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Frank Hensgens: «50 Prozent suchen Jobs am Handy»

Frank Hensgens
Indeed-Manager Frank Hensgens: «In Basel bleiben viele Stellen sehr lange unbesetzt.»Quelle: ZVG

Der Schweiz-Geschäftsführer der weltweit grössten Jobseite Indeed weiss, welche Jobs und Fähigkeiten gesucht sind.

Von Pirmin Schiliger
am 22.04.2019

Welche Entwicklungen stechen Ihnen auf dem Schweizer Markt sofort ins Auge?
Frank Hensgens: Der Fachkräftemangel ist wie in vielen anderen Ländern auch in der Schweiz ein grosses Thema. Viele Positionen sind schwierig zu besetzen. Heute bleiben 23,4 Prozent der Stellen in der Schweiz für sechzig oder mehr Tage unbesetzt. Vor allem Basel ist betroffen – hier gibt es mit 28,2 Prozent mehr chronisch unbesetzte Stellen als in anderen Teilen des Landes. Im Vergleich hat Lausanne mit 16 Prozent die wenigsten dauerhaft unbesetzten Positionen.

Wie behauptet sich in dieser Situation das klassische Jobportal? Wird es bereits wieder zum Auslaufmodell?
Anders als klassische Jobportale indexiert und aggregiert Indeed Jobangebote von einer Vielzahl von Jobbörsen und Personaldienstleistern sowie von unzähligen Karriere-Websites der Unternehmen. Da ein Grossteil von diesen die eigenen offenen Positionen ausschliesslich auf der Firmenhomepage oder der Karriereseite veröffentlicht, finden sich auf Indeed deutlich mehr Stellenausschreibungen als auf traditionellen Jobbörsen, die ausschliesslich kostenpflichtige Inserate anbieten.

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Was macht für einen Global Player wie Indeed den vergleichsweise kleinen Schweizer Markt speziell interessant?
Berechnet nach dem Bruttosozialprodukt pro Kopf liegt die Schweiz weltweit auf dem vierten Platz – allein schon aus ökonomischer Sicht handelt es sich deshalb um einen interessanten Markt. Hinzu kommt, dass die Schweiz auch bei ausländischen Arbeitskräften sehr beliebt ist. Indeed ist in über sechzig Ländern präsent und befindet sich so über die inländische Jobvermittlung hinaus in einer idealen Ausgangslage für Jobsuchende im Ausland, die eine Stelle in der Schweiz finden möchten. Zudem sind in der Schweiz viele spannende Grossunternehmen aus den Bereichen Versicherung und Pharma ansässig – ein weiterer Punkt, warum dieser Markt für uns und unsere Kunden attraktiv ist.

Wo gibt es derzeit die grössten Herausforderungen?
In der Schweiz und anderen Industrieländern wird jedes Unternehmen zu einem Technikunternehmen. Diese Entwicklung führt dazu, dass in der Schweiz bereits jetzt IT- und technologieorientierte Stellen zu denen gehören, die schwer zu besetzen sind. 86 Prozent der Recruiter weltweit geben an, dass es eine Herausforderung ist, IT-Kräfte zu binden.

Womit können Unternehmen diese besonders gesuchten Fachkräfte doch noch ködern?
Mit flexiblen Arbeitsmodellen. Eine Umfrage von uns selber zeigt: Nach der Vergütung sind flexible Arbeitszeiten der wichtigste Motivationsfaktor bei der Jobsuche für Kandidaten in Europa. Damit lassen sich insbesondere Hochqualifizierte ansprechen – «Teilzeit» ist einer der Top-Ten-Suchbegriffe von Personen, die aktuell im Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) angestellt sind. Tatsächlich ist die Suche nach Teilzeitjobs auf Indeed von Januar 2018 auf Januar 2019 um 31 Prozent gestiegen.

Warum suchen die Teilzeitarbeitenden nicht automatisch bei einem spezialisierten Temporärarbeitsvermittler?
Insgesamt gibt es in der Schweiz vergleichsweise viele Teilzeitjobs, allerdings sind darunter sehr viele vollzeitnahe Teilzeitstellen. Auf Indeed vereinfachen die Filteroptionen und die Stichwortsuche dem Jobsuchenden die Recherche. Sowohl direkt über Indeed als auch über Suchmaschinen erhält er schnell und zielgerichtet ein Angebot an Teilzeitstellen.

Lässt sich etwas Neues feststellen in Bezug auf das Nutzerverhalten?
Immer mehr Menschen suchen online oder auf mobilen Endgeräten nach ihrem nächsten Job. Mehr als die Hälfte der Suchen in Zürich finden bereits auf Mobilgeräten statt, das deckt sich mit dem Rest der Schweiz: in Bern 62 Prozent, in Genf 57 Prozent und in Basel 58 Prozent. Zürich ist beliebt, was sich daran zeigt, dass 56 Prozent der Suchanfragen von ausserhalb der Metropole kommen, 12 Prozent sogar von ausserhalb der Schweiz.

Bekanntlich mischen Social Media wie Linkedin und neuerdings auch Facebook und Google bei der Stellensuche mit. Was tun Sie gegen diese Giganten?
Indeed wurde vor 14 Jahren mit der Mission gegründet, Menschen zu helfen, Arbeit zu finden. Wir haben in dieser Zeit unermüdlich am Erreichen unserer Mission gearbeitet und auf diesem Weg bereits viele Neueinsteiger im Markt beobachtet. Grundsätzlich reagieren wir, indem wir unsere Produkte kontinuierlich weiterentwickeln, mit Fokus auf den Jobsuchenden. Jährlich gibt es auf unserer Seite rund hundert grössere und kleinere Verbesserungen, damit noch mehr Menschen über Indeed zum richtigen Job finden. Dank dieser Haltung sind wir weltweit die Nummer eins unter den Jobseiten, mit mehr als 250 Millionen monatlichen Nutzern.

Was müssen Arbeitnehmer bieten, um erfolgreich zu sein?
Wichtig werden in der Zukunft vor allem Soft Skills wie Lern- und Analysefähigkeit, die den Wissenstransfer in neue Themenfelder und veränderte Jobprofile ermöglichen. Unternehmen sollten daher gezielt das digitale und interdisziplinäre Knowhow ihrer Mitarbeitenden und damit auch deren Kompetenz laufend schulen. Nur, wer weiss, was die Digitalisierung mit dem eigenen Beruf macht, kann auch beurteilen, wie sich der Markt des eigenen Unternehmens ändert. Dieses Wissen hilft, konjunkturelle Krisen zu überstehen.