Die Präsidenten hatten auf das falsche Pferd gesetzt. Peter Brabeck von Nestlé, Urs Rohner von der Credit Suisse und Martin Bisang von der Bank am Bellevue investierten Millionen in Luxushotels, Läden und einen Yacht­hafen in Libyen – zusammen mit einem Staatsfonds der Familie Gaddafi.

Wie Führungskräfte und Verwaltungsratspräsidenten ihr privates Vermögen investieren, ist grundsätzlich ihnen selber überlassen. «Das schweizerische Recht sieht keine Einschränkungen vor, ausser, dass das Verhalten beziehungsweise die Anlagen nicht strafbar sein dürfen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Geldwäscherei oder mit Insidergeschäften», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern.

Doch was, wenn private Engagements ein Risiko für das Image des Unternehmens darstellen können? «Das Problem liegt darin, dass sie die Ethik weder gesetzlich umschreiben noch effizient regulieren können», sagt Kunz. Hier setzt Markus Neuhaus, Chef des Beratungs- und Revi­sionsunternehmen PricewaterhouseCoopers Schweiz, an: «Ein Chef soll in privaten Angelegenheiten vorsichtiger und ­zurückhaltender handeln als gesetzlich erforderlich.» Noch etwas weiter geht Silvan Felder, Experte für Verwaltungsratsfragen der Hochschule Luzern: «Entscheidend ist, dass im Sinne von Vertrauen und Glaubwürdigkeit im Privaten nicht total etwas anderes gemacht wird als im beruflichen Dasein.»

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Im Prinzip müsse jeder Verwaltungsratspräsident und Chef selber wissen, ob er mit seinen privaten Anlagetätigkeiten ein persönliches Imagerisiko eingehen wolle oder nicht, findet auch Erwin Heri, Professor für Finanztheorie an der Universität Basel. Aber er fügt an: «Noch manche Anlage, die heute problemlos erscheint, kann in wenigen Jahren zu einem Reputationsthema werden.»

Noch kaum umgesetzt

Konkrete Regelungen bei den Unternehmen sind deshalb selten. «Theoretisch wäre es zwar möglich, Vorgaben und ­Einschränkungen im Einzelarbeitsvertrag des Konzernchefs oder des Präsidenten vorzusehen. Doch das kommt in der Praxis eigentlich nicht vor», sagt der Berner Rechts­experte Kunz.

Sonderfälle bilden diesbezüglich Banken und Revisionsgesellschaften, die existenziell auf die finanzielle Unabhängigkeit ihrer leitenden Mitarbeitenden existen­tiell angewiesen sind. Die Branchen sind darauf angewiesen, Interessenkonflikte zu vermeiden. Daher auferlegen sie ihren leitenden Mitarbeitern bei privaten Anlagegeschäften detaillierte Regelungen.

So erklärt etwa UBS-Sprecher Dominique Gerster: «Eine konzernweit geltende Weisung befasst sich ausschliesslich mit Verhaltensregeln, Offenlegungspflichten und Bedingungen für private Anlagegeschäfte von Mitarbeitenden und setzt der Ausübung solcher Geschäfte konkrete Grenzen.» Die Weisung setze die Grundsätze des Verhaltens- und Ethikkodex auf private Anlagegeschäfte um. Beim Handel mit UBS-Aktien gelten zudem die Börsenvorschriften.

Auch bei PricewaterhouseCoopers gelten strikte Regeln. So ist es einem leitenden Mitarbeiter in der Firma untersagt, irgendwelche Aktien irgendeines der weltweiten Revisionskunden zu halten. Man überprüft dies, indem jeder Partner sein ganzes Wertschriftenportfolio in einem elektronischen System erfassen muss. Bei der Credit Suisse will man das Thema nicht gross kommentieren. Man versuche, die Privatinteressen der Angestellten und des Unternehmens unter einen Hut bringen, erklärt ein Sprecher. Und Nestlé liess die Fragen der «Handelszeitung» unbeantwortet.

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Braucht es auch in anderen Branchen striktere Regeln? Oder sind gar die Poli­tiker gefragt? «Ein Handlungsbedarf für den Gesetzgeber besteht meines Erachtens nicht», sagt Kunz. «Auch für Chefs und Verwaltungsratspräsidenten gelten die Vertragsfreiheit und Eigentumsga­­rantie.»

Entlassung ist möglich

Dennoch sieht auch er, dass ethisch, sozial oder ökologisch heikle Geschäfte für den Arbeitgeber zum Problem werden können. Dafür gebe es aber im Extremfall bereits eine Handhabe. «Sollte die Verwendung des Privatvermögens publik und zu einem Reputationsproblem für die Unternehmung werden, kann dem Konzernchef oder Präsidenten deswegen durchaus gekündigt werden.»

 

Insidergeschäfte: Strikte Regeln

Offenlegung von Transaktionen Beim Handel mit Aktien börsenkotierter Unternehmen gibt es seit einigen Jahren klare Beschränkungen. «Sollten Führungskräfte und Verwaltungsräte von kotierten Gesellschaften mit Aktien des Arbeitgebers handeln, müssen sie ihreTransaktionen gemäss Vorgaben der Börse offenlegen», sagt Wirtschaftsrechtsprofessor Roger V. Kunz. Er verweist etwa auf den Fall Sonova.

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Ein grosses Schlupfloch Die Offenlegungspflicht bei Transaktionen durch Manager besteht erst seit Juli 2005. Ihr ging ein langes Gezeter voraus um die Höhe der anzugebenden Transaktionen. Die Regelung kommt im Vergleich mit anderen europäischen Ländern mild daher. Wenn beispielsweise ein Dritter – etwa die Partnerin eines Managers – eine Transaktion ausführt, bleibt es der Firma überlassen, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen. Die Regelung schütze auch nicht vor Insiderdelikten, kritisiert der St. Galler Rechtsanwalt und Wirtschaftskriminalistiker Christof Müller. (rod)