Der UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber soll am 20. November zum Kuratoriums-Vorsitzenden des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gewählt werden. Das ruft laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» (NZZaS) einige Kritiker auf den Plan.

Hierzulande kritisiert Monika Roth, Anwältin und Dozentin am Institut für Finanzdienstleistungen gegenüber der «NZZaS» vor allem, dass Weber in seiner Rolle als UBS-VPR viel zu wenig sichtbar sei. «Die Aufgabe verlangt mehr Präsenz.» Vor allem bei der Aufarbeitung der juristischen Probleme müsste Weber aktiver agieren. Ein hauptamtlicher VPR, der zu viele externe Aufgaben übernehme, gefährde seine Glaubwürdigkeit. «Es entsteht der Eindruck, dass Mandate aus Eitelkeit angenommen werden.»

Kalter Wind aus Deutschland

In Deutschland stosse die Ernennung Webers insbesondere bei linken Ökonomen auf Kritik, heisst es in dem Bericht weiter. So findet etwa Heiner Flassbeck, ehemaliger DIW-Abteilungsleiter, klare Worte: «Bei einem mutlosen DIW, das seine Rolle sucht und nicht finden kann, ist er eine Fehlbesetzung ersten Ranges.» Weber sei ein «aus der Zeit gefallener Monetarist».

Zudem zeichneten sich bereits jetzt Herausforderungen ab. Weber sei ein entscheidender Gegner expansiver Geldpolitik. Er habe seinerzeit aus Protest gegen den Kurs der EZB den Chefsessel bei der Deutschen Bundesbank geräumt. Zuletzt habe er die Politik der EZB auch wieder deutlich kritisiert. Der derzeitige Präsident des DIW, Marcel Fratzscher, gelte hingegen als Unterstützer des EZB-Chefs Mario Draghi. Weber und Fratzscher kennen sich seit 15 Jahren. «Wie die Uneinigkeit in einer der zentralsten wirtschaftspolitischen Fragen zwischen DIW-Präsident und DIW-Kuratorium nicht zum Konflikt führen soll, ist unklar.» Immerhin käme es auf ein geschlossenes Auftreten an.

Als weiteren Punkt hebt das Blatt den zeitlichen Aspekt hervor, der mit einem weiteren Amt einhergeht. Hierzu heisst es von der UBS in einer Stellungnahme, das Kuratorium des DIW Berlin veranstalte zwei Sitzungen pro Geschäftsjahr. Der darüber hinausgehende Zeitaufwand sei nicht sehr intensiv - eine Einschätzung die der DIW teile. «Als ehrenamtliche Tätigkeit wäre diese mit den Aufgaben als Verwaltungsratspräsident der UBS absolut vereinbar.»

(awp/chb)

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