Roger Federer ist bei den Davidoff Swiss Indoors in Basel zwar das Aushängeschild, doch ohne den anderen Roger, den Roger Brennwald nämlich, würde der herbstliche Tennishöhepunkt in Basel gar nicht stattfinden.

Das drittgrösste Hallenturnier der Welt trägt die Handschrift eines Mannes, der eher zufällig in diese Sportart kam. Seine Neigungen lagen bei der Leichtathletik und im Handball, wo er es bis in die Nationalmannschaft schaffte. Tennis diente ihm als Ausgleich zur stressigen Arbeit als Devisenhändler. Die Spielmöglichkeiten blieben im Winter allerdings in Basel auf eine einzige Halle auf dem Gelände der Mustermesse begrenzt. «Da hatte ich die Idee, eine Traglufthalle zu beschaffen und eigenständig zu betreiben», blickt Roger Brennwald auf die Anfänge zurück. Ein unternehmerisch ambitionierter Mensch war er schon immer. Bereits in der Schulzeit reizte es ihn, «Dinge anzupacken und zu bewegen».

Schneller als erwartet

Mit einem Bankkredit über 40000 Fr. erwarb der gut 20-Jährige damals die erste Ballonhalle in der Schweiz. Über den auf ein Vierteljahrhundert ausgelegten Amortisationsplan kann er heute nur schmunzeln: «Nach einer Wintersaison war die Schuld abgetragen.»

Gleich auch ein Turnier zu veranstalten, drängte sich geradezu auf. An einen professionellen Einstieg dachte er zunächst aber nicht. Es war ein ideeller Anreiz, verbunden mit dem guten Gefühl, eine Nische entdeckt zu haben. Erst mit knapp 40 Jahren machte der Basler sein Hobby zum Beruf. Das Hallenturnier hatte sich zwischenzeitlich kontinuierlich entwickelt und war zum komplexen Ganzjahres-Unternehmen herangewachsen. «Da liessen sich im globalen Tennis mit einer Hand keine Knoten mehr knüpfen», verdeutlicht Roger Brennwald den Aufstieg in die Top-Klasse.

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Ohne die Beharrlichkeit des Gründers gäbe es heute keinen ATP-Grossanlass am Rheinknie. Hört man sich bei den Präsidenten der Schweizer Tennisklubs um, ist immer wieder die Rede von der unternehmerischen Leistung, die Respekt erheischt. Während andere Turniere in Europa vom Weltverband zurückgestuft oder fallen gelassen werden, hat es Basel geschafft, sich ab nächstem Jahr unter den 19 Premium-Turnieren weltweit zu etablieren. Damit verbunden ist eine Verdoppelung des Preisgeldes auf 850000 Euro.

Auf dem Weg nach oben hat Roger Brennwald ein «Wechselbad der Gefühle» erlebt. Für jeden Europäer ist es schwierig, in der US-Anti-Trust-Recht unterstehenden Tour die politischen Entwicklungen richtig zu verstehen und zu deuten. Neue finanziell potente Veranstalter aus dem arabischen und asiatischen Raum sind in der jüngsten Vergangenheit dazugestossen. Da braucht es wirtschaftliche und politische Rückendeckung, um im verschärften Konkurrenzkampf zu bestehen. Über die Unterstützung aus der Wirtschaft kann sich Brennwald nicht beklagen, politisch schon eher. «In der Schweiz verspüren wir Rücklage in Sachen Infrastruktur gegenüber anderen Weltstädten.» Er spricht jene Metropolen an, wo praktisch über Nacht neue Formel-1-Strecken, Tennisstadien oder Yachthäfen gebaut und finanziert werden.

Lobbyist in eigener Sache

Als Vizepräsident von Swiss Top Sport, einer Vereinigung der 14 führenden Sport-Events, macht sich Roger Brennwald gegenüber der Politik stark für seine Davidoff Swiss Indoors und andere Markenzeichen, die von Weltklasse Zürich in der Leichtathletik bis zum Davoser Spengler-Cup im Eishockey reichen: «Diese Eliteanlässe sind nicht nur die besten Botschafter unseres Landes, sondern auch der Motor für eine gesunde Nachwuchsförderung und die Popularisierung des Breitensports.» Er versteht die grossen Sportanlässe als Schmelztiegel, aus denen Neues und Grosses entstehen kann. Sie animieren viele Junge zum sportlichen Tun. Das praktische Beispiel liegt auf der Hand: Roger Federer hat als Ballboy am Basler Turnier allerbesten Anschauungsunterricht genossen.

In der Schweizer Tennisszene, die früher auf einen engen Personenkreis begrenzt war, haben die Swiss Indoors wichtige Schrittmacherdienste in Richtung Volkssport geleistet. Der viermalige Auftritt von Björn Borg in den späten 70er Jahren hat dieser Sportart zu viel Popularität verholfen.

Das Basler ATP-Turnier ist aber kein Selbstläufer. Vor allem in der Anfangsphase galt es immer wieder, sportliche oder wirtschaftliche Tiefschläge zu verkraften. «Das gehört dazu, wenn man einen Event über so lange Zeit steuert und erneuert», sagt Roger Brennwald.

Eine wichtige Wegmarke in der unternehmerischen Vorwärtsentwicklung war für ihn Ernst Schneider, VR-Präsident von Davidoff, als dieser vor 15 Jahren mit seiner Weltmarke als Titelsponsor bei Swiss Indoors einstieg. Der Basler Tennis-Event wurde mit diesem Unternehmen im Rücken zum bekannten Brand und zur Inbegriff für Kontinuität und Qualität.

Trotzdem, die Herausforderungen bleiben. Roger Brennwald beobachtet einen veränderten Zeitgeist: «Die Begehrlichkeiten der Konsumenten nehmen zu und können kaum mehr unter einen Hut gebracht werden.»

Für den Gründer der Swiss Indoors ist es besonders wichtig, zum Besitzstand des Turniers Sorge zu tragen. Als grösstes Kapital stuft er die Organisation mit den 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Diese Leute stellen sich teils seit Jahrzehnten uneigennützig in den Dienst der Sache. Roger Brennwald begegnet ihnen mit dem nötigen Anstand und Respekt: «Wer nur wirtschaftlich denkt, schadet sich selbst.»

Die richtigen Prioritäten setzen

Aus seiner Erziehung hat er Werte wie Ordnung und Disziplin als selbstverständlich aufgenommen. Diese Leitplanken waren für ihn nicht ganz unwichtig, um das Unternehmen in die richtigen Bahnen zu lenken. Und welche Gemeinsamkeiten sieht er zwischen dem früheren Beruf eines Devisenhändlers und seinem heutigen Job als Sportmanager? «Beide müssen zu ihrem Wort stehen, sonst sind sie schnell aus dem Geschäft», meint er spontan.

Am Tennisspiel hat ihn schon immer das Duell Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau fasziniert, bei dem sich am Schluss der Partie beide Sportler zum freundschaftlichen Shakehands am Netz treffen. «Das nennt man Fairplay, und das gefällt mir.»

Im privaten Leben blieb Roger Brennwald nicht von Schicksalsschlägen verschont. Vor zehn Jahren ist seine Gattin gestorben. Für ihn war das ein einschneidender Moment ohne Parallele: «Ich habe versucht, das Schicksal zu akzeptieren und den Tod meiner Frau als Bestimmung zu verstehen.»

Entsprechend haben sich auch seine Prioritäten verändert. Er hat gelernt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Der einst vom täglichen Stress gehetzte Unternehmer will die Gunst des Augenblicks geniessen, etwa beim Wandern in den Bergen. «Schade ist nur, dass zwar alle zurück zur Natur wollen, aber fast keiner zu Fuss», merkt er ironisch an. Soziale Engagements sind dazugekommen. Im Rahmen der Supportervereinigung organisieren die Davidoff Swiss Indoors jedes Jahr zwei Anlässe zugunsten karitativer Organisationen.

Hat er auch schon ans Aufhören gedacht? «Sicher, aber ich bin noch zu jung dafür.» Deshalb habe er sich auch überlegt, in zehn Jahren für das US-Präsidentenamt zu kandidieren, fügt er scherzhaft an. Kein Zweifel: Bleibt der Lenker der Davidoff Swiss Indoors gesundheitlich fit, wird er im nächsten Jahrzehnt noch viele neue Ideen und Pläne realisieren. An Mut zum Risiko hat es ihm nie gefehlt.