Der Verwaltungsrat der Beteiligungsgesellschaft New Value tritt geschlossen zurück. Verlangt hat dies die Personalvorsorgekasse der Stadt Bern, die mit ihrer Beteiligung von knapp 20 Prozent mit Abstand die grösste Aktionärin bei New Value ist.

An der ausserordentlichen Generalversammlung vom 27. April sollen neue Köpfe in den Verwaltungsrat gewählt werden. «Das ist der beste Weg, um das Vertrauen zwischen Verwaltungsrat und Aktionariat wiederherzustellen», sagte Martin Oester, Leiter der Personalvorsorgekasse der Stadt Bern, auf Anfrage.

Ende Januar war die Strafanzeige gegen den früheren Präsidenten von New Value bekannt geworden. Dieser soll die Transaktionen der Festgeldanlagen und weitere Geschäfte im Alleingang und nicht nach den Richtlinien der Firma bestellt haben. New Value musste Wertberichtigungen von 8 Millionen Franken vornehmen, was zu einem Liquiditätsengpass führte.

Ausstieg in drei bis vier Jahren

Laut Oester braucht es ausserdem ein neues Team, um die sogenannte Exit-Strategie durchzuführen: New Value mit Sitz in Zürich tätigt künftig keine Investitionen mehr und veräussert die bestehenden Beteiligungen. Der Ausstieg soll geordnet in einem Zeitrahmen von drei bis vier Jahren erfolgen.

Wieviel Geld die Personalvorsorgekasse der Stadt Bern wegen New Value verloren hat, kommentiert Oester nicht. «Es gab gute und schlechte Zeiten», erklärt er. Zu den guten Zeiten zählt er die grossen Gewinne, die New Value mit dem Verkauf der Beteiligungen an Meyer Burger und 3S realisierte.

Der jetzt zurücktretende Verwaltungsrat besteht aus Thomas Keller (Präsident), Paul Santner, Gerhart Isler und Jan Larsson. Für den neuen Verwaltungsrat vorgeschlagen hat der Grossaktionär Hannes Glaus, Bernd Pfister und Hans van den Berg. Als neuer Geschäftssitz ist ausserdem Baar/ZG vorgesehen.

Aktienkurs eingebrochen

Zudem schlägt New Value den Aktionären vor, einen Beschluss zum Aktienrückkauf vom Juli 2010 wieder zu ändern. Gemäss dem Antrag soll der Verwaltungsrat die zurückgekauften Aktien bei Investoren frei platzieren können.

Die an der SIX kotierten Titel von New Value sind im Nachgang zur Affäre Wägli um fast die Hälfte gefallen. Heute um 12 Uhr notieren sie 0,4 Prozent höher bei 5,12 Franken. Vor Beginn der Finanzkrise Mitte 2007 wurde das Papier im Hoch zu fast 24 Franken umgesetzt.

(tno/chb/awp)