Alltag
«Compliance ist kein Luxus, sondern überlebensnotwendig», sagt Lukas Wyss, Rechtsanwalt und «Master of Law» in der Kanzlei Bratschi, Wiederkehr & Buob in Bern und Zürich. Weil er sich seit langem mit Compliance befasst, weiss er, was zählt, wenn Unternehmen Compliance im Alltag umsetzen wollen.

Sinn
Der Sinn von Compliance soll laut Wyss firmenintern verdeutlicht werden. Um sie im Unternehmen zu verankern, sei es zwingend, die Mitarbeiter von deren Nutzen zu überzeugen und die Haltung des Unternehmens unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen. Wyss sagt: «Ohne Compliance ist keine nachhaltig positive Unternehmensentwicklung möglich.»

Vorbild
Die Unternehmensleitung muss Vorbild sein. Compliance funktioniert nach Erfahrung von Wyss im Alltag nur, wenn Geschäftsleitung und Verwaltungsrat sich dazu bekennen und diese vorleben – ohne Wenn und Aber. Sobald Führungspersonen Ausnahmen für sich in Anspruch nähmen, etwa in Interessenkonflikten oder im Rahmen der Spesenregelung, erodiere die Compliance rasch.

Regeln
Klare Regeln sind einheitlich zu handhaben, sagt Wyss. Die vom Betrieb verordneten Regeln müssten einfach, klar verständlich und möglichst ohne Ausnahmen ausgestaltet und so dargestellt werden, dass sie den Mitarbeitern als Orientierungshilfen im Geschäftsalltag dienten. Abteilungen und Bereiche dürften keinen Ermessensspielraum bekommen. «Compliance-Massnahmen sind rasch und transparent zu kommunizieren, stufengerecht umzusetzen und wenn möglich in bestehende Prozesse, Strukturen oder Aktivitäten zu integrieren », so Wyss.

Meldestelle
Das Gesetz des Schweigens soll gebrochen werden, fordert Wyss. Systematische Regelverstösse hielten sich teilweise über lange Zeit. Der Grund liege darin, dass betroffene Abteilungen und Bereiche eine Kultur des Schweigens pflegten. Dazu tragen nicht nur mangelnde Einsicht, langjährige Praxis und Fehlanreize bei, sondern auch die Angst, bei der Meldung von Verstössen Nachteile gewärtigen zu müssen. Daher sei es für eine überzeugende Compliance zentral, eine Meldestelle inklusive der Möglichkeit zur anonymen Mitteilung von Compliance-Verstössen zu schaffen.

Unternehmenskultur
«Übung macht den Meister», sagt Wyss. Compliance sei eine Frage der Unternehmenskultur. Nur was stetig vorgelebt, regelmässig geschult und diskutiert sowie bei Verstössen sanktioniert werde, setze sich in Unternehmen durch.

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