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Marissa Mayer – von der Reformerin zur Totengräberin

Yahoo verliert nach Jahren des Abstiegs seine Unabhängigkeit. Chefin Marissa Mayer hat es seit ihrem Amtsantritt 2012 nicht geschafft, dem Internet-Dino Leben einzuhauchen. Die Kritik ist gross.

Von Mathias Ohanian
am 25.07.2016

Als Yahoo vor über 20 Jahren gegründet wurde, waren Google und Facebook noch nicht einmal in Planung. Das Internet war 1994 so jung, dass man die Seiten wie in einem Telefonbuch nach Themen ordnen konnte. Die Stanford-Studenten Jerry Yang und David Filo machten mit ihrer Suchmaschine genau das: Yahoo – eine augenzwinkernde Abkürzung für «Yet Another Hierarchically Organized Oracle» (noch ein hierarchisch geordnetes Orakel) – sollte auf Jahre eine der wichtigsten Webseiten sein.

Mit Spässen ist es heute vorbei. Der Internetpionier verliert nach Jahren der Malaise seine Eigenständigkeit. Für knapp 5 Milliarden Dollar geht das Kerngeschäft an den US-Telekomkonzern Verizon. Die Chefin indes will das Deck nicht verlassen. Sie plane dabeizubleiben, schrieb Yahoo-CEO Marissa Mayer gestern in einem offenen Brief an die Belegschaft. «Ich liebe Yahoo und glaube an alle von Euch.»

Der überbezahlteste CEO aller Zeiten

An die Mission von Mayer hingegen glaubten Investoren in den vergangenen Monaten immer weniger. Vor vier Jahren als Reformerin und mit Vorschusslorbeeren gestartet, ist die Silicon-Valley-Berühmtheit Investoren und Experten schon länger ein Dorn im Auge. Ende März zählte das US-Magazin «Fortune» Mayer zu den Führungsfiguren, die weltweit am meisten enttäuscht hätten. Sie befand sich damit in Gesellschaft von ausgedienten Kräften wie VW-Chef Martin Winterkorn oder dem früheren Fifa-Präsidenten Sepp Blatter.

«Totengräberin eines Internet-Pioniers», titelte das deutsche «Handelsblatt» kurze Zeit später. Scott Galloway, Professor an der renommierten Stern Business School und Hedgefonds-Gründer, nannte Mayer im vergangenen Jahr den «überbezahltesten CEO aller Zeiten». Immer wieder legte er gegen die 41-Jährige nach, zuletzt erklärte er die Yahoo-Akquisition der Plattform Tumblr in Höhe von gut 1 Milliarde Dollar zum «schlechtesten Zukauf der vergangenen Dekade».

Tumblr musste schon zu zwei Dritteln abgeschrieben werden

Tatsächlich einverleibte sich Yahoo unter der Ägide von Mayer, die 2015 rund 36 Millionen Dollar (2014 waren es noch 42 Millionen) verdiente, mehrere Dutzend Startups. Doch so richtig zünden wollte bis heute kein Investment. Im Gegenteil: Zuletzt musste das Unternehmen einen Quartalsverlust von satten 440 Millionen Dollar vermelden. Der Grund: Wegen Tumblr schrieb Yahoo über 480 Millionen Dollar ab, nach 230 Millionen zu Jahresbeginn. Für Mayer, die zu Beginn ihrer Karriere in der Schweiz in einem Research Labor der UBS ein Praktikum absolviert hatte, einmal mehr eine schlechte Nachricht. 

Das Kerngeschäft mit Online-Werbung lief ohnehin schleppend, der Umsatz sank in den vergangenen zwei Jahren fast in jedem Quartal. Für Unmut sorgte Ende 2015 zudem, dass eine Investition von Yahoo nicht steuerfrei verkauft und die Erlöse an die Aktionäre ausgeschüttet werden konnten: 2005 hatte sich Yahoo an der chinesischen Handelsplattform Alibaba mit 15 Prozent beteiligt. Diese Investition macht heute einen gewichtigen Teil der Yahoo-Bewertung aus. Deshalb lautete der Plan zuletzt, Yahoo in zwei Gesellschaften aufzuspalten.

Mayer fällt weich: 55-Millionen-Dollar-Fallschirm

Kein Wunder, sind die meisten Experten überzeugt, dass Mayer dem Konzern nur noch in der sechsmonatigen Übergangszeit des Verizon-Deals vorstehen wird. Die studierte Informatikerin dürfte jedoch weich fallen: Nach den letzten Informationen könnte sie bis zu 55 Millionen Dollar erhalten, wenn sie nach einer Übernahme von Yahoo ihren Job verlieren sollte. Dazu gehört eine Bargeld-Abfindung von 3 Millionen Dollar, der Rest besteht fast ausschliesslich aus Aktien.

 

(mit reuters)

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