Kürzere Zyklen, mehr Volatilität an der Börse, Druck aus Absatz- und Sourcing-Märkten, von Regulatoren und von Digital-Disruptoren: Mit der Wohlfühloase von einst hat der Verwaltungsrat nichts mehr gemein. «Die Anforderungen steigen», sagt Guido Schilling, Headhunter und Autor des Schilling-Reports, einer Analyse zum Zustand der Schweizer VR.

Ein Schweizer Verwaltungsrat ist mit Kompentenzen ausgestattet, gegenüber denen sich deutsche Aufsichtsräte wie Eunuchen ausnehmen. Eine Machtfülle, die sich lohnt: Für ein anständiges VR-Mandat mit Ausschussarbeit gibt es 50'000 bis gegen 1 Million Franken – ein Bruchteil dessen holen deutsche Aufsichtsräte ab. Axel Weber, Präsident der UBS, kassiert ein Grundgehalt von 3,5 Millionen Franken, während sich der Präsident der Deutschen Bank, Paul Achleitner, mit einer Vergütung von 200'000 Euro zufriedengeben muss.

Je länger, je internationaler

Das VR-Universum in der Schweiz internationalisiert sich zunehmend. Bei den SMI-Titeln sind heute zwei Drittel der Verwaltungsräte Ausländer (siehe Bildergalerie). Auch hier ist der Vergleich mit Deutschland eklatant. Das Strategiegremium von Sulzer zählt acht Mitglieder, sechs davon sind Ausländer; bei Siemens sind unter den zwanzig Aufsichtsräten gerade mal drei Ausländer.  «Die gute Nachricht ist: Das Old Boys’ Net- work verliert an Bedeutung – und zwar dramatisch», sagt Philippe Hertig vom internationalen VR-Vermittler Egon Zehnder. Das Recruiting erfolgt heute nach dem gleichen Muster wie das eines Konzernchefs: Man sucht nach fehlenden Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen oder einer Kombination davon.

Nächste Herausforderung: Digitalisierung

Und die nächste Herausforderung lässt nicht auf sich warten: Die Digitalisierung bringt manchen im Gremium an den Anschlag. Kaum ein Verwaltungsrat, der sich nicht mit digitalem Know-how personell verstärkt. Allerdings ist auch vertieftes Branchenwissen zwingend. Die Credit Suisse holte 2014 den Google-Forscher Sebastian Thrun an Bord, der jedoch zwei Jahre später wieder ausstieg und Berater der Credit Suisse Labs im Silicon Valley wurde.

Auch in eigener Sache ist die Digitalisierung ein Thema. Es gibt Räte, da wechselt kein Papier mehr die Hand, alles ist digital. Damit sind hohe Sicherheitsanforderungen verbunden. Wer vertrauliche und geheime Unternehmensdaten und Personaldossiers elektronisch übermittelt, der muss sich darauf verlassen können, dass Leitungen und Accounts Hacker-sicher sind. Die Modernisierung ist in vollem Gang.

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