Männer sprechen eine andere Sprache als Frauen, da sind sich die Experten sicher. Wer jetzt an Beziehungsratgeber wie «Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können» oder «Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus» denkt, ist schief gewickelt – denn mir geht es um den Berufsalltag: Männer fordern, Frauen bitten. Sie lächeln und versuchen nett zu sein. Männer hauen notfalls mit der Faust auf den Tisch. Frauen geben sich bescheiden, Männer protzen mit ihren Leistungen.

Ja, das klingt jetzt klischeemässig, aber wer sich im Kollegen- oder Bekanntenkreis umschaut, wird diese Stereotype finden. Wer geht denn im Büro Kaffee für alle holen? Die Kollegin. Und wer erzählt unterdessen dem Chef, was er wieder Tolles geleistet hat gestern? Der Kollege. Es ist nicht schwer zu erraten, wer am Ende mehr von seiner Aktion haben wird. Ich nenne das weibliche «Tiefstapleritis» und auch ich bin davon betroffen. Wenn irgendwo ein Fehler passiert ist, denke ich immer, dass ich es gewesen sein muss. Erhalte ich ein Kompliment, wiegele ich ab: «Das war nicht so schwer.» Oder: «Das hätte jeder so gemacht.»

Bloss nicht lächeln!

Teamfähigkeit, gute Stimmung und Einfühlungsvermögen sind ja schön und gut, aber so macht man eben auch keine Karriere. Studien zeigen: Wer sich durchsetzen und aufsteigen will, der muss die Sprache der Männer zumindest ansatzweise beherrschen. Und die ist eigentlich gar nicht so schwer. Experten raten, in kurzen und knappen Sätzen zu sprechen. Und ganz wichtig: nicht lächeln! Das mag in vielen Situationen charmant sein, wenn man sich aber behaupten will, dann ist lächeln das völlig Falsche. Stattdessen sollte man den Gesprächspartner (oder Gegner) fest anblicken und knappe Worte finden.

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Klingt einfach? Ladys, probiert das mal! Und ihr werdet sehen, dass sich eure Mundwinkel zu einem Lächeln verziehen und ihr Probleme habt, das durchzuziehen. Woran liegt das? Angeblich leiden Frauen ja unter Harmoniesucht und es ist ihnen antrainiert worden, allzeit höflich zu sein. Wir haben Probleme «Nein» zu sagen und gehen Konflikten gerne aus dem Weg. Das liegt offenbar an unserer Erziehung, denn Mädchen werden wohl noch immer anders erzogen als Jungs. Uns wird beigebracht, bescheiden zu sein, immer nett zu lächeln und von allen gemocht werden zu wollen.

Bescheidenheit überwinden

Aber wir können diese Prägung überwinden, wir müssen es nur trainieren. Mittlerweile gibt es zahlreiche Seminare für Frauen, in denen sie lernen sollen «ihren Mann zu stehen». Das klingt lächerlich, aber offenbar ist es notwendig: Frauen trauen sich seltener, nach einer Gehaltserhöhung oder Beförderung zu fragen und Frauen schlucken ihren Ärger öfter herunter, um das Verhältnis mit dem Kollegen oder Chef nicht zu stören. Das muss sich ändern.

Das ist jetzt kein Aufruf, dass Frauen zu Arschlöchern mutieren sollen! Aber vielleicht sollten wir hin und wieder etwas weniger nett und bescheiden sein. «Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr», soll Wilhelm Busch einmal gedichtet haben. Recht hat er!

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bizzmiss – das Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance.