Angestellt wurde er 1986 als Mitarbeiter des Sekretariats der Generaldirektion der Zürcher Kantonalbank. Die trug Urs Ackermann gleich eine Zusatzaufgabe auf, welche die Herren Direktoren selbst als mühsam empfanden. Der Neue sollte sich mit dem Störfaktor Journalist herumschlagen. Sein Berufsfeld habe sich seither massiv verändert, sagt der heutige ZKB-Kommunikationschef rückblickend. Nicht verändert hat sich aber sein Arbeitsethos: «Der spezifische volkswirtschaftliche und soziale Auftrag der ZKB hat mich immer fasziniert. Die Erwartungen der Öffentlichkeit an uns als drittgrösste Bank mit dem Eigenbild des Unternehmens in Einklang zu bringen.»

Nun ist Ackermann von Schweizer Journalisten bereits zum sechsten Mal an die Spitze der Rangliste der besten Mediensprecher der Schweiz gewählt worden. «Eine minimale Selbstreflexion braucht es schon, um in diesem Beruf akzeptiert zu bleiben», kokettiert Ackermann. Er finde es faszinierend, «den Ton zu treffen, ob in Dur oder in Moll. Und sich nicht verbiegen zu lassen - auch und besonders nicht vom eigenen Arbeitgeber.» Diese kritische Auseinandersetzung, dieses Reiben, der Drang nach Emanzipation und Selbstdefinition war und ist für ihn stets eine Herausforderung.

«Ganz schwierig war der Job unter dem damaligen Konzernchef Hans Vögeli: Die Hofnarrenfunktion der Pressestelle war nicht genehm. Doch einfach das Sprachrohr des Arbeitgebers zu sein, rächt sich langfristig», erzählt Ackermann. Tatsache ist, dass Vögeli seit der Sulzer-Affäre 2007 nicht mehr bei der ZKB ist, Ackermann aber immer noch. Die wiederholte Wahl an die Spitze der Pressesprecher-Rangliste zeigt, dass ein guter Sprecher nicht einer ist, der bloss «good news» verbreitet.

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Die weiteren Podiumsplätze in der vom Magazin «Schweizer Journalist» in Zusammenarbeit mit der «Handelszeitung» durchgeführten Umfrage belegen zwei Medienprofis: Auf Platz zwei steht Urs Peter Naef von der Migros, der als Ex-Journalist die Ansprüche seiner «Kunden» bestens kennt und Verständnis hat «für das leere Blatt der Journalisten»: «Erreichbar sein und den Willen haben, Antworten zu geben», lautet sein Anspruch an sich selbst, den er seit acht Jahren zu erfüllen trachtet. Mit Erfolg: «Ich bin selber überrascht, dass ich auf dem 2. Platz bin. Offenbar haben wir einiges besser gemacht als im Vorjahr.»

«Authentizität und Effizienz»

Peter Brun, Head of Corporate Communications bei Kuoni, hat ganze neun Plätze gutgemacht. Was ist das Credo des ehemaligen Radio- und Fernsehjournalisten? «Authentizität, gepaart mit Effizienz, hilft mir, in einer rasanten Informationsgesellschaft die Bedürfnisse von Medienschaffenden zu erfüllen.»

Der letztjährige Zweite, Sepp Huber von Swisscom, ist auf Rang 10 zurückgestuft worden. Er kann sich dies nicht erklären, bleibt aber gelassen. «Ich bin vor vielen Jahren als Newcomer auf Platz 40 gestartet, war seither aber auch zweimal unter den besten drei.» Ihn freut, dass er in der Telekommunikation noch immer vor den direkten Konkurrenten liegt. Doch stört ihn am Rating seit Langem, dass es keine Teambewertung gibt, denn in grossen Unternehmen ist die Medienarbeit keine One-Man-Show.