Manchmal platzt der Traum von der eigenen Firma in wenigen Augenblicken. So geschehen bei jener Frau, die sich schon als Inhaberin eines schicken Cafes sah. Als ein Mitarbeiter des Businessparc ihr mal kurz vorrechnete, wie viele Tassen Kaffee sie pro Tag verkaufen müsste, um nur die Miete bezahlen zu können, war die Idee vom Tisch. Werden im Businessparc systematisch Jungunternehmerhoffnungen zerstört? «Nein», sagt Geschäftsführerin Gerda Massüger. Aber: «Oft zeigt sich schon im ersten Gespräch, welche Geschäftsidee trägt und welche nicht.» Und wenn sich jemand in Illusionen versteigt, rede man eben Klartext.

Chancen und Risiken ausloten

Starthilfe für Start-ups ? zu diesem Zweck wurde vor neun Jahren in Reinach BL die Stiftung Businessparc eingerichtet. Wer eine Firma gründen will, kann sich hier kostenlos beraten lassen. Abgelehnt wird grundsätzlich niemand, aber das heisst noch nichts. Die potenziellen Gründerinnen und Gründer müssen überzeugen, und zwar mit klar fokussierten Geschäftsideen, für die es auch Märkte gibt.

Das klinge vielleicht trivial, sei vielen aber nicht bewusst, sagt Gerda Massüger. Das dreiköpfige Coaching-Team im Businessparc hilft, Chancen und Risiken des künftigen Unternehmens auszuloten, einen Businessplan auszuarbeiten, die Finanzierung unter die Lupe zu nehmen. Dabei zeige sich schnell, welche Firmen Bruchlandung erleiden dürften ? und welche Aussichten auf Geschäftserfolg haben.

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Wer diese Hürde genommen hat, kann Mitglied werden im Businessparc, Geschäftsräume mieten und die gemeinsame Infrastruktur nutzen: Telefonzentrale mit Sekretärin, Postservice, Sitzungszimmer, Büromaterial, Cafeteria.

«Richtig gut sein»

Spontan fallen der Business- parc-Geschäftsfüherin zwei Ideen ein, die überzeugten ? und sich letztlich am Markt behaupten konnten: Ein Firmengründer hatte eine neuartige Technik entwickelt, mit der sich Zellpräparate einfach und schnell mikroskopieren lassen. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten inzwischen damit. Ein Architekt hatte die Idee, Möbel nach dem Puzzleprinzip zu bauen: Sie lassen sich ohne Nägel und Schrauben zusammensetzen, werden ökologisch korrekt hergestellt und sehen auch noch gut aus.

Innovative Ideen sind gefragt. Was nicht heisst, dass Firmengründer das Rad neu erfinden müssen. Aber sie sollten mit ihrem Vorhaben eine erfolgversprechende Nische besetzen ? und sie müssen richtig gut sein in ihrem Fach.

Dass zukunftsfähige Geschäftsmodelle in praktisch jeder Branche möglich sind, beweisen rund 40 Unternehmen, die derzeit im Businessparc ihren Firmensitz haben: Eine zweisprachige Kinderkrippe findet sich hier genauso wie ein weltweiter Vertrieb für Parfum-Ingredienzien oder eine Beratungs- und Schulungsfirma für Gefahrengut-Transporte.

Was spricht dafür, sich dem Businessparc anzuschliessen? Sicher nicht nur die beiden originellen Standorte in ehemaligen Fabriken in Reinach und Zwingen BL, wo früher Schokolode beziehungsweise Papier produziert wurde. Das Coaching spielt eine grosse Rolle: Jungunternehmer können sich während und nach der Firmengründung beraten lassen. Zum Beispiel wenn die Akquisition harzig läuft, das Controlling Kummer macht oder der Rechnungsabschluss bevorsteht. Der Businessparc will seinen «Ziehkindern» den Rücken freihalten fürs Wesentliche ? nämlich dafür, das eigene Geschäft zum Laufen zu bringen. Wer will, kann bestimmte Aufgaben an die insgesamt siebenköpfige Businessparc-Crew delegieren: Sie empfangen Gäste, organisieren Anlässe, bereiten Präsentationen vor.

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Beziehungsnetz für alle

Nicht zuletzt profitieren die Jungunternehmer auch davon, sich untereinander austauschen zu können. Hinzu kommt, dass der Businessparc ein grosses Beziehungsnetz pflegt, von dem die Jungunternehmer profitieren. Firmen wie PricewaterhouseCoopers und Organisationen wie das Institut für Jungunternehmer oder die Fachhochschule beider Basel stehen als Partner und Experten zur Verfügung.

Stellt sich die Frage, ob derart verwöhnte Start-ups in der Lage sind, nach fünf Jahren allein in der rauen Geschäftswelt zu bestehen? Die Bilanz zeigt: 70 Firmen wurden bislang im Businessparc gegründet, 200 Arbeitsplätze sind entstanden. 26 Firmen haben die «Kinderstube» verlassen, einige ihr Geschäftsfeld inzwischen ins Ausland ausgedehnt. Konkurs anmelden musste bislang niemand. Sieht ganz so aus, als mache das gemeinsame Aufwachsen stark.

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NACHGEFRAGT

«Unser Netzwerk öffnet manche Türen»

Gerda Massüger, Ökonomin und Geschäftsführerin Business- parc. Was es heisst, Unternehmerin zu sein, weiss sie aus eigener Erfahrung. Sie war als alleinerziehende Mutter selbstständig in der Organisationsentwicklung tätig.

Stolpern viele Firmengründer blauäugig ins Abenteuer Selbstständigkeit?

Gerda Massüger: Das kommt in Einzelfällen vor. Ich erinnere mich an den Mediziner, der sich durch den Aufbau einer eigenen Praxis eine bessere Work-Life-Balance erhoffte. Er merkte schnell, dass Selbstständigkeit sehr viel mehr Engagement und Zeitaufwand bedeuten würde, als er bereit war zu investieren.

Gibt es einen typischen Fehler, den Jungunternehmer anfangs machen?

Massüger: Erstaunlich vielen Start-ups bereitet es Schwierigkeiten, den ersten Kunden zu gewinnen, danach die Rechnung zu stellen und für das Inkasso zu sorgen.

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Kaum ein Jungunternehmer hat Freude an der Akquisition, vielen ist es sogar lästig. Sind auch Marketing und Verkauf ein Thema bei Ihnen?

Massüger: Wenn wir einen Businessplan erarbeiten, stellen sich diese Fragen automatisch: Wo ist mein Kunde? Wie spreche ich ihn an? Wie wird er auf mein Angebot aufmerksam? Das sind zentrale Fragen im Coaching. Zudem öffnet unser breites Netzwerk manche Tür bei der Akquisition.

Anfangs den Gürtel enger schnallen und mit wenig Geld auskommen ? ist das eine Konsequenz, wenn man sich selbstständig macht?

Massüger: Bei den meisten Start-ups bedeutet es dies tatsächlich. Viele machen es aber bewusst und aus gutem Grund: In das eigene Unternehmen zu investieren und möglichst wenig fremdes Kapital zu beanspruchen, bedeutet Freiraum und Unabhängigkeit bei den Entscheidungen.

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Wie wichtig ist der Austausch untereinander?

Massüger: Sehr wichtig. Neben informellen Kontakten in der Cafeteria ergeben sich zahlreiche geschäftliche Verbindungen. Die Start-ups arbeiten auch zusammen: So bieten zum Beispiel ein Graphiker und ein IT-Spezialist gemeinsam Websites an.

Warum ist es wichtig, Jungunternehmen auf die Beine zu helfen?

Massüger: Die Wirtschaft ist ein lebendiges Gebilde; Unternehmen entstehen, wachsen, verändern sich und verschwinden wieder. Es gehört deshalb zu einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik, Start-ups zu fördern und dafür zu sorgen, dass sie erfolgreich sind.

Welchen Beitrag leistet der Businessparc zum Erfolg?

Massüger: Die gründliche Vorbereitung auf den Firmenstart ist essenziell. Ein Jungunternehmer muss seine Chancen kennen und die Risiken einschätzen können.

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Was ist grundsätzlich am wichtigsten, um als Jungunternehmer nachhaltigen Erfolg zu haben.

Massüger: Erfolgreich sein kann nur, wer über eine ausgereifte, klar fokussierte Idee verfügt, für die eine Nachfrage besteht und deren Umsetzung sich rechnet. Der Businessparc bietet das entsprechende Coaching.