Schon wieder irgend so ein Preis! Das ist der erste Gedanke beim Erhalt von Unterlagen der Enterprise Stiftung. Doch spätestens nach dem Durchlesen wird deutlich: Der Enterprize, von dieser Institution ausgerichtet, darf definitiv nicht mit dem Etikett «more of the same» versehen werden.

Ausgezeichnet werden nämlich keine Firmen oder wirtschaftliche Leistungen, sondern Projekte und Plattformen, welche den Unternehmergeist in der Gesellschaft fördern. Aber auch hier gibt es einen Unterschied zu den herkömmlichen Preisverleihungen: Es geht dem Vater des Enterprize, Gustav E. Seewer, in erster Linie darum, dass innovative Projekte auf dem Gebiet der praktischen Berufsbildung und -ausbildung gefördert werden. Prämiert werden, kurz gesagt, nicht Personen, sondern die Wirksamkeit ihrer Beiträge auf den Unternehmergeist der Gesellschaft.

Am besten lässt sich das am Beispiel des Gewinners 2006 beschreiben. Die Berufswahlplattform des Kantons Solothurn hilft Schulabgängern ohne Anschlusslösung, eine Lehrstelle zu finden. Das ist insofern neu, als dass in der übrigen Schweiz in der Regel mit mehr oder weniger Erfolg versucht wird, durch solche Angebote entweder schulische Schwächen auszumerzen oder eine drohende Arbeitslosigkeit abzufedern.

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Im solothurnischen Modell wurde ein anderer Approach gewählt. Dies aus der Erkenntnis, dass nichts so motivierend ist wie das Finden der «richtigen» Lehrstelle im Anschluss an die Schule. Gespräche mit Jugendlichen, welche faute de mieux quasi zwischengelagert werden, mündeten immer wieder im unmissverständlichen Wunsch, am liebsten doch direkt ins Berufsleben einsteigen zu können. Wie von Seewer zu erfahren ist, werden für dieses Projekt arbeitslose Kaderleute eingesetzt, die - ohne Entschädigung - Jugendliche bei einer effektvollen Suche nach einer Lehrstelle unterstützen.

Auftritt wird immer wichtiger

Denn es genügt längst nicht mehr, einen sauber geschriebenen Lebenslauf, ein paar Zeugnisse und ein Foto für eine Bewerbung zu unterbreiten. Art und Weise des Auftritts, die nichtverbale Kommunikation und eine gute Ausdrucksweise werden immer wichtiger. Im Schnitt werden praktisch zwei Drittel der in diesem Programm aufgenommenen Schulabgänger nach diesem Coaching erfolgreich weitervermittelt. Kommt hinzu, dass die arbeitslosen Kaderleute sich wieder aktiv am Wirtschafsleben beteiligen können.

Wie kommt jemand dazu, sich finanziell und ideell ausgerechnet für Menschen zu engagieren, die nicht unbedingt a priori eine universitäre Laufbahn einschlagen wollen? Oder für Institutionen, Unternehmen oder Gruppierungen, die seine Anliegen in allen Bereichen fördern helfen, die ihm am Herzen liegen?

Der Stiftungsgründer stammt aus einer Unternehmerfamilie. Als Verwaltungsrat begleitete er das von seinem Vater gegründete gleichnamige Unternehmen in allen Phasen, angefangen vom kleinen KMU bis hin zu seinem weltweit tätigen Auftritt. Er hat selbst eine Berufslehre und später ein Studium der Betriebswirtschaft absolviert.

Freude immer wieder aktivieren

Seewer ist ein begeisterter Anhänger des dualen Ausbildungssystems, wie es in der Schweiz mit Erfolg praktiziert wird und an Berufsolympiaden sich immer wieder eindrücklich als erfolgreich erweist. Sein Credo: «Ich bin mir aber auch bewusst, dass die Sensibilisierung für einen Unternehmergeist, so wie ich ihn verstehe, zwar in einem frühen Stadium geschärft werden muss. Das habe ich daheim als unschätzbares Gut mit auf meinen Berufsweg mitbekommen. Aber damit hat es nicht sein Bewenden: Diese Freude am aktiven Gestalten des Unternehmertums muss immer und immer wieder aktiviert werden. Daher werden eben auch Projekte ausgezeichnet, die weit über diese ersten Stadien einer Karriereleiter von jungen Menschen hinausgehen und alle späteren Stufen eines tätigen Lebens erfassen.»