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Abrupt
Jürgen Steinemann erteilt VR von Aryzta Absage

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Jürgen Steinemann: Will doch nicht in die Aufsicht von Aryzta einziehen. Keystone

Eine erneute Negativmeldung setzt Aryzta zu. Jürgen Steinemann, Ex-CEO von Barry Callebaut, will doch nicht Verwaltungsrat des Backwarenkonzerns werden. Der Grund könnte in Deutschland liegen.

Beim schwer in der Krise steckenden Backwarenkonzern Aryzta gehen die Turbulenzen weiter: Der im August als prominenter Zuzug in den Verwaltungsrat angekündigte Jürgen Steinemann wird nun doch nicht ins Aufsichtsgremium einziehen.

Der ehemalige Konzernchef des Schweizer Schokoladeherstellers Barry Callebaut habe dem Verwaltungsrat mitgeteilt, dass er sich zu diesem Zeitpunkt nicht zur Wahl stelle, teilt der Tiefkühlbackwarenproduzent am Freitag mit. Die ordentliche Generalversammlung findet am 7. Dezember statt.

Möglicher Zusammenhang mit Metro

Aryzta hatte Steinemann erst Ende August als Verwaltungsrat nominiert, was damals unter Analysten positiv aufgenommen wurde. Gründe für die jetzige Kehrtwende des Deutschen nannte der schweizerisch-irische Konzern keine.

Diese könnte möglicherweise mit Steinemanns Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident des deutschen Handelskonzerns Metro zu tun haben. Laut Medienberichten ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen fünf Metro-Mitarbeiter wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation.

Es bestünden Anhaltspunkte dafür, dass das Unternehmen mit der Bekanntgabe seiner Aufspaltungspläne im März 2016 zu lange gezögert habe. Die Vorwürfe richten sich den Berichten zufolge auch gegen Steinemann.

Ein Metro-Sprecher wies die Anschuldigungen gegenüber dem Magazin «Der Spiegel» zurück: «Zu dem Zeitpunkt, zu dem Herr Steinemann und ein Vorstandsmitglied Aktien erworben haben, lag keine Insiderinformation vor.» Steinemann wollte gegenüber der Nachrichtenagentur sda nicht Stellung nehmen.

Titel geben nach

An der Schweizer Börse reagierten die Investoren am Freitagmorgen negativ auf den Rückzug von Steinemann als Kandidaten für den Verwaltungsrat. Über die Beweggründe Steinemanns könne nur spekuliert werden, kommentierte ZKB-Analyst Patrik Schwendimann: «Es ist aber sicher nicht positiv zu werten, da er ein klarer Gewinn für Aryzta gewesen wäre.»

Zudem gab Aryzta bekannt, dass Verwaltungsrat Wolfgang Werlé nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung stehe. Werlé sitzt seit 2012 in dem Aufsichtsgremium.

Riesenverlust wegen Abschreiber

Zur Wiederwahl stehen dagegen Präsident Gary McGann, Charles Adair, Dan Flinter, Annette Flynn, Andrew Morgan und der Schweizer Anwalt Rolf Watter. Nominiert sind zudem der neue Aryzta-Chef Kevin Toland und James Leighton als neue Mitglieder.

Aryzta steckt seit einiger Zeit in der Krise. Im vergangenen Geschäftsjahr musste der Hersteller von Tiefkühlbackwaren einen Riesenverlust von 908 Millionen Franken hinnehmen. Schuld am Absturz ist ein Abschreiber in Höhe von 860 Millionen Franken.

Neuer Konzernchef seit September

Wegen des miserablen Geschäftsgangs musste bereits Ende März die ehemalige Führungsspitze den Hut nehmen. Ihre Aufgaben übernahmen interimistisch Führungskräfte der Beratungsfirmen KPMG und FTI Consulting. Seit Mitte September sitzt Kevin Toland als neuer Konzernchef am Steuer von Aryzta. Er hatte zuvor beim irischen Flughafenbetreiber DAA die operative Führung inne.

(sda/jfr)

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