Die Öbu ist in meinen Augen eine wichtige Plattform in der öffentlichen Diskussion rund um nachhaltiges Unternehmertum. Sie zwingt mir eine Verbindlichkeit auf, die mich für ökologisch-ökonomische Themen sensibilisiert und meine Taten positiv beeinflusst. Zudem ermöglicht sie mir, mich laufend weiterzubilden und dadurch mein Unternehmen zu entwickeln», erklärt Eva Jaisli, Inhaberin und CEO PB Swiss Tools. Die Öbu wirke «wie ein Motor, der Prozesse antreibt und Massnahmen auslöst».

In diesem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften lerne sie an spannenden Veranstaltungen Modellfirmen kennen, die ihr Vorbild würden für nachhaltiges Wirtschaften. Weil die Strategie und das Handeln ihrer Firma offensichtlich von öffentlichem Interesse seien, sei sie froh, vom Austausch von Expertenwissen zu profitieren. «Ob wir in der Politik oder in der Wirtschaft tätig sind: Die Öbu zwingt uns alle zur Transparenz und zu konsequentem Handeln.»

Veränderung tut Not

«Öbu ? das Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften in der Schweiz ? ist Think-Tank für Umwelt-, Sozial- und Managementthemen. Öbu realisiert unternehmensspezifische und wirtschaftspolitische Projekte und fördert den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern. Öbu stellt Verbindungen her zwischen Unternehmen, Verwaltungen, Politik, NGO, Medien und der Öffentlichkeit.» So stehts auf farbigen Kärtchen, welche die Öbu verteilt. Auf der Vorderseite strahlen einen Unternehmer an wie Bauunternehmer Daniel Kästli, Optiker Peter Müller, VR-Präsident Stephan Baer und CEO Eva Jaisli.

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Sie und ihre 330 Kollegen von der BKW, ARA, UBS, Roche, Migros, Lista und anderen Firmen sind alle bestrebt, ihr Unternehmen nachhaltig zu entwickeln. Dafür bezahlen sie Geld, setzen Zeit ein, laden zu Betriebsbesichtungen ein und tauschen Informationen aus. «Sustainability» lautet das Schlagwort, dem bereits zahlreiche Bücher und noch zahlreichere Kongresse gewidmet sind.

Netzwerk statt interne Experten

Sind die 330 Mitglieder leicht masochistisch veranlagt oder hat eine Mitgliedschaft auch ihre angenehmen Seiten? «Von der Öbu in Workshops unterstützende Tools und Coaching zu bekommen, ist durchaus angenehm. Wie sonst soll sich eine Unternehmerin, ein Unternehmer in der Informationsflut zum Thema Nachhaltigkeit zurecht finden und das passende Instrument für sich heraussuchen? Denn ein KMU kann sich oft keine Fachperson leisten, welche sich mit nachhaltiger Unternehmensführung beschäftigt», sagt Co-Geschäftsleiterin Sabina Döbeli. Allein schon dies lohne eine Mitgliedschaft.

«Zudem profitiert jedes Unternehmen, welches seine Leistung in Bezug auf nachhaltige Entwicklung in seine Kommunikation integriert, auch rein wirtschaftlich davon. Denn Aussagen zur nachhaltigen Entwicklung gehören heute in eine glaubwürdige Kommunikation. Nur wer Verantwortung übernimmt für Umwelt und Gesellschaft, wird von der breiten Öffentlichkeit langfristig akzeptiert.»

Für KMU bis 500 Angestellte

Wer ist denn die Zielgruppe der Öbu? Co-Geschäftsleiterin Döbeli: «Mit www.proofit.ch fokussieren wir uns auf KMU mit 20 bis 500 Mitarbeitenden, die bis anhin wenig Interesse zeigten für Nachhaltigkeit. Je weniger ihre Führungskräfte wissen, desto wichtiger wird die Informationsplattform, welche wir im Februar 2009 aufschalten werden. Sie soll alle relevanten Informationen zur Energie- und Ressourceneffizienz enthalten und den Unternehmen zudem einen Effizienzcheck bieten.»

Kam es auch schon zu massiven Krisen des Managements oder der Kommunikation, welche die Öbu gemeinsam mit ihren Mitgliedern auffangen konnte? Sabina Döbeli: «Ja, das kam auch schon vor. Aber das bleibt zwischen den Mitgliedern und uns ...»

 

 

NACHGEFRAGT Gabi Hildesheimer, Co-Geschäftsführerin von Öbu


«National aktiv, international vernetzt»

Fegt der Börsensturm Projekte für nachhaltiges Wirtschaften weg?

Gabi Hildesheimer: Der Effekt ist klar umgekehrt: Ganz konkrete und langfristig orientierte Projekte stehen heute noch besser da. Die Rückbesinnung auf Werte und Verantwortung kann nachhaltigen Unternehmen nur recht sein. Denn ihre Wettbewerbsfähigkeit wird verbessert.

Leisten sich KMU und Grossunternehmen Umweltschutz und Nachhaltigkeit auch in der Krise?

Hildesheimer: Ja, schliesslich hat sich gezeigt, dass sie sich die hochriskanten und virtuellen Geschäfte nicht leisten können. Nachhaltigkeit ist ein sicherer Wert.

Wie motivieren Sie Ihre 330 Mitglieder zu einem «grünen» Verhalten, und mit welcher Rübe vor der Nase locken Sie Neumitglieder an?

Hildesheimer: Wir helfen ihnen dabei, dass nachhaltige Produkte und Dienstleistungen den richtigen Stellenwert erhalten. Es gibt auch Auszeichnungen, Erfahrungsaustausch und die Öbu als Think-Tank.

Wer im Internet nach Nachhaltigkeit sucht, ertrinkt in der Informationsflut. Ihr Filter?

Hildesheimer: Ab Februar 2009 bündeln wir alle relevanten Informationen über die effektive Nutzung von Ressourcen auf www.proofit.ch. Mitträger dieser interaktiven Website sind das Bundesamt für Energie (BFE), das Bundesamt für Umwelt (Bafu) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Dies zeigt, dass wir politisch gut verankert sind und nicht nur als dekoratives Feigenblatt von PR-Massnahmen fungieren.

Reicht die Vernetzung ins Ausland?

Hildesheimer: Ja, wir sind Teil von INEM, dem International Network for Environmental Management.