Ferne Märkte locken viele KMU. Mehr als ein Drittel von ihnen ist in Auslandaktivitäten involviert. Die Exporte bei Schweizer Mittelstandsunternehmen machen über 50 Prozent des Umsatzes aus. Was viele kleinere Firmen aberim Vergleich zu oft besser vorbereiteten Grosskonzernen vernachlässigen, sind die Pflichten, die sie für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter im Ausland haben.

Denn wenn sie Mitarbeiter nicht ausreichend auf diese Auslandeinsätze vorbereiten und den Geschäftsreisenden zu wenig Schutz bieten, können sie vom geschädigten Angestellten verklagt werden. Für den Arbeitgeber gelten nämlich die Bestimmungen des Artikels 328 des Obligationenrechts. Diese verpflichten ihn dazu, sämtliche notwendigen Sorgfaltsmassnahmen zu ergreifen, um die körperliche Unversehrtheit und die Gesundheit seiner Mitarbeiter weltweit zu gewährleisten. Diese Massnahmen sind mit einer Unfall- oder Reiseversicherung aber nicht abgedeckt. Im Fall eines Falles muss der Arbeitgeber klare Sicherheits- und Notfallkonzepte für Expatriates nachweisen können. «Es geht darum, in Notfallplänen auch unwahrscheinliche Fälle zu berücksichtigen», sagt Alec Crippa, Anwalt für Arbeitsrecht. Es müsse nachgewiesen werden können, dass Mitarbeiter vorbereitet, begleitet und im Notfall unterstützt wurden.

Tracking-Apps helfen

Mit moderner Technik können diese Fürsorgepflichten der Firmen heute noch effizienter erfüllt werden. Tracking-Programme, Online-Sicherheitstrainings und andere elektronische Werkzeuge unterstützen auch KMU relativ leicht und kostengünstig dabei, die Sicherheit ihrer Expatriates zu gewährleisten. Der Massnahmenplan für die Sicherheit von Geschäftsreisenden beginnt schon bei der Präventions- und Vorbereitungsarbeit. Dazu gehört die Erstellung eines Sicherheitskonzepts: Innerhalb der Firma muss ein Ansprechpartner benannt werden, der für den entsandten Mitarbeiter zuständig ist. Hier kommen die neuen technologischen Möglichkeiten ins Spiel. Die für die Sicherheit der Mitarbeiter im Ausland zuständige Person kann mit Programmen wie TravelTracker während der kompletten Reisezeit Kontakt zu Mitarbeitern halten und das Reisemanagement online steuern. Mit Online-Trainings zum Thema Reisesicherheit können die Vorbereitungen der Mitarbeiter abgerundet und das Risikobewusstsein gepflegt werden.

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Sicherheits-Apps, die auf das Handy der Reisenden installiert werden und sie ständig über Probleme und Risiken im Zielland informieren, sind genau so eine sinvolle Ergänzung wie ständig aktualisierte Intranetseiten für Auslandmitarbeiter: Dort lassen sich wichtige Dokumente und Telefonnummern hinterlegen, auf die man im Ernstfall zugreifen kann. Tracking-Apps wie MyTracks sollten in jedem Fall eingesetzt werden, damit die Wege der Mitarbeiter im Ausland nachverfolgt werden können. Ausgefeiltere Tracking-Systeme für Laptop oder Smartphone wie das Employee Travel Monitoring System erlauben sogar Benachrichtigungen bei Hotel-Check-ins oder Starts und Ankünften mit dem Flugzeug oder anderen Transportmitteln. (alle Apps und Programme siehe Kasten). Wichtig: Mit dem Mitarbeiter müssen vorgängig datenschutzrechtliche Fragen geklärt werden.

Das gilt auch für GPS-Systeme, die in Firmenautos eingepflanzt werden. Entsprechende Geräte lassen sich etwa als mobile Ortungsmodule mitnehmen oder als Smartphone-App nutzen.

Wie ernst man die Sicherheit von Mitarbeitern im Ausland nehmen kann, können viele kleinere Firmen von Grosskonzernen wie Holcim lernen: Die Sicherheitsverantwortliche Gitte Björn erklärt, dass etwa durch Sperren auf den Firmencomputern sogar die Reservierungen von als gefährlich eingestuften Airlines oder unsicher geltenden Zugsverbindungen automatisch blockiert würden. GPS, Travel Tracker und moderne elektronische Systeme gehörten bei Holcim inzwischen zur Standardausrüstung. Neben den elektronischen Instrumenten müssten aber auch die allgemeinen Sicherheitsvorschriften ständig aktualisiert werden. Und die ändern sich in einzelnen Ländern oft schnell. Björn erklärt, dass früher die Sicherheitsempfehlung galt, in Hotels grosser Ketten zu übernachten, weil diese oft besser bewacht seien. Da aber in Indonesien der Chef einer Landesgesellschaft bei einem Anschlag in solch einem Hotel ums Leben kam, gilt neu für Indonesien, dass nur mehr in lokalen, kleineren Hotels übernachtet werden darf, da diese weniger gefährdet seien als die exponierten amerikanischen Hotelketten.

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Beim Kompressorhersteller Burckhardt Compression, der in über 50 Ländern aktiv ist, ist man sich den Gefahren, denen Mitarbeiter in vielen Ländern ausgesetzt sind, ebenfalls sehr genau bewusst. «Burckhardt Compression hat inzwischen kategorisch ausgeschlossen, gewisse Länder zu bereisen. Durch die veränderte globale Lage, den arabischen Frühling und zahllose Terrorvorfälle musste umgedacht werden», so Michael Nienhoff von Burckhardt Compression. «Meiner Meinung nach unterschätzen viele Firmen die Pflichten, die man als Unternehmen bei solchen Einsätzen hat. Die Versicherung allein reicht meiner Ansicht nach nicht.» Burckhardt Compression setzt seit einiger Zeit auf eine Mitgliedschaft beim Notfalldienstleister International SOS. Die Firma bietet Reisevorbereitung, Travel Tracker und medizinische Notfallversorgung an. Oft gehe es auch nur darum, das Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter vor Ort zu steigern, so Nienhoff: «Für unsere Monteure in Südkorea, die sich von der angespannten Situation mit Nordkorea bedroht fühlten, erarbeiteten wir einen Evakuierungsplan. Das gab den Leuten vor Ort ein gutes Gefühl, dass im Falle einer Eskalation alles organisiert ist.»

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Dienstleister wollen profitieren

Wie wichtig ist nun aber für KMU eine professionelle Vorbereitung auf Auslandeinsätze? Dominik Schaerer vom Sicherheitsdienstleister International SOS, der weltweit zu den Marktführern gehört, erklärt dazu: «In der Schweiz bemerken wir zwar vermehrtes Interesse an unseren Dienstleistungen. Die Firmen expandieren in neue, noch unbekannte Märkte. Das Bewusstsein wird stärker, dass man sich bestens darauf vorbereiten und für alle Risiken gerüstet sein muss. Bisher sind unsere Kunden aber zu fast 70 Prozent globale Unternehmen aus dem SMI.» Das Bewusstsein über die gesetzliche Fürsorgepflicht sei bei kleineren Schweizer Firmen noch zu wenig ausgeprägt. Auch kleinere Schweizer Anbieter wie die Firma Traxess in Dietikon, die sich auf den Bereich Business Travel Management spezialisiert hat, versuchen KMU bei ihren Sicherheitsmassnahmen zu helfen. Alle diese Anbieter wollen vom ausbaufähigen Bewusstsein der KMU für ihre Fürsorgepflichten profitieren.

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Seit der Verbreitung von Travel-Tracker-Apps und -Programmen sowie anderen elektronischen Werkzeugen gilt für kleine Firmen jedenfalls keine Ausrede mehr dafür, sich nicht um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter im Ausland zu kümmern. Nicht zuletzt weil nach Ansicht von Arbeitsanwälten mögliche Schadenersatzklagen tendenziell zugunsten des Arbeitnehmers ausgehen. Und die Kosten eines solchen Streits übersteigen die vorgängige Investition in die Sicherheit des Mitarbeiters wohl bei Weitem.

So schützen Sie Ihre Mitarbeiter

Tracking-Apps
Mithilfe von Apps wie MyTracks oder AndAndo lassen sich Wege, die Mitarbeiter im Ausland zurücklegen, aufzeichnen und auch in Echtzeit verfolgen.

Tracking-Systeme
Umfangreichere Daten liefern sogenannte Employee- Travel-Monitoring-Systeme (ETMS) für Laptop oder Smartphone: Sie geben nicht nur Auskunft über den Aufenthaltsort eines Mitarbeiters, sondern ermöglichen auch die direkte Kommunikation mit dem jeweiligen Mitarbeiter via E-Mail oder SMS.

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Dienstleister
Verschiedene Dienstleister wie Mybreev bieten Komplettpakete für die Mitarbeitersicherheit bei Auslandeinsätzen an: Sie übernehmen die Vorbereitung der Mitarbeiter, betreuen diese vor Ort und regeln auch die Ausreise. Im Bereich Gesundheitsversorgung, medizinische Beratung und Reisesicherheitsdienst ist International SOS führend.  Sicherheitstraining Diverse Dienstleister bieten weltweit präventive Sicherheitstrainings für Firmenmitarbeiter an, etwa die Result Group.