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Freudentränen statt Tränen

Humor darf im Leben nicht fehlen, auch nicht im beruflichen. Sonst verarmt die Psyche, und darunter leiden nicht nur die Kollegen, sondern auch die eigene Leistung.

Von Hartmut Volk
am 24.10.2007

LACHEN AM ARBEITSPLATZ. So richtig was zu lachen hat im Arbeitsalltag heute keiner mehr so oft. Geschäftlicher wie zwischenmenschlicher Wettbewerbsdruck lasten auf der Stimmung. Doch gerade weil das so ist, «sollten wir uns an die wohltuend entkrampfende Wirkung eines etwas humorvolleren Umgangs miteinander erinnern», sagt der Wiener Psychoanalytiker Alfred Kirchmayr, dessen Arbeitsschwerpunkt Witz, Humor und Lebenskunst ist.

Unlängst wurde eine Studie über die Häufigkeit des Lachens veröffentlicht. Das Ergebnis: Kinder lachen durchschnittlich 400 Mal pro Tag, Erwachsene gerade noch 20 Mal. Weithin herrscht also verbissener Ernst. Damit tun wir uns keinen Gefallen. Denn was wir für ein gutes Arbeitsleben benötigen, «ist die parallele Entfaltung von Kindlichkeit und Erwachsensein», erklärt Kirchmayr. Gerade diese Unterdrückung der Kindlichkeit mache viele Menschen zu unglücklichen, depressiven, verängstigten und oft auch süchtigen Rädchen in Betrieb und Gesellschaft.Humor und Witz sind soziale Phänomene und haben daher entsprechende Auswirkungen. Studien belegen, dass Humor für die gute Gestaltung von Partnerschaften grosse Bedeutung hat. Eine ähnlich positive Wirkung wurde auch für das Arbeitsklima im Betrieb und für die Kreativität und Produktivität nachgewiesen.Kirchmayr ist aufgrund seiner therapeutischen Arbeit überzeugt: «Wir leben in einer Risikogesellschaft mit asozialen Tendenzen. Verunsicherung und Anpassungsdruck haben zugenommen. Die Gefahr, aus durchaus realistischer Angst an Leib, Seele und Gemeinschaftssinn Schaden zu nehmen, ist gewachsen.»

Distanz zu sich selber

Die Lebenskunst besteht darin, das eigene Leben trotz der verschärften Rahmenbedingungen mit etwas Distanz zu sich selbst und den Dingen so zu gestalten, «dass es trotz aller Fremdbestimmung unser Leben bleibt, dass wir leben und nicht nur gelebt werden. Ohne Humor gelingt das aber nicht!» Für Kirchmayr schreit der wachsende Leistungsdruck förmlich nach Entlastung durch ein vergnügliches Verständnis, aber nicht automatisch auch Einverständnis signalisierendes Augenzwinkern, durch ein immer wieder befreiendes Lachen, durch einen gelasseneren Umgang miteinander. Durch Humor kommt Spielraum in die zwischenmenschlichen Beziehungen, nimmt man sich selbst, andere und die Dinge des Lebens zwar ernst, aber nicht tierisch ernst, verbeisst sich nicht automatisch in alles und jedes. Das befördert gute Kompromisse, kreative Lösungen und macht Kritik annehmbarer.In jedem Witz, klärt Kirchmayr auf, «ist ein Problem verborgen, das oft psychohygienisch, also heilsam zur Sprache kommt. Denn die Verdrängung starker Gefühle ist eine wesentliche Ursache für psychische und psychosomatische Erkrankungen. Witz bringt Heikles, Tabuisiertes, Verdrängtes zur Sprache und ermöglicht dessen Bearbeitung. Er artikuliert unterdrückte Gefühle und Bedürfnisse!»

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