Wenn Menschen einen Job suchen, geben sie meist den Jobtitel oder die Wörter «Jobs in Zürich und Region» in das Google-Suchfeld ein. Diese Erkenntnis war der Ausgangspunkt für die Entwicklung dessen, was Google-CEO Sundar Pichai kürzlich als «Google for Jobs» präsentierte. Weil ohnehin fast alle Menschen ihre Jobsuche bei Google starten, sollen dort Jobs künftig schneller gefunden werden. Möglich macht das ein mit künstlicher Intelligenz und lernenden Algorithmen gepimptes System, das Jobsuchern den Weg zu ihrem neuen Beruf so leicht wie möglich machen soll.

Die Probleme, die Jobsuchende momentan im Internet haben, sind bekannt: Linkedin und andere Portale übertreffen sich regelmässig mit absurden Jobvorschlägen, weil das Matchingsystem noch nicht ausreichend funktioniert. Andere Aggregatorensysteme funktionieren ebenfalls nicht, weil sich Jobtitel, Anforderungen und weitere Spezifika einer Ausschreibung in fast allen Ländern der Welt unterscheiden und damit einen unübersichtlichen Wust an Daten generieren. Das macht es Suchmaschinen fast unmöglich, Jobausschreibungen sinnvoll zu kategorisieren und an jene Personen auszuliefern, die sich gerade für eine neue Stelle interessieren.

Firmen in der Bringschuld

Was will nun aber Google? Und warum sind sogar die Konkurrenten von Linkedin, Glassdoor und Facebook vom Konzept überzeugt? So hat Facebook erst im Februar 2017 eine Jobfunktion aufgeschaltet und macht dennoch mit Google gemeinsame Sache. Ein Facebook-Manager sagte nach der Produktpräsentation: «Diese Partnerschaft mit Google hilft uns, das Ziel zu erreichen, die Jobsuche noch effizienter zu machen.» Auffallend bei der Präsentation des neuen Konzepts war, dass fast alle Jobsuchmaschinen, so beispielsweise Indeed mit 20 Millionen Inseraten, mit Google kooperieren. Auch Linkedin, das wohl bekannteste Karrierenetzwerk, sitzt mit im Boot. Linkedin-Chef Dan Shapero sagte: «Google Jobs hat das Potenzial, das Auffinden von Millionen von Jobs auf Linkedin radikal zu verbessern.»

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Die Suchergebnisse, die die Google-Jobsuche künftig ausspielt, sollen vor allem praktische Details enthalten. Die Personalisierung berücksichtigt etwa die Zeit, die man zum Pendeln zum Job einsetzen möchte, sowie eine Darstellung der Anforderungen, die für die Arbeit vorausgesetzt werden. Je genauer Google seine Nutzer kennt – und die Datenkrake Google weiss bekanntlich einiges –, umso treffsicherer werden die Jobangebote.

Bewerbung mit Knopfdruck

Die neue Google-Funktion wirft eine Menge Fragen auf, die bei der Google- Präsentation bei weitem nicht alle beantwortet wurden: Was bedeutet dieser Einstieg für die anderen Karriere- und Jobportale? Was bringt das Konzept für Jobsuchende – und müssen Firmen jetzt für jede Jobanzeige auch noch eine Gebühr an Google zahlen, um gefunden zu werden? Den Jobseitenbetreibern bleibt wohl auch aufgrund der domianten Marktstellung von Google nichts anderes übrig, als mit der Firma zu kooperieren. Motto: Besser, mit Google mitzuspielen, als gar nicht im Ergebnisfeld aufzutauchen. Das gilt vor allem, wenn die eigene Matching-Technologie noch mangelhaft ist.

Bei den grossen Jobportalen ist die Begeisterung für die neue Suchfunktion von Google daher noch nachzuvollziehen. Denn sie könnten mit Googles Hilfe ihre eigene schwache Matching-Technologie ablösen. Immerhin hat Google-Chef Sundar Pichai für das neue Projekt eine klare Losung ausgegeben. Er will, dass der «Code des Matchings» entschlüsselt wird.

Preise könnten steigen

Für Firmen, die Stellen ausschreiben, hat Google bereits eine technische Struktur geschaffen, die seit mehreren Monaten getestet wird. Und diese funktioniert so: Firmen sollen sich mit dem Tool Cloud Jobs API vernetzen, auf das sie mit der Google Cloud Zugriff haben. Dort sollen dann Jobausschreibungen analysiert werden. Google behauptet, dass erste Partner aus der Industrie wie Johnson & Johnson und Fed Ex bis zu 18 Prozent mehr Bewerbungen auf ihre Ausschreibungen durch das System erhalten haben.

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Offen ist noch die Frage, welche Gebühr Google von Firmen künftig verlangen wird, um in das Jobsuchsystem hineinzukommen. Zudem könnte sich ein Preiswettlauf unter den Firmen entwickeln, wenn es beispielsweise ein Bietersystem gibt, das festlegt, welche Anzeige ganz oben angezeigt wird. Vor allem bei begehrten Fachkräften könnte sich hier ein Preiswettbewerb entwickeln, den Google beliebig nach oben ziehen kann. Und die Zahlungsbereitschaft der Unternehmen dürfte da sein, wenn man bedenkt, wie händeringend in manchen Sektoren nach Fachkräften gesucht wird.

Jobtool für alle

Google will genauso wie Facebook mit seinem Jobtool nicht nur Hochqualifizierten einen Job vermitteln, sondern auch Jobs für Kellner, Rezeptionisten und ähnliche Profile schneller an den Mann oder die Frau bringen. Ein weiteres Rätsel bei der Google-Präsentation ist auch der Button, mit dem man sich mit nur einem Klick auf den jeweiligen Job bewerben soll.

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Entweder hat Google Zugriff auf die Lebensläufe, die beispielsweise bei Linkedin hinterlegt sind, oder Google gibt Nutzern die Möglichkeit, ihre Abschlüsse und Berufserfahrungen in einem eigenen Tool zu erfassen. Das könnte dann für Anbieter wie Linkedin schneller ein Problem werden, als ihnen lieb ist. Immerhin würde ihre Jobvermittlerrolle direkt angegriffen.Der Prozess der Jobsuche soll in allen Branchen vereinheitlicht werden.