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Mit überzeugendem Auftritt zum Erfolg

Vorstellungsgespräch: Wer aus der Masse sticht ist erfolgreich.  Keystone

Nervosität gehört bei einem wichtigen Gespräch oder einer Präsentation dazu. Kluge Strategien helfen dabei, mit dem Stress möglichst gut umzugehen und das Beste herauszuholen.

Von Anna Baumbach (bizzmiss)
am 17.11.2014

Vorstellungsgespräche oder Präsentationen vor grossen Menschenmengen zählen nicht unbedingt zu den schönsten Zeitvertreiben, die ich mir vorstellen kann. Denn – wenn ich ganz ehrlich bin – habe ich noch immer Probleme, mich und meine Stärken gut darzustellen und bin in solchen Situationen ziemlich nervös. Dabei sagt man mir nach, ich könne mich extrem gut verkaufen. «Niemand, den ich kenne, kann so seriös wirken wie du, obwohl er eigentlich keine Ahnung hat», erklärte mir letztens eine gute Freundin. «Ich würde dir alles glauben, wenn du deine Seriös-Maske aufsetzt. Alles.»

Das erste Mal, dass mir das aufgefallen ist, war nach einem Probe-Interview an der Uni, das wir auf Video aufgenommen hatten. Ich kam mir während des Gesprächs wie ein stotternder Vollidiot vor – ich war null vorbereitet und habe ich von Frage zu Frage gehangelt. Hinterher wurde ich gelobt: Ich sei souverän aufgetreten und hätte überzeugt. Und tatsächlich war die Videoaufnahmen (abgesehen von der typischen Selbstkritik) gar nicht schlecht.

Was ist eigentlich mein Geheimnis?

Aber wie mache ich das eigentlich? Gute Frage – ich weiss es nicht wirklich. Ich bin kein Meister im Bullshit, ich habe nur einige Methoden, die ich mir im Laufe der Zeit angewöhnt und wirklich verinnerlicht habe. Und die sind kein Geheimnis, ihr findet sie in jedem Bewerbungsratgeber. Und es scheint wirklich zu funktionieren!

  • Das richtige Outfit. Dazu will ich eigentlich nichts sagen müssen. Es sollte uns allen ja klar sein, dass ungebügelte, fleckige Klamotten tabu sind. Offenbar scheint dieser Punkt für Frauen in Bewerbungsgesprächen der wichtigste zu sein. Wie anders lässt es sich erklären, dass die ersten Hits bei Google unter «Frauen, Bewerbungsgespräch» Outfit-Tipps sind?
     
  • Die Nervosität bekämpfen. Der Teil der Menschheit, der vollkommen unbefangen und relaxt an ein Bewerbungsgespräch herangeht, dürfte verschwindend gering sein. Die Meisten sind wie ich ziemlich nervös. Mir hilft es, wenn ich mich daran erinnere, dass ein verpatztes Gespräch kein Weltuntergang ist. Möglicherweise klappt es mit dem Job dann nicht, aber das Leben geht weiter. Klingt abgedroschen, ist aber so. Und das sollte man sich klar machen. Und für nervöse Schwitzehände: Möglichst kurz vor dem Handschlag die Hand unauffällig am Stuhl oder der Hose abwischen. Hände für einige Zeit spreizen hilft auch.
     
  • Natürlich wirken, aber selbstbewusst. Ein Bewerbungsgespräch ist auch immer ein Verkaufsgespräch. So unsicher ich mich auch fühle, ich versuche es mir nicht anmerken zu lassen. Das ist übrigens Trainingssache. Also bei jeder Gelegenheit ausprobieren. Seid ihr schon mal in einen Designer-Laden mit hochnäsigen Verkäuferinnen gegangen und wolltet sündhaft teure Kleidung anprobieren? Das ist ein tolles Training...
     
  • Selbstbewusst sein auch im Gespräch: Also kein Haarezupfen, Ringdrehen, Händekneten.
     
  • Der gute Händedruck: Sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, aber ich habe schon so manchen schlaffen Fisch statt einer kräftigen Hand geschüttelt. Natürlich ist es auch kein Wettbewerb, wer fester zupacken kann oder wer wem die Finger zu Brei quetschen kann, aber zudrücken sollte man schon.
     
  • In die Augen schauen – aber nicht zu viel! Ich blicke meinem Gesprächspartner in die Augen – aber bitte nicht zu angestrengt. Gut ist es, wenn es mehrere Gesprächspartner gibt. Dann kann man den Blick zwischen ihnen schweifen lassen, ohne in den Verdacht zu geraten, jemanden hypnotisieren zu wollen.
     
  • Lächeln, aber nicht zu viel. Denn wie wir gelernt haben, nutzt Frauen viel lächeln nichts, es schadet ihnen aber auch nicht. Das heisst: Nicht dasitzen, wie eine Grinsekatze, aber durchaus freundlich schauen und hin und wieder lächeln.
     
  • Gute Vorbereitung ist das A und O. Frauen haben Probleme, ihre Stärken zu benennen. Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Schwächen fallen mir auf Anhieb eine Handvoll ein, aber Stärken? So abgedroschen die Fragen nach Stärken, Schwächen, 5-Jahres-Plänen, persönlichen Eigenschaften auch sein mag, im Zweifelsfall kommen sie auf die eine oder andere Art vor. Daher gilt: Gute Antworten auf Standardfragen finden, am besten ein Probegespräch mit einer Freundin oder einem Freund durchspielen. Häufig ergeben sich in solchen Situationen dann weitere Fragen: Warum gibt es diese Lücke im Lebenslauf? Oder warum hat das Studium so lange gedauert?
     
  • Nicht auswendig lernen! Wichtig: Die Antworten sollten authentisch rüberkommen, nicht gelernt. Ich versuche, nicht wie aus der Pistole geschossen zu antworten. Einmal tief einatmen und dann langsam antworten.
     
  • Mit Überraschungsfragen umgehen. Sei es die Frage nach dem Lieblingstier, dem Traumberuf als Kind oder dem schönsten Urlaub – man kann sich nicht auf alles vorbereiten. In diesem Moment heisst es dann: Tief durchatmen, überlegen und bloss nicht zu schnell antworten! Denn wenn die Worte erstmal aus dem Mund sind, lassen sie sich nicht wieder zurücknehmen.

Das also soll mein Geheimnis sein? Mag sein, dass ihr das schon hundert Mal gehört oder gelesen habt. Aber das macht die Tipps nicht weniger hilfreich.  Ich sage nicht, dass sie eine Universallösung oder Erfolgsgarantie sind, aber ein guter Anfang sind sie allemal. Und mir haben sie im Laufe der Zeit geholfen – sogar ohne dass ich das selbst bemerkt habe. Deshalb mein Tipp: Einfach mal ausprobieren! Irgendwann scheint sich das einzubrennen!

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bizzmiss – das Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance.

 
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