Es liesse sich argumentieren, in rezessiven Zeiten mit steigender Arbeitslosigkeit spielten die Qualität und das Renommee eines Arbeitgebers eine untergeordnete Rolle. Hauptsache sei, dass jemand überhaupt noch Arbeit anbiete. Und aus der Masse der Nachfragenden könne er sich bequem die Passenden rauspicken. Doch dieses Argument greift zu kurz. Denn auch diese Krise wird irgendwann zu Ende gehen und dann entscheidet die Arbeitszufriedenheit darüber, wie viele der aus solchen Beweggründen Angestellten im Betrieb verbleiben werden. Und vor allem, wie viel sie dort auch nützen.

Denn je nach Studie bloss 11 bis 20% aller Mitarbeitenden gelten als hoch motiviert und entsprechend engagiert. Bis zu 30% jedoch schädigen den eigenen Arbeitgeber sogar aktiv - eine erschreckend hohe Zahl. Der Rest pendelt irgendwo dazwischen und nützt dem Arbeitgeber mal mehr, mal weniger.

Falsche Personalentscheide gehen also ins Geld. Ebenso aber auch an sich richtige Personalentscheide, jedoch bei Mitarbeitenden, die in der Folge nicht gehalten werden können. Hohe Fluktuationsraten steigern nicht nur die Personalkosten - man rechnet mit dem doppelten eines Jahressalärs für die Evaluation eines adäquaten Nachfolgers auf Kaderebene -, sondern sie lassen auch unnötigerweise Wissen abfliessen. Denn es sind selten die Schlechtesten, die von sich aus ein Unternehmen verlassen, sondern diejenigen, die sich anderswo bessere Chancen ausrechnen. Und die gehen spä-testens nach der Krise.

Also muss, was als guter Arbeitgeber gelten will, sich auch in an sich arbeitgeberfreundlichen Zeiten bemühen. Die Firma CRF legt nun die Resultate ihrer zum zweitenmal durchgeführten Auswertung «Top Arbeitgeber in der Schweiz» vor (siehe Kasten). Die darin vorgestellten 22 Unternehmen stellen sich in dieser Hinsicht ein überdurchschnittliches Zeugnis aus.

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Als in den meisten Kriterien führend kristallisiert sich der Uzwiler Anlagenbauer und Prozesstechnologe Bühler mit seinen weltweit fast 7000 und in der Schweiz 2800 Mitarbeitenden heraus. Nicht nur werden weltweit 65% des Weizens bzw. 25% des gesamten Weltgetreides auf Bühler-Maschinen verarbeitet. Auch in der Personalselektion ist es der Geschäftsleitung offenbar ein Anliegen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn Bühler stellt pro Jahr 200 Personen neu ein. Ein wichtiges Instrument für die nachhaltige Personalplanung ist für Bühler dabei der Lehrlingsbestand. Mit 300 Lernenden ist Bühler einer der grösseren Ausbildner der Schweiz. Und zwei Drittel der fertig Ausgebildeten behält er gleich in seinen Diensten; kein Wunder, melden sich auf jede ausgeschriebene Lehrstelle gleich zehn Bewerber.

Weltweit exakte Zahlen zur Mitarbeiterzufriedenheit lässt Bühler zwar erst im Moment erheben, also im 1. Quartal 2009. Trotzdem ist davon auszugehen, dass die Resultate nicht allzu schlecht ausfallen werden. Denn schon heute beträgt die Fluktuationsrate bei Bühler in der Schweiz nur 3,27%, weltweit 7,5%. Und der beziehungsweise die durchschnittliche Bühler-Schweiz-Mitarbeitende bleibt dem Arbeitgeber 16,35 Jahre treu - auch ohne Befragung.

Die Zürcher Kantonalbank ZKB sieht sich im Strudel der Finanzkrise quasi als «Lender of last resort» für unbefriedigte Banker. Besonders bei den Kriterien Klima & Kultur und Work-Life-Balance scheint sie im in dieser Hinsicht nicht gerade verwöhnten Branchenumfeld punkten zu können. Ebenso bei den Entwicklungsmöglichkeiten: Vom Leiter Private Banking über den Bereichspersonalchef bis hin zum CEO Martin Scholl hat schon so mancher ZKB-Kader seine Karriere als ZKB-Lehrling begonnen.

Für Investmentbanker ist das Staatsinstitut zwar nie die richtige Anlaufstelle gewesen. Dafür ist sie im Kreditgeschäft gut positioniert. «Wer als Einsteiger eine überschaubare Unternehmung sucht, muss fast zwangsläufig bei uns anklopfen», wirbt Bereichspersonalchef René Zoller, der selber seit mehr als 30 Jahren dabei ist.

Auch die Raiffeisen-Gruppe setzt bei der eigenen Beurteilung ihrer Attraktivität als Arbeitgeber stark auf das Argument Entwicklungsmöglichkeiten. Das Durchschnittsalter beträgt 39 Jahre und die durchschnittliche Verweildauer mehr als sieben Jahre.

In der Tabelle links besonders ins Auge sticht, dass die meisten der befragten Unternehmen beim Kriterium Work-Life-Balance im eigenen Haus durchaus noch Aufholpotenzial sehen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, schätzen die Firmenverantwortlichen diesen Punkt offensichtlich als nicht besonders wichtig ein. Dafür rühmen sich die meisten einer überdurchschnittlichen Jobsicherheit. Im aktuellen Marktumfeld bestimmt ein auch nicht zu verachtendes Argument.