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Debatte
«Millennials wollen eigenverantwortlich handeln»

Wie tickt die Generation Y? Eine Studie hat die wichtigsten Merkmale herausgefunden. Experte Yves Schneuwly erklärt, welche Ansprüche die Millennials an die Jobwelt stellen und wie Firmen reagieren.

Von Stefan Mair
am 13.03.2015

Die Branding-Firma Universum hat die für viele HR-Abteilungen rätselhafte Generation Y untersucht – also jene jungen Menschen, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden. Die «Handelszeitung» sprach mit Universum-Schweiz-Chef Yves Schneuwly, der die Studie durchführte.

Wodurch unterscheiden sich Schweizer Millennials von denen in anderen Ländern?
Yves Schneuwly*: In vielen Bereichen stimmen die Schweizer Millennials mit ihren Gleichaltrigen weltweit überein. Es gibt aber auch klare Unterschiede. So sind finanzielle Anreize für die Schweizerinnen und Schweizer weniger relevant, dafür ist es ihnen besonders wichtig, dass ihre Vorgesetzten ihnen Eigenverantwortung übertragen. Was Work Life-Balance angeht, haben die Schweizer Millennials auch andere Prioritäten als andere Landesvertreter: Teilzeitarbeit wird viel höher gewertet als im internationalen Vergleich, ebenso flexible Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen, sowie die Möglichkeit, Überstunden zu kompensieren. 

Wie lange haben Arbeitgeber noch Zeit, ihre Strukturen auf diese Generation anzupassen? Welche Anpassungen sind nötig speziell im Hinblick auf die Schweiz-Ergebnisse?
Viel Zeit bleibt nicht mehr. Bereits heute machen Millennials ein Viertel der Arbeitskräfte aus, in nur zehn Jahren werden es drei Viertel sein. Die Unternehmen sollten sich also längst mit den Anforderungen dieser Generation auseinandersetzen. Grundlegende Veränderungen muss es vor allem geben, was den Führungsstil der Manager angeht. Millennials wollen eigenverantwortlich handeln. Die Führungskräfte müssen dem nachkommen, wenn sie längerfristig loyale und motivierte Mitarbeitende aus dieser Generation beschäftigen wollen. Ein transaktionaler Führungsstil, bei dem ein sachlicher Austausch stattfindet zwischen Leistung des Mitarbeitenden gegen Vergütung oder Lob, ist nicht mehr ausreichend.

Was braucht es zusätzlich?
Es ist ein transformationaler Führungsstil gefragt, bei dem die Manager ihre Teams führen, indem sie Begeisterung erzeugen, ein Vertrauensverhältnis zu ihren Mitarbeitenden aufbauen, als Vorbilder wahrgenommen werden und ihren Mitarbeitenden Wertschätzung entgegenbringen. Millennials wollen eigenständig arbeiten, dabei aber gemeinsame Ziele mit ihren Führungskräfte verfolgen und so einen Beitrag zum Erfolg der Organisation leisten.

Was sind die grössten Vorurteile über diese Generation, die sie bei Firmen bemerken?
Ich stelle fest, dass in vielen Unternehmen zwar zur Kenntnis genommen wird, was die Millennials von ihren Arbeitgebern erwarten, viele Firmen jedoch der Meinung sind, dass diese Erwartungen sich nicht mit der Realtität des Berufslebens vereinen lassen. So unrealistisch sind die Wünsche der Millennials aber nicht. Manche Unternehmen setzen Aspekte wie flexible Arbeitsmodelle oder transformationale Führung bereits erfolgreich um.

Welche sind die grössten Ängste der Milennials?
Die grösste Angst der Millennials ist es, in ihrer beruflichen Laufbahn steckenzubleiben ohne Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Hier stimmen die Schweizerinnen und Schweizer mit dem Rest ihrer Generation weltweit überein. Ausserdem befürchten sie, keine Stelle zu finden, die zu ihrer Persönlichkeit passt. Gerade dieser Aspekt ist sehr typisch für diese Generation. Babyboomer oder Vertreter der Generation X hatten noch keinen so starken Anspruch, ihre Persönlichkeit in ihre Arbeit einbringen zu können.

* Yves Schneuwly ist Managing Direktor von Universum Schweiz. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Markenbildung von Firmen und Arbeitgebern.

 

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