Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, ist bei einer Rede für etwa zehn Minuten von Anhängern der «Occupy»-Bewegung unterbrochen worden. Wie «Spiegel Online» berichtet, riefen sie «Occupy, Occupy» und lasen eine Erklärung vor, in der sie Ackermann «einen der skrupellosesten Bankmanager der der Welt» nannten.

Ackermann lud das gute Dutzend Störer - darunter ein Teilnehmer mit Guy-Fawkes-Maske - zur Diskussion auf das Podium ein. «Ich stelle mich sehr gern der Debatte», sagte Ackermann. «Aber etwas vorzulesen, hinter einer Maske, das finde ich feige.» Ohne weiteren Wortwechsel zogen sich die «Occupy»-Mitglieder friedlich unter die Zuhörer zurück. Der Vorstandschef sprach als Redner der Versammlung «Eines Ehrbaren Kaufmanns» in Hamburg.

In der europäischen Staatsschuldenkrise trage die Deutsche Bank, aber auch die deutsche Wirtschaft insgesamt, besondere Verantwortung, sagte Ackermann - allerdings nicht weil die «Unternehmen für diese Krise ursächlich gewesen wären», sagte Ackermann. Vielmehr sei Deutschland eines der wenigen Länder, das überhaupt noch stark genug sei, um zu helfen. «Daneben wären wir aber auch von einem Scheitern der Rettungsbemühungen wohl am stärksten betroffen.»

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«Sie vereiteln eine wirkliche Lösung der Finanzkrise»

Eine «Occupy»-Anhängerin warf Ackermann und der Deutschen Bank in einer Fragerunde vor, alle ethischen Regeln ausser Acht zu lassen. «Sie vereiteln eine wirkliche Lösung der Finanzkrise», sagte sie. Ackermann hielt ihr entgegen, dass die Deutsche Bank keine Geschäfte mit Streubomben-Herstellern mehr mache und seine Handelsaktivitäten daraufhin überprüfe, ob sie wesentlich zu einem «unbegründeten Anstieg der Nahrungsmittelpreise» beitragen könnten.

«Wenn wir uns Ihnen anschliessen, werden wir keine Stimme mit Gewicht in der Welt mehr haben», sagte Ackermann. Sein Ziel sei, dass Deutschland stets über eine global operierende Bank verfügt.

Die Versammlung «Eines Ehrbaren Kaufmanns» sieht sich als grösste wirtschaftsethische Vereinigung Deutschlands - mit einer Tradition seit 1517. Der «Ehrbare Kaufmann» bekennt sich zur Internationalität und zum Freihandel. Er steht zu seinem Wort, sein Handschlag gilt.

(tno/awp)