Für den ETH-Doktoranden Lorenz Meier ist es ein schöner Erfolg: Das renommierte Magazin «MIT Technology Review» setzt den Schweizer auf die Liste der «35 Innovatoren unter 35». Damit kommt Meier die gleiche Ehre zu wie in früheren Jahren den Google-Gründern, Larry Page und Sergey Brin oder Facebook-CEO Mark Zuckerberg.

Freude über den Erfolg hat man auch an Meiers Wirkungsstätte. Wie ETH-Präsident Professor Lino Guzzella gegenüber handelszeitung.ch sagt: «Auf dieser Liste zu stehen, ist eine schöne Auszeichnung. Ich freue mich darüber, denn es zeigt, dass junge ETH-Talente weltweit anerkannt sind. Lorenz Meier hat mit der PX4 eine Open-Source-Software geschrieben, die bereits heute den Flug vieler Drohnen steuert und von vielen grossen Firmen übernommen wurde. Seine Arbeit ist ein hervorragendes Bespiel dafür, wie Grundlagenforschung zum geeigneten Zeitpunkt den Weg in die Anwendung findet.»  

Mit Meiers Open-Source-Software können Drohnen autonom navigieren. Besonders wichtig – so die Begründung des Magazins – sein System funktioniert auch mit günstigen Kameras und Computerequipement. Bereits nutzen Branchengrössen wie Intel, Qualcomm, Sony oder GoPro Meiers Erfindung.

Risiko von Zusammenstössen

Im Moment konzentriert sich Meier bei seiner Forschung gemäss der ETH-Profilseite auf das Hindernisproblem bei Drohnen. Geld für diese Forschung kommt von Amazon Prime Air. Das verwundert nicht, soll doch der Einsatz von Drohnen für die Auslieferung in Zukunft eine grosse Rolle spielen. Besonders kleine Pakete könnten dann aus der Luft zu den Kunden kommen. Erst dieses Frühjahr hat der Konzern ein Patent für einen Drohnenturm angemeldet.

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Noch aber existieren die Pläne von Amazon vor allem auf dem Papier. Eine der Hürden ist bislang die US-Flugaufsichtsbehörde FAA, die im Bezug auf Drohnen konservativ eingestellt ist. Kritiker warnen zudem vor Chaos am Himmel und möglichen Abstürzen. Da kommt denn auch Lorenz Meiers Arbeit ins Spiel: Wenn die kleinen Flugkörper Hindernisse selbstständig erkennen und umfliegen können, beugt das Kollisionen vor.

Was noch kommt

Nicht nur bei Amazon sind Drohnen ein grosses Thema. Zivile Drohnen boomen weltweit. Die Verkaufszahl dürfte 2017 global auf fast drei Millionen Stück ansteigen, hiess es etwa Ende März am Rande der Technologiemesse Cebit.

Das grosse Potenzial von Drohnen ist unbestritten, auf der Liste des «MIT Technology Review» kommen aber auch andere Arten der Technologie nicht zu kurz. Die Auszeichnung für die Köpfe der Zukunft geht an Erfinder, Unternehmer, Visionäre, Philanthropen und Pioniere. Die Liste will in Erinnerung rufen, dass hinter Innovationen Leute mit Träumen, Ängsten und Ambition stecken. Und zeigen, was gerade läuft und was als nächstes auf uns zukommt.

Herzklappen und «Uber für Schönheit»

Das könnten etwa nachwachsende Organe sein: Svenja Hinderer leitet am Stuttgarter Fraunhofer Institut eine Forschungsgruppe, die eine biologisch abbaubare Herzklappe entwickelt. Diese soll innerhalb von zwei bis drei Jahren durch eigene Zellen des Patienten ersetzt werden. Studien stimmen hoffnungsfroh.

Um Schönheit geht es bei Tallis Gomes’ Arbeit. Der Brasilianer entwickelt ein «Uber» für die Schönheitsindustrie. Über die Serviceplattform Singu können Kunden Masseure oder Kosmetiker zu sich nach Hause bestellen. Die Terminplanung übernimmt ein Algorithmus. Tallis zufolge sollen Anbieter mit Hilfe des Dienstes so viel verdienen können wie ein Rechtsanwalt. Ob diese Vision und die übrigen 34 Ideen den Durchbruch schaffen und unsere Leben nachhaltig verändern, wird die Zukunft zeigen.

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