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Neue Arbeitswelt
Grössere Revolution als das Internet

Arbeiten im Zug. Bild: Keystone

Früher ging man ins Büro. Heute geht man ins Office oder bleibt im Home Office – real, virtuell und mobil. So bringt sich das Personal ein.

Von Charles Imbacher
am 10.09.2014

Peter Drucker, der berühmte Ökonom und Buchautor, meint: «Die neue Arbeitswelt ist die grössere Revolution als das Internet.» Doch in der Schweiz passt sich die Arbeitswelt nur gemächlich den globalen Veränderungen an. Noch ist der Leidensdruck zu gering. Trotzdem haben vorausschauende Grossfirmen vorbildlich gehandelt und ihr Unternehmen zukunftsfähig gemacht.

Fakt ist: Am Morgen fahre ich nicht mehr in der Hauptverkehrszeit ins Office, Denkarbeit erledige ich in Ruhe zu Hause, Transferzeiten nutze ich, um meine­ Mails zu erledigen, das Büro, um Kollegen zu treffen und Wichtiges zu besprechen. Die gut 60 Prozent der Wissensarbeiter in der Schweiz könnten heute – dank modernster Technologie – bereits von irgendwoher, auch von der Tropen­insel aus, naht- und drahtlos tätig sein.

IBM hat es vorgemacht, das nonterritoriale Arbeiten wurde dort schon vor über zehn Jahren gepflegt. Und die SBB setzten soeben mit dem Bezug des neuen Hauptsitzes in Bern-Wankdorf hierzulande dem Thema die Krone auf. Gearbeitet wird nicht mehr exklusiv im Office. Im Gegenteil: Geschäftliches kann daheim, beim Kunden, in der Flughafenlounge oder im Bahnabteil erledigt werden. Die «3P» für «People, Place, Process» müssen planerisch intelligent miteinander verbunden werden, damit der Wissensarbeiter optimal tätig sein und kommunizieren kann. Sicher, schnell, souverän.

Führung neu definiert

Die Produktlebenszyklen sind viel kürzer. Innovation ist konstant angesagt und Change ist das Einzige, was permanent bleibt. Leider wird sich auch das Arbeits­tempo nicht verringern. «slow work» wäre noch zu definieren. Das fordert zudem ­engagierte, frische Führungspersönlichkeiten mit einer neuen Management­kultur: Vertrauen anstelle von Kontrolle, Resultate anstelle von Präsenz. Führen über Resultate ist anspruchsvoll und muss gelernt werden. Gesamthaft bedingt es eine neue Wertarchitektur in der Firma, um Mehrwerte zu schaffen – vom Personal bis zum Geschäftsmodell.

Heute ist bei einem Büroneubau oder -umbau vorab eine 360-Grad-Gesamt­beratung notwendig. Denn die Evolution muss antizipiert werden – mit neuen Prozessen, Technologien, Arbeitsplatzkonzepten, Kommunikationsinseln, mehr Flexibilität und tieferen Kosten. Als Angestellter verliert man oft seinen persön­lichen Arbeitsplatz, dafür gewinnt man das gesamte Unternehmen.

Die Arbeit findet flexibel immer am richtigen Ort statt: In der ruhigen Denk­zone, der agilen Office- und Teamzone, auf der Kommunikationsinsel. Die smarte Architektur macht es möglich und Google hat es vorgemacht. «Enabling Spaces» – Arbeitsorte, die Aufgaben bestmöglich unterstützen, die Austausch sowie Kollaboration fördern und die «time to market» verringern.

Klar kann sich jeder Mitarbeitende bis tief in die Nacht, am Sonntag und in den Ferien zu Tode arbeiten. Aber nicht vergessen: Jedes mobile Telefon hat einen Aus-Knopf, jedes Mail kann umgeleitet werden. Die Selbstverantwortung steigt auch hier. Jeder muss selber Frau beziehungsweise Herr über sein Wohlergehen, den Stresslevel und das richtige Arbeitsmass sein.

VW hat damit begonnen, über das Wochenende den Mail-Server abzustellen. Und das Personal bei Daimler kann während der Ferien eingehende Nachrichten mit dem Dienst «Mail on Holiday» löschen lassen. Der Absender wird automatisch über die Vertretung informiert. Ist das echt die beste Lösung?

Gesundheit und Erfolg

Eigenverantwortung und -initiative müssen Vorrang haben. An dieser Stelle sei für eine «work life learn integration» plädiert. Blicken wir positiv in die Zukunft. Die «smart world of work» wird die Arbeitswelt neu prägen und uns neue, einzigartige Möglichkeiten auf globaler Ebene eröffnen.

Tatsächlich: Die Arbeitswelt von morgen ist gewaltigen Veränderungen unterworfen. Mit inspirierenden Möglichkeiten, Verantwortlichkeiten und Freiheiten. Wichtig ist, sich da lösungs­orientiert hineinzubegeben, zu experimentieren und sich – Schritt für Schritt – produktiv wohlzufühlen. Die wahre Revolution. Sind Sie dabei?

 

38. SGO Herbsttagung: So arbeitenwir morgen

Veranstaltung
Die Schweizerische Gesellschaft für Organisation und Management (SGO) lädt am 23. Oktober 2014 zu ihrer 38. Herbsttatung. Die Veranstaltung von 9 bis 20 Uhr im Hotel Park Hyatt in Zürich dreht sich um das Thema «Evolution der Arbeitswelt – wie und wo arbeiten wir morgen?» Auf dem Programm stehen diverse Keynotes und Workshops, unter ­anderem mit: Philippe Riederle (19), Vertreter der Generation Y; Petra Jenner, Country Manager von Micro­soft Schweiz; Joël Luc Cachelin, Zukunftsforscher der Wissensfabrik in St. Gallen; Oliver Hauri, Chief Marketing Officer (CMO) der Lienhard Office Group; Michael Unterschweiger, Director Partner Operations von Cisco Systems Switzerland. Mitglieder der SGO zahlen 590, Nichtmitglieder 790 und Studierende 190 Franken.

www.sgo.ch

 

Charles Imbacher, Managing Partner, Balanced Performance Agency, Baar.

 

38. SGO Herbsttagung

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