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«Fehlerhaftes Orakel» feiert Comeback bei CS

Burkhard Varnholt: Soll bei der CS ein Comeback feiern. ZVG

Burkhard Varnholt verlässt die Bank Julius Bär. Der Chefanleger wechselt offenbar zurück zur Credit Suisse. Seiner gewagten Prognosen wegen hat Varnholt den Übernamen «fehlerhaftes Orakel» bekommen.

Veröffentlicht am 10.05.2016

Die Privatbank Julius Bär hat einen neuen Chefanleger: Yves Robert-Charrue wird per sofort zum Leiter ad interim der Abteilung Investment Solutions Group (ISG) ernannt, wie die Bank mitteilte. Er folgt auf Burkhard Varnholt, der Julius Bär per Ende Mai verlassen wird. Varnholt soll laut gut unterrichteter Kreise zur Credit Suisse wechseln.

Nach dem Abgang von Varnholt wird Yves Bonzon nun alleiniger Chief Investment Officer (CIO) von Julius Bär. Bonzon, der im vergangenen Monat überraschend von der BSI zu Julius Bär stiess und neben Varnholt zum Co-CIO ernannt worden war, werde weiterhin den Bereich Investment Management (IM) leiten, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag.

Das «fehlerhafte Orakel»

Die Bank kommentiert den Abgang von Varnholt nicht weiter. Gemäss der Nachrichtenagentur «Bloomberg» wechselt der Ökonom nun zur Credit Suisse. Eine Sprecherin der Grossbank wollte diese Meldung indes nicht kommentieren. Falls sich die Gerüchteküche bewahrheitet, handelt es sich um ein Comeback: Für die Credit Suisse war Varnholt bereits von 1996 bis 2006 tätig.

Seiner gewagten Prgnosen wegen bezeichnete ihn das Wirtschaftsblatt «Bilanz» als «fehlerhaftes Orakel». So sagte Varnholt im letzten Mai dem hiesigen Leitindex SMI in den nächsten fünf Jahren einen Anstieg auf 20'000 Punkte voraus. Damals stand der Index bei 9400 Punkten, mittlerweile bei unter 8000 Punkten.

Schlechte Prognosen

Varnholt hat sich schon oft verschätzt. Ende 1999, damals im Sold der CS, sah er die seinerzeitige Hausse «durch harte wirtschaftliche Fakten» unterfüttert. Kurz darauf ging der Tech-Blase und dem globalen Börsenboom die Luft aus. Bis 2003 halbierten sich die Kurse an der Schweizer Börse.

Dem Aufschwung ab 2003 sagte er als Chefanalyst der Credit Suisse eine kurze Lebensdauer voraus. Mittel- und längerfristig sei nicht mit einem dauerhaften Aufschwung zu rechnen. Der Index hielt sich nicht an Varnholts Prognose und schoss bis 1. Juni 2007 auf das seither geltende Allzeithoch von 9531 Punkten.

Finanzkrise übersehen

2007, als die Finanzkrise sich abzuzeichnen begann, glaubte er noch, die USA sei von einer Rezession «meilenweit» entfernt. Die Realität holte Amerika und Varnholt schnell ein.

Im vierten Quartal 2007 fingen die Wachstumsraten zu bröckeln an. 2008 schlitterte die grösste Volkswirtschaft der Welt in eine ihrer tiefsten Rezessionen, die im zweiten Quartal 2009 mit negativen Wachstumsraten von vier Prozent ihren Höhepunkt fand.

(ise, mit Material der Nachrichtenagentur awp)

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