ich werde online sein – und zwar so viel, wie ich es für notwendig erachte.»

Im Gespräch mit handelszeitung.ch erläutert Initiator Brühwiler, was hinter dem Projekt steht.

Wie kommt man auf die Schnapsidee eines Offline Day?
Tom Brühwiler: Nach der Feststellung, dass man selbst viel zu oft online ist – beispielsweise dann, wenn die Freundin fragt: «Was machst Du jetzt schon wieder mit dem Handy»?

Nebst dieser in erster Linie eigennützigen Beziehungspflege gibt es aber sicher auch ein übergeordnetes Ziel.
Auf jeden Fall – und zwar merken, dass es auch mit weniger online geht. Wir wollen Aufmerksamkeit schaffen und die Diskussion anregen, ob «always on» wirklich sinnvoll ist.

Ein ganzer Tag ohne Internet – das tönt heutzutage ganz schön brutal.
Es ist ja ein Sonntag. (lacht) Damit haben wir es uns für die erste Durchführung des Offline Day etwas einfacher gemacht. Schwieriger wird es im kommenden Jahr mit einem Montag.

Der Offline Day am 15. Dezember soll also jährlich Tatsache werden?
Ja, das planen wir zumindest so. Zugegeben: An einem Montag wird die Herausforderung dann ganz schön gross sein. Ich werde mich dieser jedenfalls am 15. Dezember 2014 stellen.

Wie lebt einer der bekanntesten Blogger der Schweiz einen Tag lang offline?
Indem ich am 15. Dezember meinen Daten-Switch am Handy deaktiviere und den Router in der Wohnung vom Stromnetz trenne. Das heisst in meinem Fall auch, dass an jenem Sonntag auch Swisscom-TV nicht mehr funktionieren wird.

Unter uns: Die Erfolgschancen sind doch…
… gross! Aber natürlich werde ich mich auf den Montag danach freuen, wenn ich alles wieder aktivieren darf.

Was wird Ihnen am Offline Day am meisten fehlen?
Am Sonntagabend sicherlich das gesellschaftliche Twittern zum neusten Tatort…

… was ohnehin nicht so stark ins Gewicht fallen wird, weil es ohne Internet bei Ihnen – wie Sie uns vorhin verraten haben – ja auch keinen Tatort gibt.
(lacht) Stimmt. Ich werde sicherlich das eine oder andere Mal das Handy vergeblich in die Hand nehmen. Aber es geht auch ohne Internet – ganz bestimmt!

Immer mehr Leute nutzen das Internet auch für Einkäufe: Der 15. Dezember liegt also punkto Endspurt für Weihnachtsgeschenke denkbar ungünstig.
Lassen Sie es mich umformulieren: Wenn es uns gelingt, dass der Offline Day spürbare Auswirkungen auf Online-Shops hat, dann dürfen wir einen grossen Erfolg feiern. Doch im Ernst: Wenn der Shopping-Wahn im Internet zumindest für einen Tag etwas gebremst wird, ist das doch nicht schlecht.