Gerade mal fünf Minuten Bedenkzeit bedingt sich Warren Buffett aus, um zu entscheiden, ob er sich eine neue Gesellschaft einverleiben will oder nicht. Seine Berkshire Hathaway zählt inzwischen 78 Beteiligungen mit 257000 Mitarbeitenden - denen genau 21 «Verwalter» im Headquarter gegenübersitzen. Es gibt keine Stäbe, keine Personalabteilung, keinen Verkauf, kein Marketing, nicht mal eine Rechtsabteilung. Das spart Zeit, hält die Dienstwege und die Reaktionszeiten kurz.

«Lieber nehmen wir die sichtbaren Verluste aufgrund einiger Fehlentscheide in Kauf, statt die unmessbaren unsichtbaren Verluste tragen zu müssen, die entstehen, weil eine erstickende Bürokratie Entscheide hinausgezögert hat», teilt Buffett seinen Teilhabern lapidar mit.

«Lektüre und Nachdenken»

Seine kostbare Zeit setzt Buffett mehrheitlich zur Kapitalvermehrung ein und für «die Pflege und Fütterung seiner Key-Manager», wie er in seinem «Owner’s Manual» schreibt. Und da die meisten dieser Manager am glücklichsten seien, wenn sie allein gelassen würden, um ihre Geschäfte am Laufen zu halten, lässt er sie eben auch allein. Die Jahresgespräche mit den Geschäftsführern der ihm gehörenden Unternehmen dauern denn auch in der Regel selten länger als zehn Minuten. Aufwendige Zusammenkünfte vermeidet Buffett, wo immer es geht.

Und die gesparte Zeit investiert er in «Lektüre und Nachdenken» schliesslich weiss er, dass ein unterschriebener Vertrag nicht rückgängig gemacht werden kann, «also muss die Denkarbeit vorher erledigt sein». Was sich durchaus auszahlt: Obwohl die Folgen der Finanzkrise sein Vermögen von 50 auf 40 Milliarden Dollar schrumpfen liessen, ergibt sich für den kürzlich 80 Jahre alt gewordenen Über-Investor seit seinem ersten Aktienkauf im Alter von 11 Jahren rein rechnerisch ein Vermögenszuwachs von 66000 Dollar pro Stunde - 7 x 24 Stunden, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. So rechnet sich Zeitsparen.

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Zugegeben, nicht jeder ist ein Buffett. Und ob sein jüngst erkorener Nachfolger, der 39-jährige Hedgefonds-Manager Todd Combs - für dessen Nominierung sich Altvater Buffett überraschend viel Zeit gelassen hat - die Zeit ebenso im Griff hat, wird sich weisen. Aber auch auf tieferem Niveau kann jeder seine endliche Ressource Lebenszeit zielgerichteter einsetzen.

Zeit lässt sich nicht managen

Was aber tun, um als normal talentierter Mensch Herr seiner beschränkten Zeit zu werden? Es gibt dazu Bücher. Viele Bücher. Aber es ist erfahrungsgemäss so, dass diejenigen, die eh zu nichts kommen, denen die Zeit an allen Ecken und Enden fehlt, sich nie die Zeit nehmen, ein Buch über Zeitmanagement zu lesen - was in den meisten Fällen eine vernünftige Methode ist, zumindest an einem Ort ein wenig Zeit zu sparen.

Wie aber löst man sein immerwährendes Zeitproblem nachhaltig? Der Begriff Zeitmanagement ist dabei grundsätzlich falsch: Zeit lässt sich nicht managen - sie vergeht. Nur sich selbst kann man managen. Also ist der Ansatzpunkt für einen besseren Umgang mit der Zeit immer das Selbstmanagement.

Damit Sie sich also selbst optimieren und Ihre Zeit optimal einsetzen können, hat sich die «Handelszeitung» die Zeit genommen, die erfolgsversprechendsten Methoden und Systeme zusammenzutragen.