1. Home
  2. Management
  3. Gutes Klima auf hohem Niveau

New Business
Gutes Klima auf hohem Niveau

Pascal Flüeler (links) und Thomas Barmettler gewannen Gold in der Disziplin Landschaftsgärtnerei

Blick hinter die Kulissen eines Ausbildungsformats der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur.

Von Gérard Moinat
am 28.08.2013

Der Einstieg in die Master-Klasse an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur hat es in sich. Von Tag eins an lässt die Studienleitung die frischen Akademiker spüren, dass sie mit ihren Kommilitonen im selben Boot sitzen. Und zwar buchstäblich: Am ersten Schultag lädt sie die Neulinge zum alljährlichen River Rafting in die Rheinschlucht. Ein unvergessliches Erlebnis, das die jungen Studenten tatsächlich von Anfang an zusammenschweisst.

Die auf diese Weise eingeimpfte Nähe zu seinen Kommilitonen wird man jedoch brauchen können. Denn der wilde Vorderrhein und das Ausbildungsformat haben einige Gemeinsamkeiten. Beide haben etwa eine sehr hohe Fliessgeschwindigkeit. Lediglich drei Semester dauert der Vollzeitunterricht in Chur – genau das ­gesetzliche Minimum für konsekutive Master-Studiengänge. Entsprechend dicht bepackt ist das Programm. Der Lehrstoff lässt sich aber auch gemütlicher angehen und auf bis zu acht Semester verteilen, was ideal für Berufstätige ist.

Der Name Major New Business (ehemals Entrepreneurial Management) verrät auf den ersten Blick kaum etwas über dessen Inhalt. Erst bei genauerem Hinsehen erschliesst sich der ausgeklügelte Aufbau des Studiengangs. Er fokussiert neben den Bestandteilen General Management und Forschungsmethodik auf die drei Schwerpunkte Innovation, Internationalisierung und Transformation. Jeder Schwerpunkt kommt mit dem Prädikat «Business» davor daher, schliesslich handelt es sich ja um einen konsekutiven Master of Science (MSc) in Business Administration. Dieser Cocktail an Inhalten ergänzt sich passend zum Ziel des Programms, den Studenten die Erschliessung von neuen Geschäfts­feldern näherzubringen.

Knapp 1500 Franken pro Semester

Die Gebühren für das Studium belaufen sich auf 960 Franken pro Semester. Hinzu kommen 550 Franken Kosten für Schulmaterial pro Semester. Die Einschreibgebühr beträgt 300 Franken. Für dieses Geld bekommen die Absolventen einiges geboten. Die Dozenten verstehen etwas von ihrem Beruf und ergänzen den Unterricht immer wieder mit Praxisbeispielen aus ihren Fachgebieten. Auch bezüglich Infrastruktur kann die HTW Chur locker mit anderen Schweizer Fachhochschulen oder Universitäten mithalten. Selbst wenn der über den Westen der Alpenstadt zerstreute Campus, der des­wegen gar nicht als solcher bezeichnet werden kann, ein Wermutstropfen ist.

Die kleine Grösse der HTW erlaubt ihr dafür Extravaganzen, die Studenten anderer Bildungseinrichtungen staunen lässt. Einzelne Lektionen werden online übertragen und aufgezeichnet, damit die Absolventen, die sogar von Genf her nach Chur pendeln, nicht für jeden Input vier Stunden Weg auf sich nehmen müssen. Der Dozent hat zudem ein persönliches Mikrofon angesteckt, für Klassendiskus­sionen hängen Stereomikrofone an den Wänden, und ein Kameramann, der den «Prof.» gleich noch auf Studentenbeiträge im Live-Chat aufmerksam macht, trägt die Hochschulatmosphäre bis nach Hause.

Auch lassen sich alle in den Vorle­sungen behandelten Präsentationen und ­Dokumente unkompliziert über Moodle abrufen, eine Lernplattform auf Open-Source-Basis. Regelmässig fotografieren Dozenten die im Unterricht erstellten Pinboards und veröffentlichen sie. So können sich Ferngebliebene problemlos einen Überblick über das Verpasste verschaffen. Sowieso ist das Nachlesen von versäumtem Stoff kein Problem. Neben der haus­eigenen Bibliothek stehen mit dem Nebis-Lieferservice alle Bücher der am Netzwerk angeschlossenen Schweizer Bibliotheken zur Verfügung. Was sehr wichtig ist, denn der Anteil des Selbststudiums auf Master-Niveau ist hoch. Auch in den zahlreichen Gruppenarbeiten ist man über den umfangreichen Bibliothek­zugang froh.

Viele Teilzeit arbeitende Studenten

Im Unterricht wiegt sich der Anteil von Frontal- und Klassenunterricht im Übrigen in etwa auf. Die Schultage verteilen sich im ersten Semester jeweils auf Donnerstage, Freitage und Samstagvormittage,­ wobei sich die Vormittagslektionen am Samstag dank der Videoübertragung getrost hie und da im Pyjama schauen lassen. Ab dem zweiten Semester reduziert sich der Unterricht auf Donnerstage und Freitage; für Teilzeitler ist es nur noch ein Wochentag. Die HTW hat es mit dieser ­rigorosen Konzentration der Schultage auf die zweite Wochenhälfte fertiggebracht, viele Berufstätige anzulocken. Leute, die bis zu 90 Prozent arbeiten, sind keine Ausnahme.­ Hinzu kommt, dass die aufmerksame Studienleitung die Lektionen so kombiniert hat, dass man höchst selten nur für Halbtage bis nach Chur reisen muss.

Die Planer der HTW Chur haben es weiter geschafft, grosse Schnittmengen zwischen den anderen Majors – Information Science und Tourism – zu erzeugen. So sitzen etwa New-Business-Absolventen ­insbesondere in General-Management-Fächern mit Studenten anderer Majors ­zusammen im selben Raum.

Apropos Tourismus: Dank diesem ­Major erhält die HTW trotz oder gerade wegen ihrer abgelegenen Lage vom Rest der Schweiz – 91 Minuten Zugfahrt von Zürich; 94 Minuten von St. Gallen – einen internationalen Touch. Studenten aus der ganzen Welt büffeln in Chur. Während sich für die Touristiker die ­Auswahl der Fächersprachen erübrigt, können New-Business-Absolventen bei einzelnen Fächern die Unterrichtssprache Deutsch oder Englisch wählen.

Das wahre Alleinstellungsmerkmal, sprich USP, eines Studiums an der HTW Chur sind neben der geschilderten Flexibilität aber sowohl die befruchtende Nähe zu Mitschülern, Dozenten und Absolventen anderer Studiengänge als auch das gute Klima der Hochschule.

 

HTW Chur: Seit 50 Jahren auf dem Markt

Tradition
1963 begann die Geschichte der Hochschule mit der Gründung des Abendtechnikums Chur. Die heutige Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) begann also vor 50 Jahren. Seit dem Jahr 2000 ist die HTW Chur Teil der Fachhochschule Ostschweiz (FHO).

Institut
Die HTW Chur mit ihren rund 1600 Studierenden ist eine regional verankerte Hochschule mit nationaler und internationaler Ausstrahlung. Sie offeriert Bachelorund Master-Studiengänge sowie Weiterbildungen in den Disziplinen Bau, Informationswissenschaft, Management, Medien und Kommunikation, Technik oder Tourismus.

Services
Die HTW Chur betreibt in allen sechs Disziplinen angewandte Forschung und Entwicklung, führt Beratungen durch und bietet Dienstleistungen für die Region an. Dabei arbeitet sie eng mit Partnern aus Wirtschaft und der Öffentlichkeit zusammen. Sie hat eine Antennenfunktion zur Innovationsförderung.

Anzeige