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Führungspositionen
Mehrheit der Schweizer Konzernchefs kommen aus dem Ausland

Vas Narasimhan.
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis wird von einem Amerikaner geführt: Vas NarasimhanQuelle: Gian Marco Castelberg / 13 Photo

Die Schweiz hat besonders viele ausländische Konzernchefs. Sie sind jung und haben ihre Karriere nicht selten mit einer Lehre begonnen.

Veröffentlicht am 17.12.2018

Die Schweiz hat besonders viele ausländische Konzernchefs. Ausserdem sind die hiesigen CEO oft sehr jung und haben ihre Karriere nicht selten mit einer Lehre begonnen.

Wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles hervorgeht, sind die ausländischen Konzernchefs hierzulande in der Mehrheit: 52 Prozent von ihnen stammen aus dem Ausland. Vor einem Jahr, als die Biografien der Schweizer Führungskräfte erstmals ausgewertet wurden, waren es mit 49 Prozent noch nicht ganz die Hälfte.

Untersucht wurden die CEO börsenkotierter Unternehmen in 13 Ländern. Vergleichsweise hoch ist der Anteil der im Ausland geborenen CEO zudem noch in Grossbritannien mit 43 Prozent und in den Niederlanden mit 40 Prozent. In anderen Ländern dominieren hingegen die Inländer - etwa in Frankreich mit 88 Prozent, in den USA mit 90 Prozent und in Portugal mit 100 Prozent sogar ausschliesslich.

Repräsentiert die globalen Unternehmen

«Der hohe Anteil an ausländischen CEO spiegelt die globale Tätigkeit vieler hiesigen Unternehmen sowie den überschaubaren Arbeitsmarkt der Schweiz wider», sagte Michael Oberwegner, Managing Partner bei Heidrick & Struggles, an einem Mediengespräch.

Als Beispiele nannte er Novartis, Zurich oder Credit Suisse, wo mit Vasant Narasimhan, Mario Greco und Tidjane Thiam jeweils ein Amerikaner, ein Italiener und ein Franko-Ivorer an der operativen Spitze stehen.

Der hohe Anteil der ausländischen Konzernchefs in der Schweiz, aber auch in Grossbritannien und in den Niederlanden spreche für das gute Umfeld für Unternehmen, weshalb sich einige entscheiden würden, mit ihrem Hauptquartier dort hinzuziehen, sagte Partner Rafael Paravicini.

Auch entwickle ein hoher Anteil an ausländischen Mitarbeitern eine «Eigendynamik». Nicht selten würden Bekannte folgen.

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Sergio Ermotti hat mit einer Banklehre gestartet

Weiter sind die CEO der Schweizer Unternehmen vergleichsweise jung und haben ganz verschiedene berufliche Werdegänge hinter sich. Dies zeige, dass die Schweiz ein Land mit einem dynamischen Arbeitsmarkt sei, der Fachkräften mit den unterschiedlichsten Qualifikationen eine Chance biete, so Oberwegner.

Als Beispiel nannte er den Konzernchef der UBS, Sergio Ermotti, der seine berufliche Laufbahn mit einer Banklehre startete. In anderen Ländern seien Lehre und weiterbildende Massnahmen während des Jobs «sehr unüblich», aber für die Grossbank habe sich das gelohnt. Laut Angaben der UBS verfügt Ermotti über das eidgenössische Diplom als Bankfachexperte und ist Absolvent des Advanced Management-Programms der Universität Oxford.

Mit Blick auf das Alter sind Schweizer CEO laut den Studienergebnissen im Durchschnitt 54 Jahre alt, während das Durchschnittsalter in allen 13 Ländern 56 Jahre beträgt. Bemerkenswert sei, dass ein Viertel der Schweizer Firmenchefs jünger als 50 Jahre alt sind. Während der älteste CEO in den USA ganze 88 Jahre zählt, ist der älteste in der Schweiz 68 Jahre alt. Allerdings ist der jüngste in den USA dafür 34 Jahre alt, in der Schweiz ist er 42 Jahre.

Sergio Ermotti, CEO of Switzerland's bank UBS, speaks during a press conference in Zurich, Switzerland, Tuesday, January 22, 2018.  (KEYSTONE/Ennio Leanza).
Hat seine Karriere mit einer Banklehre gestartet: UBS-Chef Sergio Ermotti.
Quelle: © KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Und wieder: Keine Frauen

Was weibliche CEO betrifft, hat sich die Situation indes kaum verbessert. Von den untersuchten 50 Unternehmen hat einzig EMS-Chemie mit Magdalena Martullo-Blocher eine Chefin. Der Anteil liegt damit bei zwei Prozent, während der Durchschnitt aller Länder bei rund 5 Prozent liegt. Grossbritannien, Finnland und Norwegen haben einen Anteil weiblicher CEO von jeweils rund 8 Prozent.

«Wir bewegen uns hier nicht vom Fleck», kommentierte Oberwegner. Die Ergebnisse seien indiskutabel tief. Paravicini fügte jedoch hinzu, dass sich durchaus Veränderungen beobachten liessen. So habe sich der «Pool» der Kandidatinnen, die infrage kämen, vergrössert. Und in den jüngeren Generationen seien auch die Männer sensibler für Themen wie Familienplanung, was auch eine Rolle dabei spiele, dass sich die Denkweise verändere.

2018 wurden 674 CEO von börsenkotierten Unternehmen untersucht - neben der Schweiz auch in Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden, Grossbritannien sowie den USA

(awp/tdr)