Glaubwürdige und begabte Menschen bilden das Fundament einer glaubwürdigen und begabten Organisation. Glaubwürdigkeit ist unabdingbar geworden - sowohl auf persönlicher als auch auf unternehmerischer Ebene.» In seinem eben erschienenen Handbuch «Strive for Credibility» appelliert Hans-Ulrich Doerig, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse Group AG, an die Verantwortlichkeit von Unternehmensführern. Wer nach Glaubwürdigkeit und Spitzenleistungen strebe, werde für sich selbst und für sein Unternehmen erfolgreich sein, hält Doerig fest.

Glaubwürdigkeit als oberste Maxime für Leader - dieser Überzeugung ist auch Philippe Hertig, Chef des Unternehmensberaters Egon Zehnder International Schweiz: «Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind das beherrschende Thema des nächsten Jahrzehntes.» Er erachtet die Vertrauenswürdigkeit eines Unternehmens als «entscheidenden Vorteil im Wettbewerb um die besten Talente und um Kapital». Daher habe sie grossen Einfluss auf den nachhaltigen Geschäftserfolg, «denn welcher Aktionär investiert sein Geld und welcher Arbeitnehmer seine Arbeitskraft in ein unglaubwürdiges Unternehmen?».

Ruf des CEO als Kapital

In einer Befragung von 500 Opinion Leaders kam die Kommunikationsagentur Burson-Marsteller zum Schluss, dass das Gesamtbild eines Unternehmens zu über 50% durch die Wahrnehmung seines CEO bestimmt wird. Seine Ausstrahlung ist investorenrelevant, sein guter Ruf gilt als wertvolles Unternehmenskapital. Als Kriterien für die Beurteilung des CEO nannten die Befragten an erster Stelle «Glaubwürdigkeit». Welche Aspekte verbinden Führungskräfte mit Glaubwürdigkeit? Eine Umfrage von Egon Zehnder International ergab folgende Merkmale: Offenheit, Ehrlichkeit, Authentizität, Zuverlässigkeit, das Einhalten von Versprechungen, Kongruenz von Aussagen und Handlungen, persönliche Integrität, Selbstkritik. Hohe Ansprüche, die nur unter Einsatz von Zeit und Engagement zu erreichen, jedoch schnell zu verlieren sind. Für Hans-Ulrich Doerig steht fest: «Eine glaubwürdige Unternehmensführung ist für jede Organisation ein erfolgskritischer Teil der Verantwortung gegenüber ihren Anspruchsgruppen. Sie beruht in erster Linie auf dem Umgang und der Zusammenarbeit mit beziehungsweise für Menschen als Teil eines kontinuierlichen Prozesses.»

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Schon vor der Krise hat sich die Kritik an Wirtschaftslenkern deutlich verschärft: Wer egoistisch und karrieresüchtig vorgehe, könne per Definition nicht glaubwürdig sein, so die Annahme. Mit dem Zusammenbruch des Kasinokapitalismus hat sich die Kritik an Einzelnen zur Kritik am gesamten System ausgeweitet. Vertrauen zurückgewinnen! Diese allerorten erhobene Forderung an politische und wirtschaftliche Führungskräfte mutet in der Krise zynisch an. Wer als CEO bis heute kein Vertrauen aufbauen konnte, kann es nun erst recht nicht schaffen! Dazu Hertig: «Die Wirtschaftskrise ist auch eine Vertrauenskrise. Die Glaubwürdigkeit der Wirtschaftskapitäne wird infrage gestellt. Wenn diese Manager ein offensichtliches Mitverschulden an der Krise trifft, wird es sehr schwierig, dieses Vertrauen zurückzugewinnen.»

Vertrauen zurückgewinnen

Doch pauschale Verurteilungen sind fehl am Platz. Es gibt sie, die integren Chefs. Und oft werden ihre Führungskompetenzen erst in Krisen wirklich sichtbar. In Zeiten von Stellenabbau und Schliessungen sind jedenfalls mehr denn je Führungskräfte gefragt, die ehrlich kommunizieren und möglichst unabhängig agieren. Dazu Philippe Hertig: «Ein glaubwürdiger Chef zeigt ein nachvollziehbares Führungs- und Entscheidungsverhalten, kommuniziert offen und direkt, lässt konstruktive Kritik zu, hält Versprechen ein -und besinnt sich auf ein nachhaltiges, wertekonformes Schaffen.» Mittels Authentizität und Führungskompetenz, Zuverlässigkeit und Konsequenz bei der Umsetzung beschlossener Massnahmen könne das oberste Management Vertrauen zurückgewinnen.

Man ahnt es: Die Ansprüche an die Chefs von heute und morgen steigen gewaltig. «Echte Führungskräfte sind herausragend aufgrund ihrer persönlichen Integrität», nennt Doerig als ersten Punkt eines Kriterienkatalogs. Ein echter Chef verfüge über «trust based on truth», Vertrauenswürdigkeit basierend auf Wahrhaftigkeit. Oder anders: «Real leaders say what they do and do what they say.»

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