Der künftige Barclays-Verwaltungsratschef David Walker will laut einem Pressebericht das Aufsichtsgremium der in den Libor-Skandal verwickelten Bank weitgehend austauschen. Auch im operativen Geschäft müssten einige Manager um ihren Job fürchten, berichtet die «Financial Times» unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Walker übernimmt die Führung des Verwaltungsrats zum 1. November. Der 72-Jährige habe in den vergangenen Wochen bereits eine Auswahl von Kandidaten für verschiedene Positionen in der Bank zusammengestellt.

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Nach dem Skandal um die Zinsmanipulationen im Interbanken-Handel hatte zunächst Barclays-Vorstandschef Bob Diamond seinen Hut genommen. Auch der bisherige Verwaltungsratschef Marcus Agius räumt seinen Posten. Walker wolle die meisten Aufseher in dem Gremium in den kommenden sechs bis zwölf Monaten durch neue Gesichter ersetzen, schreibt die "Financial Times».

Für die Neubesetzung habe er bereits Lord Levene angefragt, den früheren Verwaltungsratschef der Versicherungsbörse Lloyd's of London, sowie Lord Davies, der diesen Posten einst bei der Bank Standard Chartered innehatte. Der Libor-Skandal hat inzwischen eine ganze Reihe von Bankhäusern erreicht. Barclays-Händler hatten mit Falschmeldungen den Libor-Satz, der auch als Referenz für viele internationale Geldgeschäfte herangezogen wird, künstlich nach unten gedrückt. Barclays akzeptierte Ende Juni eine Strafe von 290 Millionen Pfund (358 Mio Euro).

Weltweit ermitteln die Behörden gegen gut ein Dutzend Geldhäuser, die über Jahre den Zins manipuliert haben sollen. Dazu zählt auch die Deutsche Bank, die einige Beteiligte bereits feuerte. Laut «FT» trennte sich die Schweizer Grossbank UBS von zwei weiteren Händlern in Singapur, nachdem interne Ermittlungen deren Verwicklungen in die Manipulationsversuche zutage gebracht hätten. Nun soll das System auf komplett neue Beine gestellt werden.

(muv/tke/awp)