Heute in Zürich: Fett absaugen mit Laserbehandlung für 57 statt 550 Franken. Oder Haarbehandlung im Beauty Center Manuela für 70 statt 184 Franken. Mit solchen Angeboten locken Rabattanbieter inzwischen auch hierzulande täglich Tausende zum kollektiven Konsum. «Die Geschäftsentwicklung läuft stürmisch», sagt Rolf Steiner, Marketingchef von Deindeal. Dabei sind die helvetischen Schnäppchenportale blutjung: Deindeal ging im März letzten Jahres online, Groupon im Mai.

Am Anfang der welterobernden Idee stand der bis dahin glücklose Unternehmer Andre Mason. 2008 lancierte er in den USA Groupon, eine Kombination aus Group und Coupon. Das Internetunternehmen aus Chicago verzeichnet seither ein rasantes Wachstum: Es beschäftigt über 4300 Mitarbeitende, führt Teams in 41 Ländern und setzt 500 Millionen Dollar um. Tendenz rasch steigend. Kürzlich schlug die Firma ein Übernahmeangebot von Google über 6 Milliarden Dollar aus. Auch das Gerücht eines Börsengangs kursierte. Medien schrieben dem Portal einen Wert von rund 15 Milliarden Dollar zu.

Weltweit 51 Millionen Anmeldungen

Offenbar besticht die Idee der vergünstigten Gutscheine für Lifestyle-Angebote - zumindest auf Seiten der Nutzer. Rund 51 Millionen Personen sind weltweit bei Groupon angemeldet. Das Prinzip ist einfach: Interessierte melden sich bei den Portalen an und erhalten täglich per Mail die Schnäppchenangebote in ihrer Stadt. Wenn eine Mindestanzahl von Teilnehmern erreicht wird, ist der Bon gültig. Vom Erlös zweigt Groupon die Hälfte für sich ab.

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Was bestechend klingt, stösst bei den teilnehmenden Firmen schon mal auf Kritik. Besonders in den USA häufen sich Klagen von Kleinunternehmern. Etwa Café-Besitzerin Jessie Burke. Auf ihre Groupon-Aktion erscheinen an einem Tag 900 Gäste, um einen Rabatt von 77 Prozent einzuheimsen. Kaum einer kehrte danach zurück. Zudem wurde auch kaum mehr als der Gutscheinbetrag von 13 Dollar bestellt. «Es war meine bisher grösste Fehlentscheidung als Unternehmerin», beklagte sich Burke in den Medien. Klagen, wie man sie inzwischen auch in der Schweiz ab und zu vernimmt (siehe Kasten).

Die Rabattanbieter wehren ab. «Bei Groupon steht jedem Unternehmen ein persönlicher Berater bei, der gemeinsam mit dem Partner ein passendes Konzept erarbeitet, bei dem alle Seiten gewinnen», sagt Manager Glasner. Auch Deindeal-Manager Steiner will nicht von Dumpingpreisen sprechen, sondern von zeitlich begrenzten Kennenlern-Aktionen. Er hält die positiven Werbeeffekte für zentral und rechnet vor: Wenn ein Coiffeur bei konventionellem Werbeverhalten für eine Anzeige rund 10 000 Franken investiere, zahle er für die Werbung mit Deindeal nichts. Denn Kreation und Präsentation seien kostenlos, ebenso die Fixkosten für die Werbung. Zudem verbreiteten die Mitglieder die Angebote über Facebook, Twitter und Mail gratis weiter. Dies öffne manchen Geschäften den Weg ins Online-Marketing.

Die Nachfrage steigt jedenfalls auch in der Schweiz beachtlich: «Seit März 2010 konnten wir mehr als 500 Deals abwickeln und das Team von den fünf Gründern auf 47 Mitarbeiter aufstocken», sagt Steiner. Er beurteilt den Standort Schweiz positiv, «qualitativ hochwertige Angebote» mit einer breiten Zielgruppe funktionierten sehr gut. Dazu gehörten Offerten von Hotels, aus den Bereichen Beauty/Wellness sowie Gruppenerlebnisse wie Paintball.

Groupon Schweiz beschäftigt in Zürich 15 Mitarbeiter, verzeichnet täglich 15 000 Klicks, hat 150 000 Newsletter-Abonnenten und stellt monatlich rund 200 Deals online. Umsatzzahlen gibt Groupon nicht bekannt. Nur so viel sagt Daniel Glasner, der Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz: «Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung.» Das Konzept funktioniere zwischen Genf und St. Gallen ausgezeichnet. Die nötige Teilnehmerzahl sei «immer schnell erreicht».

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Sehr zufrieden mit der Schweiz

Dass bereits zwei Anbieter die Rabattlust der Schweizer Bevölkerung wecken, schmälere das Wachstum nicht, heisst es auf beiden Seiten. Das Konkurrenzverhältnis mit Groupon sei vergleichbar mit jenem zwischen Ebay und Ricardo, sagt Steiner. In diesem Kampf habe Deindeal die Nase vorn, ist der Marketingchef überzeugt. Glasner von Groupon kontert: «Der Gutscheinmarkt ist gross, und natürlich wollen sich viele daran versuchen. Groupon bleibt allerdings das Original und hat den Weg für andere erst frei gemacht.» Merken die Kunden überhaupt, dass es verschiedene Anbieter gibt? Ja, viele verglichen die Angebote oder nutzten sogar beide Plattformen, erklärt der Groupon-Geschäftsführer.

Auf jeden Fall scheint das Geschäftsmodell für die Gründer schon mal aufzugehen. Man überprüfe «laufend die an uns herangetragenen Kooperationsanfragen», sagt Steiner auf die Frage, ob sein Unternehmen Übernahmeangebote bekomme. Doch vorerst steht noch organisches Wachstum auf dem Programm.

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Die Entwicklung des sogenannten Social-Buying in der Schweiz könne mit den Anfängen der Pendlerzeitungen oder Facebook im Werbebereich verglichen werden, sagt Steiner. Dies bedeute: «Am Anfang eine gewisse Zurückhaltung bei grossen Marken, aber nach und nach zunehmendes Interesse.» Er erwartet, dass dieses Jahr weitere Portale in den Markt einsteigen werden. «Gleichzeitig wird das Social Buying in der Schweiz bekannter werden.» Deindeal, präsent in Zürich, Bern, Basel, Luzern, St. Gallen, Lausanne und Genf, werde weitere Städte oder Gebiete einbeziehen, wenn das Potenzial gegeben sei. Auch Groupon will sein Netz über «möglichst viele Städte» ziehen.

Wer aber heute noch auf «Uster» oder «Schaffhausen» klickt, wird zu den Schnäppchen der Stadt Zürich weitergeleitet. Zu viel versprochen? Dazu Glasner: «Momentan haben wir unser tatsächliches Angebot erst einmal auf die grossen Städte wie Zürich, Bern und Basel beschränkt. Damit die Einwohner anderer Städte uns auch kennenlernen, können sie ebenfalls auf diese Angebote zugreifen. (…) In naher Zukunft werden wir aber auch die kleineren Städte wie Uster öffnen und eigene Angebote für sie erstellen.»

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