Vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftslage mag es überraschen, dass 91,5% der Unternehmen planen, im laufenden Jahr neue Mitarbeitende einzustellen», sagt Falk von Westarp, CEO von Monster Worldwide Schweiz AG (siehe «Nachgefragt»). Der Stellenvermittler Monster liess das Center of Human Resources Information Systems der Universitäten Frankfurt und Bamberg diesen Frühling erneut die 500 grössten Unternehmen aus der Schweiz nach ihren Plänen im Personalbereich befragen; 66 Unternehmen nahmen an der Umfrage teil.

Trotz Krise geben sich die Unternehmen relativ zuversichtlich hinsichtlich Neueinstellungen. Immerhin ein Drittel der Unternehmen erwartet gar, dass sie Ende Jahr mehr Mitarbeitende beschäftigen als zu Jahresbeginn. Lediglich 8,5% der Unternehmen planen für das laufende Jahr einen kompletten Einstellungsstopp.

42,1% der Personalverantwortlichen erwarten eine sehr gute oder gute und nur 17,5% eine schlechte Geschäftsentwicklung. Diese Ergebnisse erstaunen umso mehr, als die Befragung zwischen Dezember 2008 und März 2009 und somit genau dann erfolgte, als die Krise globale Ausmasse erreichte.

Mitarbeitende aus dem Ausland

An der Umfrage beteiligten sich Grossunternehmen aus sechs Hauptbranchen: Knapp 40% sind in der Herstellung von Waren tätig, 20% betreffen die Handelsbranche, 19% Kreditinstitute und Versicherungen, 12% gehören dem Bereich Verkehr an, knapp 7% sind im Grundstücks- und Wohnungswesen tätig.

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Die Haupterkenntnis: Der Fachkräftemangel wird sich weiter verschärfen. Trotz Krise fehlt es an geeigneten Kandidaten für bestimmte Aufgaben. Nach Meinung der Unternehmen wird die Besetzung freier Stellen bei mehr als drei von zehn Vakanzen schwierig oder gar unmöglich sein. Dies deutet laut Monster auf einen verstärkten Wettbewerb um qualifizierte Kandidaten hin.

Immer mehr Firmen suchen sich ihre Mitarbeitenden daher im Ausland: Der Anteil der Unternehmen, die eine grenzüberschreitende Personalbeschaffung als wichtig erachten, steigt im Vergleich zum Vorjahr um 14,3% auf 40,0%. Mehr als die Hälfte, nämlich 54,5% der Studienteilnehmer, erwartet, dass die internationale Rekrutierung im Jahr 2013 eine grosse oder sehr grosse Rolle spielen wird.

Bei Bewerbungsverfahren kommt dem Internet eine stetig wachsende Bedeutung zu: 85,7% aller freien Stellen werden auf der Webseite der betreffenden Unternehmen und 72,7% in Internet-Stellenbörsen ausgeschrieben. Satte 57,9% aller tatsächlichen Neueinstellungen resultieren aus Stellenanzeigen im Internet. Anders gesagt: Sechs von zehn Einstellungen erfolgen bereits über das Internet.

Zum ersten Mal seit Durchführung der Studienreihe «Recruiting Trends - Schweiz» gingen mehr als die Hälfte aller Bewerbungen, nämlich 54,3 %, auf elektronischem Weg bei den Unternehmen ein. Diese erhalten folglich erstmals weniger klassische Bewerbungen per Post als Mailbewerbungen. Die altbekannte Bewerbungsmappe gehört gemäss Studie allmählich der Vergangenheit an; künftig werde bis auf wenige Ausnahmen nur noch mit Formular- und E-Mail-Bewerbungen gearbeitet. Damit könne man zeitlich, finanziell und qualitativ Verbesserungen bei der Personalbeschaffung erzielen.

Virtuelle Personalmessen

Zudem gewinnt das Web 2.0 bei der Rekrutierung an Bedeutung, indem sich 16,7% der Unternehmen an virtuellen Personalmessen im Internet beteiligen, um so gezielt Kandidaten anzusprechen. 23,7% der Studienteilnehmer nutzen E-Assessments für die Kandidatenselektion.

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Jede dritte Jobbewerbung wird heute von den Unternehmen gespeichert: 36,4% der Unternehmen benutzen interne Kandidatendatenbanken, um die Bewerberdaten zu speichern. Die Verfasser halten es für realistisch, dass die Stellenanzeigen in Printmedien weiter zurückgehen und in erster Linie für Imagewerbung oder die Ausschreibung hoher Positionen eingesetzt werden.

 

Nachgefragt

Auf Einstellungen nicht verzichten
Falk von Westarp, CEO Monster Worldwide Schweiz, Zürich.

Kann man derzeit Prognosen für die Personalrekrutierung wagen?

Von Westarp: Die Trends hin zu Internet-Stellenbörsen, elektronischen Bewerbungsverfahren und grenzüberschreitender Personalbeschaffung werden unabhängig von der Wirtschaftslage anhalten.

Was raten Sie Unternehmen bei der Rekrutierung von Personal?

Von Westarp: Nicht komplett auf Einstellungen zu verzichten. Die Loslösung der Rekrutierung von der Geschäftserwartung oder gar antizyklische Rekrutierung ist ein wichtiges Thema, bedarf aber auch unternehmerischen Mutes.

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Wer ist heute besonders gefragt?

Von Westarp: Pharma, IT, Versorger und öffentliche Hand.