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Junge Milde: Berufsstarter wollen Freizeit statt Geld

Heimatverbunden, harmoniesüchtig und anspruchsvoll. Eine neue Studie zeigt das Psychogramm von Schweizer Berufseinsteigern. Wichtiger als der Lohn sind für die jungen Berufsleute «softe Faktoren».

Von Stefan Mair
09.09.2015, Aktualisiert vor 20 Stunden

Wie ticken Schweizer Berufseinsteiger? Was sind ihre wichtigsten Forderungen an Arbeitgeber? Die Studie «Universum Professional Research Schweiz 2015» gibt einen interessanten Einblick in die Erwartungen von Studenten und jungen Berufstätigen. Neben 4200 Berufserfahrenen wurden 2015 auch über 3500 Nichtakademiker nach ihren wichtigsten Forderungen befragt.

Das Ergebnis: Schweizer Berufseinsteiger wollen viel: Viel Work-­Life­-Balance, viel Respekt, viel Kreativität. Was sie hingegen nicht mehr wollen, ist eine internationale Karriere. Während Arbeit im Ausland für ein Drittel der Studierenden noch attraktiv ist, schrumpft das Interesse bei Berufstätigen um fast 15 Prozent.

Work-Life-Balance ist wichtiger als der Lohn

Die richtige Balance zwischen Privatleben und Beruf ist das wichtigste Ziel der jungen Schweizer Berufseinsteiger. Für fast 60 Prozent der Berufstätigen ist die Work-­Life­-Balance der Faktor, ohne den sie einen Job überhaupt nicht antreten wollen. Die Firma muss eine positive Arbeitsatmosphäre genauso bereithalten, wie sie sich nicht störend in die Familienplanung einmischen darf. Home Office und ausreichend Freizeit gehören für die meisten Befragten zur Selbstverständlichkeit.

Das interessante dabei, Ingenieure und Betriebswirtschafter fordern genauso dezidiert Work­-Life­-Balance wie Vertreter von vermeintlich «softeren» Fächern wie Geistes­ und Sozialwissenschaften. Durchs Band können «harte» Faktoren wie Gehalt oder gute Vorsorgeleistungen nicht mit «soften» Faktoren wie viel Freizeit und gute Stimmung mithalten, das weist auf eine relativ verwöhnte Generation hin.

Die vielen Aspekte von «Respekt»

Der Wunsch nach «Respekt» ist in der untersuchten Gruppe von Berufseinsteigern und jungen Berufstätigen besonders ausgeprägt. Auffallend: Nach jedem Berufsjahr steigt der Faktor im Forderungskatalog der Befragten weiter an, bis er schliesslich zu den Top­-3­-Forderungen der Befragten gehört.

Ein Erklärungsansatz ist, dass die jüngste Arbeitnehmergeneration Respekt für ihre Ansprüche und Lebenskonzepte einfordert. Das beginnt bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder etwa der Forderung nach Home­-Office-­Möglichkeiten. Dass der Faktor Respekt mit jedem Berufsjahr wichtiger wird, weist darauf hin, dass Firmen in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf haben.

Die Forderung nach mehr Respekt könnte auch als eine Forderung nach einer transparenteren Kommunikation im Unternehmen verstanden werden. Offenbar sehen die Befragten nach den ersten Karriereschritten, dass es in Firmen an dieser Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen mangelt.

Unterschiedliche Prioritäten bei ihr und ihm

Am wichtigsten ist Mann und Frau ein kreatives und dynamisches Arbeitsumfeld. Mit den weiteren Plätze bestätigen sich in der Analyse einige Gender­-Klischees. Bei den Frauen beziehen sich die Top-­4­-Attribute, die sie sich von einer Firma wünschen, auf Aspekte von Mensch und Kultur: Ein kreatives und freundliches Arbeitsumfeld, Respekt vor den Mitarbeitenden sowie Förderung durch Vorgesetzte führen die Liste an.

Bei den Männern können Arbeitgeber mit einem attraktiven Grundgehalt (Platz 3) und der Aussicht auf eine Führungsposition (Platz 4) punkten. Auch eine anspruchsvolle Tätigkeit wird von ihnen als wichtiger bewertet als von Frauen (Platz 2 versus Platz 5).

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