So schön kann Networking sein: Eine bekannte Finanzberaterin lernt an einem Event in einem Schweizer Luxushotel den Direktor kennen. Man plaudert gewandt und weiss sich auf gesellschaftlich ähnlichem Niveau. Die Frau von Welt sagt plötzlich mit einem charmanten Lächeln, dass sie einen jungen Verwandten hätte, der gerne in einem Schweizer Hotel als Koch arbeiten möchte. Worauf der Hoteldirektor umgehend mit dem Küchenchef Kontakt aufnimmt, und schon zwei Tage später reist der junge Mann nach Zürich zum Vorstellungsgespräch. Mit Erfolg. Dies ist der klassische Fall von Networking, der bis heute einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft hat. Doch zusätzlich dazu gibt es inzwischen eine Menge weiterer Möglichkeiten mit Clubbing-Angeboten für alte Hasen und elitäre Junge beiderlei Geschlechts.

Mehr als Hilfe bei der Jobsuche

Meistens ist die Jobsuche das grosse Thema beim Networking. Mindestens die Hälfte aller Jobs wird über Beziehungen vergeben, selbst wenn sie öffentlich ausgeschrieben werden, so die Schätzung von Fidel Stöhlker, Geschäftsführender Partner der Klaus J. Stöhlker AG in Zollikon: «Gerade in der kleinen Schweiz, wo man sich kennt, macht kaum jemand Karriere, nur weil er gut ist. Es hängt vielfach davon ab, wen man kennt und wie gut man jemanden kennt», sagt er, der sich selbst als Profi-Netzwerker bezeichnet.

Ein gutes Beispiel ist das von Bruno Gehrig, Verwaltungsratspräsident der Swiss Life, der einen VR-Sitz an Franziska Tschudi, Chefin von Wicor, vergeben hat. Den Tipp gab ihm ein guter alter Bekannter, der Zürcher Anwalt Peter Nobel, bei dem Tschudi ein paar Jahre gearbeitet hatte, recherchierte damals die «Bilanz». Mit diesem Coup hat Swiss Life eine beachtliche Summe Headhunter-Honorare gespart, die in diesem Fall wohl sechsstellig geworden wäre.

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Ein schöner Erfolg, schliesslich sind Verwaltungsräte Mangelware, seit sich die Old Boys langsam altershalber aus dem Geschäft verabschieden und jeder gut informierte VR-Präsident sowie die involvierten Headhunter händeringend nach einer Frau suchen.

Inzwischen machen vermehrt auch Kaderfrauen das Spiel um Jobs und Ansehen mit. Einige sind zur Überzeugung gelangt, dass reine Frauennetzwerke sie nicht unbedingt weiterbringen und sie sich in einflussreiche Männernetzwerke einreihen sollten.

Vorzeige-Managerin Barbara Kux, nach Top-Positionen bei ABB, Nestlé und Ford Europe inzwischen als Chief Procurement Manager bei Philips Electronics in Holland in der Chefetage unterwegs, hat konsequent ihre Verbindungen zur männerlastigen Business School Insead in Fontainebleau genutzt, zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber McKinsey sowie zum WWF Davos, wo sie zu einem «Global Leader of Tomorrow» ernannt worden ist.

Der St. Galler Soziologieprofessor Franz Schultheis (siehe auch «Nachgefragt») weiss um die nachlassende Bedeutung militärischer Netzwerke, obwohl bekannt sei, dass auch heute noch in den Chefetagen gewisser Banken Vertreter ganz bestimmter Bataillone sitzen.

So erstaunt es ein wenig, dass eine Frau, die Journalistin und ehemalige Chefredaktorin des «Tages-Anzeigers», Esther Girsberger, in einem etwa fünf Jahre zurückliegenden Interview mit Barbara Lukesch unumwunden zugab: «Das Militär ist für mich das Netzwerk mit dem grössten Nutzen.» Dort habe sie zahlreiche prominente und einflussreiche Männer kennen gelernt, auf deren Unterstützung sie dank verbindender Diensterfahrungen noch heute zurückgreifen könne.

Junge suchen neue Wege

Die alten Hasen in den klassischen Service-Klubs sind für Jungmanager und Frauen nicht unbedingt attraktiv. Diese verzichten lieber auf das lange Aufnahmeprozedere und gehen in offenen Klubs ein und aus, ohne eine Präsenzverpflichtung einzugehen oder sich auf bestimmte Tage festzulegen.

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Der Nachwuchs, ständig unter Zeitdruck, möchte oft auch die Verpflichtung, nämlich auch mal wieder Gutes zu tun, nicht unterschreiben. Er fühlt sich in elitären Zirkeln wie dem Club zum Rennweg, bei Haute oder bei Griffith altersmässig oder was den Stil betrifft, wohler.

Kleine und grosse Foren

Wobei es der Nachwuchs bei den Finanzdienstleistern rund um die Zürcher Bahnhofstrasse etwas lockerer treibt. Der zieht es vor, auf Partyportalen wie dem des Restaurants Carlton in Zürich zu surfen, dessen 5nach6-Events inzwischen als absolut cool bezeichnet werden. Dort trifft man Gleichgesinnte, vielleicht die Frau fürs Leben oder sogar jemanden, der einen Job zu vergeben hat.Er ist einer der ganz Grossen: Wer Klaus Schwab kennt, den Erfinder des World Economic Forum, weiss um seine exzellenten Beziehungen zu seinem Freund Kofi Annan, dem ehemaligen UNO-Generalsekretär, zu vielen Präsidenten und Vizepräsidenten dieser Welt. Wenn die globale Elite sich für die Landung in Davos aus den Sicherheitsgurten windet, weiss ein jeder, der dabei sein darf, um die Ehre.

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Seit im Januar 2008 in Davos die Internetplattform des Social Networks «Welcom» vorgestellt wurde, haben 10000 Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft weltweit die Möglichkeit, sich zu vernetzen und globale Herausforderungen effektiver zu meistern, hiess es damals. Regierungs- und Unternehmensverantwortliche sowie Vertreter der Zivilgesellschaft können Themen analysieren und Lösungen erarbeiten.

Jeder Benutzer erstellt ein Profil mit Foto, Angaben zur Ausbildung, zum Fachgebiet und den Karrierestationen, verkündete Wirtschaftsprofessor Schwab stolz und distanziert sich gleichzeitig von anderen Plattformen wie Facebook, Linkedin oder XING mit einem Hinweis auf die elitäre Community, die zu Welcom Zugang hat.

XING neu für Akademiker

Apropos XING: Seit Ende Juni können auch Absolventen und Studierende von Hochschulen von einer professionellen Internetpräsenz auf XING profitieren. Bereits jetzt nutzen Mitglieder zahlreicher internationaler Universitäten XING zum professionellen Netzwerken, darunter die Harvard Community, die Alumni-Gruppe TU Wien oder die Community des Instituto Empresa Madrid.

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NACHGEFRAGT franz schultheis, Professor am Institute of Sociology Uni St.Gallen

NACHGEFRAGT


«Netzwerken ist eine anerkannte Qualität»

«Netzwerken ist eine anerkannte Qualität»

Ob Studenten, Berufseinsteiger, Manager oder Unternehmer ? alle spinnen ihre Netzwerke. Das Thema hat eine enorme Aktualität. Warum?

Franz Schultheis: Die Wirtschaftswissenschaften haben diese Qualität voll entdeckt und hochgradig anerkannt. Networking steht heute beim Idealtypus der Entscheidungsträger ganz oben auf der Liste der geforderten Qualitäten. Mit dazu beigetragen hat mit Sicherheit die immer stärker verlangte Sozialkompetenz.

Wie kann man diese Qualitäten erwerben? Was setzt Networking voraus?

Schultheis: Netzwerken ist eine Sozialkompetenz, die eine Vielfalt an anderen Kompetenzen bündelt. Wer den rein instrumentellen Charakter von Networking im Auge hat und das materialistische Interesse heraushängt, schreckt ab. Networking setzt bestimmte Formen der Höflichkeiten und Etikette voraus, gutes Benehmen, Etikette im Auftritt oder bei Tisch, auch Nettigkeiten zu sagen ohne sich anzubiedern.

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Umgangsformen, die nicht alle locker ausüben. Kann man sie lernen?

Schultheis: Es gibt Stil- und Benimmseminare mit dem Ziel, natürliches Auftreten zu lernen und das mit einer gewissen Leichtigkeit. Doch haben nicht alle Menschen ? besonders die, die ihren Weg nach oben mit viel Anstrengung hinter sich gebracht haben ? diese Leichtigkeit des Seins. Wer aus einem anderen Milieu kommt und mit Nachhilfestunden das Parlieren und Austernöffnen erlernt, wirkt oft wie ein dressiertes Zirkustier. Wer dressiert wurde, ist nicht wirklich zivilisiert.

Wer nicht dazu gehört, kann nicht auf Networking hoffen?

Schultheis: Soziale Aufsteiger haben meistens Mühe, besonders Neureiche mit einem Proletenhabitus. Nur Geld alleine ist immer noch vulgär.

Was ist die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Networking?

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Schultheis: Nur etwas wünschen oder verlangen, wenn man selbst etwas zu bieten hat! Zuerst geben und dann nehmen. Das eigene Sozialkapital demonstrieren, indem man beispielsweise sagt: «Ich komme gerade von Direktor Sowieso, der mich in meinen Ideen unterstützt.» Man legt zunächst die Karten auf den Tisch, zeigt, was man zu bieten hat ? und macht als potenzieller Kommunikationspartner schon mal eine gute Figur. Jemand ohne Sozialkapital hat es beim Networking schwer. Er gilt als unterprivilegiert und uninteressant.

Welche Bedeutung haben Netzwerke bei Stellenbewerbungen? Sind sie wichtiger als Zeugnisse?

Schultheis: Zeugnisse und Noten sind relativ und für Arbeitgeber nur beschränkt aussagekräftig, besonders was die Persönlichkeit betrifft. Will ein Arbeitgeber wissen, welcher Bewerber am besten zu ihm passt, muss er intensive Auswahlverfahren treffen. Besser ist, er fragt Menschen, denen er vertraut.

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Wenn also ein HSG-Absolvent auf einen Personalchef trifft, der ebenfalls in St. Gallen studiert hat ?

Schultheis: ist das für beide ein Wiedererkennungsfaktor, das Gefühl von Gemeinsamkeit, Kreditwürdigkeit, ein Qualitätszeichen, womit das Gespräch schon mal lockerer in Fluss kommt.

Hat modernes Networking den Geruch von Seilschaften und Kumpanei abgestreift?

Schultheis: Wer trotz guter Beziehungen nicht über zentrale gesellschaftliche Grundkompetenzen verfügt, hat auf Dauer keine Chance. Man muss begreifen, dass Höflichkeit Vertrauen schafft und dass man über Qualitäten verfügt, auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren. Höflichkeit ist keine reine Stilübung, sondern für das Schaffen anderer Kapitalien ? wie Aufstieg, Einkommen, Prestige ? unheimlich wichtig.

Networking als ideale Trittbretthilfe auf der Karriereleiter oder Aufbau von Seilschaften mit Hilfe von Vitamin B? Der Soziologe Franz Schultheis, Professor am Institute of Sociology Uni St. Gallen macht klar, dass das Knüpfen von Kontaktnetzen eine Reihe von Kompetenzen voraussetzt, die man nicht einfach nebenbei erlernen kann. Schwerer hat es, wer nicht von den richtigen Eltern ist und keinen Zugang zu Eliteschulen und elitären Clubs hat.

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Ob Studenten, Berufseinsteiger, Manager oder Unternehmer ? alle spinnen ihre Netzwerke. Das Thema hat eine enorme Aktualität. Warum?

Franz Schultheis: Die Wirtschaftswissenschaften haben diese Qualität voll entdeckt und hochgradig anerkannt. Networking steht heute beim Idealtypus der Entscheidungsträger ganz oben auf der Liste der geforderten Qualitäten. Mit dazu beigetragen hat mit Sicherheit die immer stärker verlangte Sozialkompetenz.

Wie kann man diese Qualitäten erwerben? Was setzt Networking voraus?

Schultheis: Netzwerken ist eine Sozialkompetenz, die eine Vielfalt an anderen Kompetenzen bündelt. Wer den rein instrumentellen Charakter von Networking im Auge hat und das materialistische Interesse heraushängt, schreckt ab. Networking setzt bestimmte Formen der Höflichkeiten und Etikette voraus, gutes Benehmen, Etikette im Auftritt oder bei Tisch, auch Nettigkeiten zu sagen ohne sich anzubiedern.

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Umgangsformen, die nicht alle locker ausüben. Kann man sie lernen?

Schultheis: Es gibt Stil- und Benimmseminare mit dem Ziel, natürliches Auftreten zu lernen und das mit einer gewissen Leichtigkeit. Doch haben nicht alle Menschen ? besonders die, die ihren Weg nach oben mit viel Anstrengung hinter sich gebracht haben ? diese Leichtigkeit des Seins. Wer aus einem anderen Milieu kommt und mit Nachhilfestunden das Parlieren und Austern-Öffnen erlernt, wirkt oft wie ein dressiertes Zirkustier. Wer dressiert wurde, ist nicht wirklich zivilisiert.

Wer nicht dazu gehört, kann nicht auf Networking hoffen?

Schultheis: Soziale Aufsteiger haben meistens Mühe, besonders Neureiche mit einem Proletenhabitus. Nur Geld alleine ist immer noch vulgär.

Was ist die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Networking?

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Schultheis: Nur etwas wünschen oder verlangen, wenn man selbst etwas zu bieten hat! Zuerst geben und dann nehmen. Das eigene Sozialkapital demonstrieren, indem man beispielsweise sagt: «Ich komme gerade von Direktor Sowieso, der mich in meinen Ideen unterstützt». Man legt zunächst die Karten auf den Tisch, zeigt, was man zu bieten hat ? und macht als potentieller Kommunikationspartner schon mal eine gute Figur. Ein Mensch ohne Sozialkapital hat es beim Networking schwer. Er gilt als unterprivilegiert und uninteressant.

Welche Bedeutung haben Netzwerke bei Stellenbewerbungen? Sind sie wichtiger als Zeugnisse?

Schultheis: Zeugnisse und Noten sind relativ und für Arbeitgeber nur beschränkt aussagekräftig, besonders was die Persönlichkeit betrifft. Will ein Arbeitgeber wissen, welcher Bewerber am besten zu ihm passt, muss er intensive Auswahlverfahren treffen. Besser ist, er fragt Menschen, denen er vertraut.

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Wenn also ein HSG-Absolvent auf einen Personalchef trifft, der ebenfalls in St. Gallen studiert hat?

Schultheis: ist das für Beide ein Wiederkennungsfaktor, das Gefühl von Gemeinsamkeit, Kreditwürdigkeit, ein Qualitätszeichen, womit das Gespräch schon mal lockerer in Fluss kommt.

Hat modernes Networking den Geruch von Seilschaften und Kumpanei abgestreift?

Schultheis: Wer trotz guter Beziehungen nicht über zentrale gesellschaftliche Grundkompetenzen verfügt, hat auf Dauer keine Chance. Man muss begreifen, dass Höflichkeit Vertrauen schafft, und dass man über Qualitäten verfügt, auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren. Höflichkeit ist keine reine Stilübung, sondern für das Schaffen anderer Kapitalien, wie Aufstieg, Einkommen, Prestige, unheimlich wichtig.