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Neues Amt
Martullo-Blocher: Keine «fille à papa»

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Magdalena Martullo-Blocher (2016): Christoph Blochers älteste Tochter ist CEO und Mehrheitsbesitzerin der Ems Chemie.Quelle: Keystone

Magdalena Martullo-Blocher rückt endgültig aus dem Schatten ihres Vaters. Den Erfolg hat sie sich selber erarbeitet.

Kommentar  
Von Stefan Barmettler
am 08.03.2018

Die Politschwergewichte Christoph Blocher und Walter Frey geben ihren Rücktritt aus der SVP-Führungsetage. Der Doppelabgang war zu erwarten, zumal beide längst das Rentenalter erreicht haben. Einflussreich werden sie gleichwohl bleiben. Mit ihrer Erfahrung und Finanzkraft werden sie – mit oder ohne Amt – die Fäden ziehen. Mit dem breiten Revirement an der Spitze rückt Magdalena Martullo-Blocher ins Führungsgremium auf. Sie wird Vizepräsidentin.

Auch dieser Schritt überrascht nicht. Gleichwohl muss sich die 48-Jährige jetzt ätzende Kommentare anhören. Da werde ausgerechnet in der republikanischen Schweiz eine Politdynastie aufgebaut. «Die Erbfolge ist geregelt», frotzelt der «Tages-Anzeiger».

Martullo geniesst in Bern grössten Respekt

Das ist bösartig. Martullo ist längst in Partei und Parlament eine gewichtige Stimme. Nicht weil sie eine «fille à papa» wäre, sondern weil sie einen beeindruckenden Leistungsausweis hat. Ihr Standing in Bern ist hoch, nicht nur in der eigenen Fraktion, sondern selbst bei den Linken. Ihre Expertise in Wirtschaftsfragen ist unbestritten, ebenso ihre Leistung als Unternehmerin. Martullos Präsenz ist ein Glücksfall, denn nach dem Abgang von Peter Spuhler geniessen Persönlichkeiten mit globalem Erfolgsausweis absoluten Seltenheitswert.

Und dass sie eine Passion für den Standort Schweiz hat, darüber legen ihre Bilanzpressekonferenzen seit Jahren Zeugnis ab. Während sie im ersten Teil jeweils die (positiven) Zahlenkränze präsentiert, nimmt sie sich im zweiten Teil ein Politthema vor, das den Unternehmerinnen und Unternehmern unter den Nägeln brennt. Es sind Themen, die auch jeden Arbeitnehmer und Gewerkschafter interessieren müssen. Denn in Grafiken und Tabellen rechnet sie vor, wie die wuchernde Bürokratie die Produktions- und Lohnnebenkosten in die Höhe treibt und damit eine breitere Wohlstandsentwicklung dämpft.

Dass sie ihren Einfluss nicht ihrem Vater zu verdanken hat, stellte sie übrigens im Kanton Graubünden unter Beweis. Da eroberte sie 2015 im Alleingang einen zweiten SVP-Sitz im Nationalrat.

Zweikampf Spuhler gegen Martullo bahnt sich an

Künftig müssen sich die Aktionäre der Ems-Chemie allerdings fragen, ob es fürs Unternehmen tatsächlich hilfreich ist, wenn sich die Chefin noch intensiver um Parteipolitik kümmert. Denn ihr Tag als Mutter, Konzernchefin, Ankeraktionärin, Verbandsvorstand, mehrfaches Verbandsausschussmitglied und neu SVP-Vize hat auch nur 24 Stunden.

Noch spannender wird es freilich, wenn Finanzminister Ueli Maurer nächstes oder spätestens übernächstes Jahr aus der Regierung zurücktreten wird. Mit Sicherheit werden dann zwei Kandidaten zuoberst auf der Liste figurieren – der umgängliche Bahnindustrielle Peter Spuhler aus dem Thurgau und die kantige Chemieunternehmerin Magdalena Martullo-Blocher. Ihre grösste politische Differenz liegt übrigens im Stil und bei der Personen-freizügigkeit: Spuhler ist dezidiert dafür, Martullo bleibt skeptisch. Beide wären eine formidable Wahl.

 

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