Wenn das Blut nicht sowieso schon rot wäre, unsere Leute hätten mobility-rotes Blut», sagt Viviana Buchmann strahlend. Ihre Mitarbeitenden sorgten dafür, dass sie es jeden Morgen «lässig» finde, zur Arbeit zu kommen, so die Mobility-Chefin, die erst seit 1. September 2008 im Amt ist: Sie spüre ein riesiges Engagement: «Das motiviert extrem.» Dass ihr Leidenschaft und voller Einsatz für die Arbeit wichtig sind, merkt man schnell.

Auf ihrem Pult stehen Bildschirm, Tastatur und Telefon. Sonst nichts. Ausser einer Postkarte mit einem Segelschiff und zwei diskreten Kunstgegenständen – Feriensouvenirs von einer ihrer Reisen – befinden sich in ihrem Büro keine persönlichen Gegenstände.

Aufgeräumt wirkt auch ihr Erscheinungsbild. Im eleganten Deux-Piece, dezent und sorgfältig geschminkt und frisiert, sitzt sie mit verschränkten Fingern entspannt am Tisch. Eine aufgeschlagene Informationsmappe von Mobility liegt vor ihr. Die Clips der drei Kugelschreiber, die darin stecken, sind akurat ausgerichtet und zeigen senkrecht gegen oben. «Ich bin vorbereitet», sagt ihre Haltung. Buchmann wirkt sehr diszipliniert – und organisiert. Ein weiteres Beispiel dafür: Jeden Morgen steht sie um fünf Uhr auf und ist um halb sieben im Büro.

Viviana Buchmann lacht gerne, ihr Tonfall bleibt stets ruhig und freundlich. Auch Fragen über ihre Person, Freizeitaktivitäten und Hobbys beantwortet sie bereitwillig – und überlegt. Lediglich wie sie ihren Mann kennen gelernt hat, will sie nicht verraten.

Am liebsten spricht sie über Mobility. «Ich finde Mobility ein fantastisches Unternehmen», schwärmt die 55-jährige Luzernerin. Das Wort «fantastisch» wird sie im Gespräch noch einige Male verwenden – immer im Zusammenhang mit Car Sharing. «In der Schweiz sind 3,9 Mio Autos immatrikuliert. Diese stehen durchschnittlich 23 Stunden pro Tag auf dem Parkplatz», so Buchmann. «Mit Car Sharing können Sie die Anzahl Fahrzeuge reduzieren, Sie können Parkplätze besser nutzen und den CO2-Ausstoss minimieren und Geld sparen», führt sie aus. Und: «Sie merken, die Begeisterung ist absolut da.»

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Im Sommer feierte Mobility den Beitritt des 80000sten Kunden. «In den nächsten zwei Jahren will ich den 100000sten Kunden begrüssen», so Buchmanns Ziel. 2000 Fahrzeuge stehen den Benutzern an 1050 Standorten in der ganzen Schweiz zur Verfügung. In keinem anderen Land ist Car Sharing so verbreitet wie in der Schweiz.

Grossprojekt Österreich

Der Grund liegt im guten Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Car Sharing funktioniert vor allem in Kombination mit dem öffentlichen Verkehr. Mobility pflegt eine langjährige Kooperation mit den SBB und dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) und weiteren Tarifverbunden. In urbanen Gebieten wohne jeder Einwohner höchstens 7 bis 10 Gehminuten von nächsten Mobility-Standort entfernt, so Buchmann.

Das aktuelle Grossprojekt von Mobility heisst Österreich. «Wir wollten zeigen, dass wir es auch im Ausland können», so Buchmann. Der österreichische Partner arbeite jetzt schon auf der Mobility-Plattform – der Integrationsprozess sei im Gange.

Sind auch andere ausländische Märkte im Visier von Mobility? «Wir haben die Vision, dass man in jedem europäischen Land Mobility Car Sharing nutzen kann», erläutert die Mobility-Chefin. Über konkrete Projekte könne sie jedoch noch nicht sprechen – man sei im Gespräch.

Erwartungsgemäss besitzt Buchmann kein eigenes Auto mehr. Sie nutze, «wie viele Mobility-Mitarbeitende», die roten Car-Sharing-Autos. Diese dürfen das Produkt ihrer Arbeit zwar nicht gratis nutzen, profitieren jedoch von einem Mitarbeiter-Tarif. «Der Erfolg des Unternehmens hängt sehr stark vom Erfolg der einzelnen Mitarbeitenden ab», so Buchmanns Devise. Man versuche deshalb bei Mobility, die Wertschätzung den Mitarbeitenden gegen-über zum Ausdruck zu bringen. Sei es durch Gipfeli und einen Früchtekorb in der Cafeteria, gute Sozialleistungen und Ferienregelungen oder flexible Arbeitszeiten fürs Kader.

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Auch bei der Besetzung von freien Stellen würde nach Möglichkeit den bestehenden Angestellten die Chance gegeben, sich intern weiterzuentwickeln. Die KV-Lehrlinge werden nach Abschluss der Lehre ebenfalls häufig weiterbeschäftigt. Als wir später einen Rundgang durchs Gebäude machen, begrüsst die Chefin ihre Mitarbeitenden mit Vornamen.

Auf die Frage, wie sie sich als Chefin einschätze, antwortet Buchmann, sie sei eine leistungs– und zielorientierte Person. Und sie sei sehr beharrlich. Dennoch lege sie Wert darauf, dass ihre Mitarbeitenden mit ihr reden können. Dazu gehöre auch, Konflikte aktiv anzugehen. «Schwelende Konflikte unter den Teppich zu wischen, ist nicht meine Art», sagt sie. Und lächelt.

Trotz der ruhigen Stimme und des häufigen Lächelns: Buchmann strahlt eine natürliche Autorität aus. Man traut ihr sofort zu, dass sie in Konfliktsituationen durchgreifen kann. Und für gewöhnlich bekommt sie, was sie will. Wenn es sein muss, wohl auch ohne Lächeln.

Reisen zieht sich wie ein roter Faden durch Buchmanns Leben. Zwar hat sie selbst nie länger im Ausland gearbeitet, ist jedoch mehrere Jahre in der Reisebranche tätig gewesen. Bevor sie 2006 bei Mobility als Leiterin Angebot und Kundenservice begann, arbeitete sie neun Jahre beim Ferienwohnungsvermieter Hapimag.

Teilen statt besitzen

Bereits damals hörte sie von Mobility und wollte ein gemeinsames Projekt realisieren. Sie habe gedacht: «Das ist ein Unternehmen, das mich faszinieren könnte:» Als sie von einem Bekannten auf die freie Stelle hingewiesen wurde, habe sie die Chance gepackt – und den Job bekommen.

Von der Konzeptidee – teilen anstatt besitzen, sei es eine Wohnung oder eben das Auto – ist Buchmann überzeugt. Es mache doch einfach Sinn, dass in den Ferienorten keine kalten Betten und auf den Parkplätzen keine unbenutzten Autos stehen würden, argumentiert sie. «Ich finde es einen faszinierenden Gedanken, die Sachen dann zu brauchen, wenn es nötig ist.»

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Gerne würde sie mal mit ihrem Mann von Alaska quer durch Amerika nach Chile reisen, verrät sie uns: «Aber das liegt noch in ferner Zukunft.» Denn für diese Reise bräuchte es viel Zeit, sie wolle nicht mit dem Flugzeug von A nach B fliegen. Dazu passt auch ihre Leidenschaft für «leisen» Tourismus. Weil sie sich gerne Zeit lässt zur Entdeckung und Erkundung, habe sie ihre Affinität fürs Wandern entdeckt. Als Ausgleich zur Arbeit ist sie viel in der Natur. «Im Herbst mit seiner Farbenvielfalt ist das besonders schön.» Gerne wandere sie auch in die Höhe, um dann von oben auf das Nebelmeer runterzuschauen.

Neben frischer Luft und Natur hat die Familie einen hohen Stellenwert. Zeit mit ihrem Mann und den beiden Kindern hält sich die Mobility-Chefin sehr bewusst frei. Der Sohn studiere Physik an der ETH Zürich, die Tochter Sience Sociale in Lausanne. «Ich geniesse es, wenn wir am Sonntag alle zusammen am Tisch sitzen und diskutieren.» Was nicht jedes Wochenende möglich ist – denn ausschliessen, dass sie auch am Wochenende arbeite, kann sie nicht.

Buchmanns Zielstrebigkeit und Pflichtgefühl kommen nicht von ungefähr. Bereits ihre Eltern – Buchmann hat italienische Wurzeln – hätten ihr mitgegeben, dass man sich einsetzen muss, wenn man etwas erreichen will. Und dass man an sich selbst arbeiten müsse, wenn man Erfolg haben wolle im Leben.