Nicht nur in realen Netzwerken lassen sich Geschäftskontakte knüpfen und pflegen. Auch die virtuelle Welt eignet sich dafür - und die Eintrittshürden sind oftmals viel tiefer als für elitäre Klubs. Wer früher einen ehemaligen Berufskollegen suchte, hat ihn «gegoogelt». Heute lassen sie sich via Web 2.0 «xingen». Die Namensgeberin des neudeutschen Wortes, die Xing AG in Hamburg, betreibt nach eigenen Angaben das führende Online Business Network in Europa.

Schweizer fast täglich online

Etwa 2,5 Mio Nutzer bzw. über 40% aller Mitglieder stammen aus dem deutschsprachigen Raum. Gesonderte Zahlen für die Schweiz werden nicht kommuniziert. Dafür verrät Daniela Hinrichs, VP Corporate Communications der Xing AG, auf Anfrage der «Handelszeitung»: «Die mitgliederstärkste Stadt der Schweiz ist Zürich, fast jeder sechste Einwohner ist bereits Mitglied bei Xing.» Auch die ausgeprägte Event-Kultur der Schweiz spiegle sich wider: «2007 wurden 1300 öffentliche Live-Events über unsere Plattform organisiert - ein Zeichen, wie sehr sich die Mitglieder mit dem Produkt und dem Netzwerk identifizieren.»

Über 7400 Xing-Mitglieder haben an der Firmenstudie «Kommunikation und Networking im Internet 2007» teilgenommen. Hinrichs führt zur Schweiz aus: «Die befragten Schweizer hatten letztes Jahr durchschnittlich 96 Kontakte. Damit liegt die Schweiz im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Grossbritannien mit 138 Kontakten. Dafür loggen sich 78% der befragten Schweizer fast täglich oder mehrmals pro Woche auf Xing ein - einer der Spitzenwerte unter den befragten Nationen. Und 68% haben neue interessante Geschäftskontakte über die Plattform knüpfen können. Jeder sechste befragte Schweizer hat Umsätze durch Neugeschäft generieren können, jeder dritte rechnet noch damit.»

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Zu den Beweggründen der helvetischen Interaktivität meint Hinrichs: «Die Unabhängigkeit von Zeit und Ort, die unkomplizierte Kontaktaufnahme zu noch nicht bekannten Personen sowie die Beziehungspflege zu Bekannten und Kollegen werden von den Schweizer Befragten als die grössten Vorteile von Networking im Internet angesehen.» Dies bestätige auch die hohe Mund-zu-Mund-Propaganda hierzulande: «92% der befragten Schweizer haben Xing bereits im Gespräch weiterempfohlen - einer der höchsten Werte unter europäischen Befragten nach Deutschland und Österreich.»

Datenschutz wie bei Banken

Und wie steht es um die Sicherheit der persönlichen Daten? Sie geniesse Priorität. Lars Hinrichs, CEO und Chairman der Xing AG, betont: «Wir schützen die Daten unserer Mitglieder gleich auf mehreren Ebenen: Die Kundendaten liegen getrennt vom Firmensitz verteilt auf mehreren Servern. Alles, was bei Xing an Datenströmen ein- und ausgeht, ist per SSL verschlüsselt, eine Technik, die Banken für die Kontodaten ihrer Kunden beim Online-Banking nutzen. Zur technischen Kontrolle kommt die menschliche Komponente: Jeder der 127 Mitarbeiter fühlt sich mitverantwortlich für die Sicherheit der Plattform.»

Lars Hinrichs fügt hinzu: «Zudem stehen viele Mitglieder in ständigem Dialog mit Xing und informieren, wenn ihnen etwas auffällt. Jedem Hinweis der Mitglieder wird nachgegangen. Darüber hinaus bietet Xing seinen Mitgliedern die Möglichkeit, ihre Privatsphäre und somit ihre Daten selbst zu schützen, indem diese per Einstellung festlegen können, wem sie welche Daten zugänglich machen. Sie können diese Rechte jederzeit wieder entziehen. Zusätzlichen Schutz bieten unseren Mitgliedern die strikten europäischen Datenschutzbestimmungen, die Anbieter in den Vereinigten Staaten beispielsweise nicht garantieren können.»

Die Devise: «Jeder kennt jeden»

Die Basismitgliedschaft ist kostenlos: Den registrierten Nutzern stehen die Grundfunktionen von Xing zur Verfügung. Das Gratismitglied hat ein Profil zur Person mit einem Gästebuch, es kann Kontakte einladen und verwalten, Termine organisieren sowie private Nachrichten empfangen.

Interaktiver wird es, wenn man eine Premiummitgliedschaft abschliesst. Die kostet 71.40 Euro (120 Fr.) für ein Jahr. Bei der ersten Anmeldung erhält man den 13. Monat geschenkt. Die Premium-Mitgliedschaft lässt sich während 31 Tagen gratis erproben. Nach Ablauf der Testphase wird sie automatisch zur Basismitgliedschaft. Als Premiummitglieder profitiert man von diversen Zusatzfunktionen: Man sieht, warum andere Mitglieder das eigene Profil aufgerufen haben oder welche Kontakte die Kontakte des eigenen Profils haben. Oder wie es Xing selbst zu sagen pflegt: «Jeder kennt jeden über sechs Ecken.»

Entsprechend potenzieren sich die Kontakte von Kontakten bis hin zu Kontakten dritten Grades. Zudem  lassen sich beliebig viele Mitglieder zu Events einladen. Und mit der Powersuche kann man nach Personen forschen, um etwa ehemalige Weggefährten aus dem privaten oder beruflichen Umfeld bzw. Mitglieder mit gleichen Interessen oder Ausbildungen zu finden.

Per 30. Juni 2008 waren unter www.xing.com mehr als 6,1 Mio Mitglieder registriert. 67% davon stammten aus anderen Ländern als Deutschland. Die Gesamtzahl konnte im 1. Halbjahr des laufenden Jahres um 1,3 Mio Nutzer gesteigert werden. «Unsere Basis konnte in den vergangenen Monaten neben dem organischen Wachstum auch durch Akquisitionen lokaler Netzwerke in Spanien und der Türkei gesteigert werden. Damit haben wir die Internationalisierung beschleunigt», sagt Daniela Hinrichs.

Von diesen über 6,1 Mio Mitgliedern haben sich 470000 für die zahlungspflichtige Premiummitgliedschaft entschieden. Alleine im 2. Quartal ist diese Zahl um 50000 Nutzer gestiegen. «Kein Social Network weltweit hat mehr Mitglieder, die für Premium-Funktionen zahlen», ergänzt Hinrichs. 92% der Premiummitglieder loggen sich ihr zufolge jeden Monat bei Xing ein. Und wer online geht, sieht, dass er nie allein auf der Website ist. Im Schnitt sind es an die 30000 Nutzer. Die Zahl der Page Impressions liegt bei etwa 80 Mio pro Monat. Diejenige der Unique Visitors macht rund 2,2 Mio pro Monat aus.

Der Motor von Xing

Der Jahresumsatz 2007 betrug rund 20 Mio Euro; im 1. Halbjahr 2008 allein waren es bereits 16 Mio Euro. Wachstum gab es auch beim Ertrag: Im Geschäftsjahr 2007 verzeichnete Xing ein Ebitda von 6,9 Mio Euro, und im 1. Halbjahr 2008 betrug es schon fast 5,8 Mio Euro - die Marge konnte mit 36% gegenüber dem Ergebnis des 1. Halbjahres 2007 mehr als verdreifacht werden. Unter den drei Erlösquellen Subscriptions (Premiummitgliedschaften), E-Commerce (Marketplace und Best Offers) und Advertising erzielten die neuen Bereiche Advertising und E-Commerce im 1. Halbjahr 2008 bereits 20% des Gesamtumsatzes.

Mit Xing wurde ein Begriff gewählt, der in vielen Kulturen verstanden wird. Im Amerikanischen steht es für «Kreuzung» («x-ing»), im Chinesischen für «ich kann es tun». Die Aussprache wurde dabei bewusst offen gelassen.


nachgefragt

«Die Schweizer zählen zu den treusten Zahlern»
Lars Hinrichs ist CEO und Chairman der Xing AG in Hamburg. Er hat die Firma 2003 gegründet und 2006 an die Börse gebracht.

Welche Bedeutung hat die Schweiz für Ihr Online-Netzwerk?

Lars Hinrichs: Unsere Schweizer Mitglieder haben die Plattform bereits sehr früh intensiv genutzt und den Aufbau einer starken, mehrsprachigen Community vorangetrieben; sie zählen zu unseren treusten Zahlern. Die Schweiz war eines der ersten Länder, in denen Xing mit einem Country Manager vertreten war. Zudem sind wir hier auch mit offiziellen Ambassadoren vertreten, dabei handelt es sich um engagierte Mitglieder, die Xing auf lokaler Ebene repräsentieren und Xing-Live-Events organisieren. Mit insgesamt 16 ausgewählten und lizenzierten Ambassadoren ist die Schweiz nach Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten das am stärksten repräsentierte Land im Xing-Offline-Networking.

Welchen Nutzen haben die mehr als 6,1 Mio Mitglieder?

Hinrichs: Unsere Mitglieder entscheiden sich für Xing, weil sie drei entscheidende Vorteile haben: Erstens finden sie die für sie relevanten Ansprechpartner einfacher und schneller. Zweitens können sie Geschäfte online anbahnen und abschliessen. Drittens können sie ihre Kontakte leichter und effizienter managen, weil ihnen Xing ein automatisch aktuelles Adressbuch bietet, das nicht von ihnen gepflegt, sondern von den Mitgliedern des eigenen Netzwerks aktualisiert wird.

Welchen spezifischen Nutzen haben die Schweizer Mitglieder?

Hinrichs: Schweizer profitieren zusätzlich davon, dass Xing der regionalen Sprachvielfalt gerecht wird: Neben den Amtssprachen Deutsch, Französisch und Italienisch ist die Plattform in weiteren 13 Sprachversionen nutzbar. Dazu gibt es mehr als 100 Expertengruppen von Xing mit Regionalbezug zur Schweiz, in denen sich Mitglieder austauschen.

Was macht Ihr Online-Netzwerk bedeutender als andere Angebote?

Hinrichs: Wir sind das führende Business-Netzwerk in Europa. Millionen nutzen Xing für Geschäft, Beruf sowie Karriere und profitieren von hoch entwickelten Services. Mit dem Marketplace integrierte Xing erstmals die Funktionalität einer Jobbörse in die Vorteile eines Business-Netzwerks. Das Bonusprogramm Best Offers bietet unseren Mitgliedern günstige Konditionen bei verschiedenen Partnern. In mehr als 17 000 Expertengruppen können sich Mitglieder zu einer Vielzahl von Themen austauschen, neue Kontakte knüpfen und Zugang zu Expertenwissen finden. Zudem ist Xing eines der wenigen Netzwerke weltweit, denen es gelungen ist, von Anfang an ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu etablieren.

Und was unterscheidet Ihr Online-Netzwerk von anderen Anbietern?

Hinrichs: Xing ist ein Netzwerk mit klarem Fokus auf Business. Darin unterscheidet es sich von anderen Social Networks. Unsere Positionierung ist ein wichtiger Punkt für unsere Mitglieder. Wir sehen, dass sie eine Vermischung von geschäftlichen und privaten Inhalten nicht wollen und diese deshalb eher trennen. Xing-Mitglieder schätzen zudem die Sicherheit und den Schutz ihrer persönlichen Daten.