Als sich Elektriker Hans Frei bei der Personalabteilung nach einem Lohnabzug für die berufliche Vorsorge erkundigte, wurde er in der eigenen Firma schroff abgewiesen. Für solche Auskünfte sei die Pensionskasse zuständig. Ihm schien es, als distanziere sich die Human- Resources-Abteilung seines Grossunternehmens bewusst von der Vorsorgeeinrichtung, um nicht mit unangenehmen Fragen zu Leistungskürzungen und Beitragsänderungen konfrontiert zu werden. Auch einige Berufskollegen hatten ähnliche Erfahrungen gemacht. «Das kommt vor, sollte es aber nicht», sagt Werner Hertzog. Für den Vorsorgespezialisten der Consulting-Firma Aon Hewitt sind das firmeninterne Kommunikationsprobleme.

Derartige Informationspannen tragen allerdings nicht zum besseren Verständnis und Vertrauen in die 2. Säule bei. Manche Pensionskassenexperten stellen fest, dass bei vielen Firmenleitungen die Bereitschaft zur Unterstützung der beruflichen Vorsorge sinke. Ob dem so sei, lässt sich für Hanspeter Konrad, Direktor beim Pensionskassenverband Asip, nicht mit Ja oder Nein beantworten. «Wir stellen auf jeden Fall kein radikales Umdenken fest.» Er räumt jedoch ein, dass die Sichtweisen stark geprägt werden durch die jeweilige Firmenkultur. Von einer Distanzierung zwischen der Geschäftsleitung und den Vorsorgewerken zu sprechen, ist aus seiner Sicht kaum zutreffend.

Doch es gibt Unterschiede. André Egli vom Wirtschaftsprüfer Balmer-Etienne registriert bei den inhabergeführten Unternehmen eine anhaltend grosse Bindung. Anders sehe es bei Gesellschaften aus, die nach internationalen Rechnungslegungsstandards bilanzieren. Sie möchten die Verpflichtungen für die Altersvorsorge möglichst minimieren, um damit einen Störfaktor in der Erfolgsrechnung auszuschalten.

Vor allem global tätige Firmen mit Sitz im Ausland haben nicht immer das gleiche Engagement oder Verständnis für die 2. Säule, wie dies etwa bei heimischen Unternehmen der Fall ist. Innerhalb des Betriebs hätten der Human-Resources-Manager und der Finanzchef oft unterschiedliche Standpunkte, beobachtet Werner Hertzog. Das sei für ihn zwar natürlich und «in einem gewissen Sinn nötig». Nur dürfe wegen solcher Spannungen die Kommunikation zwischen Unternehmen und Mitarbeitern nicht gelähmt werden.

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Richtig entscheiden

Denn diese Kommunikation gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die Versicherten wollen heute besser informiert sein. Gemäss einer Studie von Axa Investment Managers rangiert der Wunsch nach leicht verständlichen Unterlagen und guter Beratung in der Wichtigkeitsskala noch vor guter Rendite und Verzinsung. Es genügt nicht, einmal pro Jahr den Versicherungsausweis zu verschicken. Gefragt sind zusätzlich bedarfsgerechte Informationen, um je nach Situation, etwa einer Scheidung, einem Berufswechsel oder Auslandaufenthalt, richtig zu entscheiden. Auch lohnt es sich, vor einem zusätzlichen Einkauf in die Pensionskasse oder dem Vorbezug von Kapital für Wohneigentum, die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtung genau zu kennen. Grundsätzlich bewegt sich die berufliche Vorsorge im Spannungsfeld zwischen Arbeitnehmern, Arbeitgebern und der Politik. Dabei wird die Diskussion durch zahlreiche Akteure mit auch gegensätzlichen Interessen geprägt. Entsprechend spielt die Kommunikation für Verbandsdirektor Konrad «eine zentrale Rolle». Bei vielen Vorsorgeeinrichtungen herrscht jedoch die Meinung vor, die komplexe Materie stosse auf wenig Interesse. Kenner der 2. Säule stufen das Verständnis für die 2. Säule noch immer als sehr gering ein.

Das ist fatal, weil die wirtschaftliche Situation der Pensionskassen in den letzten Jahren laufend dynamischer und unberechenbarer geworden ist. «Eine intensivere und bessere Kommunikation wird sicherlich helfen, die notwendigen Reformen voranzutreiben», sagt Jean Wey, Geschäftsführer der PKG Pensionskasse. Das vom Bundesrat aufgegleiste Projekt «Altersvorsorge 2020» ist auf eine breit angelegte und sachlich orientierte Information angewiesen. In schlechter Erinnerung bleibt die letzte, klar gescheiterte Volksabstimmung, als es um die Anpassung des Rentenumwandlungssatzes im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge ging. Damals wurde mehrheitlich mit populären Schlagworten und falschen Zahlen argumentiert.

Wesentlich ausgeweitet

Verschiedene Studien zeigen, dass die Akzeptanz der zweiten Säule hoch ist. Gerade in unsicheren Zeiten ist die Vorsorge wichtig. Bei vielen Leuten stellt das Pensionskassenvermögen die einzige Rücklage für das Alter dar. Allerdings sind die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht immer einfach zu verstehen. Sergio Bortolin, Chef der ASGA Pensionskasse, legt deshalb sehr viel Wert darauf, «einfach und verständlich zu kommunizieren». Fortschrittliche Kassen haben ihr Informationsangebot über die pflichtgemässe Abgabe von Daten zum angesparten Vermögen und den Leistungen der Versicherten hinaus wesentlich ausgeweitet.

Dazu gehören regelmässig versandte Newsletter, die über kassenspezifische Themen wie etwa die Performance, die Verzinsung, den Deckungsgrad oder über Anpassungen im Reglement orientieren. Angesprochen werden darin aber ebenso generelle Probleme der beruflichen Vorsorge, allen voran die Umwandlung und der technische Zinssatz.

Wichtiger Vorteil

Kommunikationsexperten raten vor allem zu einer verständlichen Sprache. Fachspezifische Ausdrücke sind möglichst zu vermeiden. Will sich der Versicherte zusätzlich über Zahlen und Fakten informieren, sollte er den Zugriff zu einer gut strukturierten Website haben. Damit wird der Wissensstand verbessert, ebenso wie die persönliche Einstellung und das Verhalten. Speziell für kleine und mittlere Firmen zählt ein gut kommuniziertes Vorsorgekonzept zu den wichtigsten Vorteilen gegenüber der Konkurrenz. Für Sergio Bortolin ist klar: «Mit einer gut ausgebauten Pensionskassenlösung kann sich ein Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber positionieren.»

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Die Stiftung Eigenverantwortung vergibt erstmals einen Award für Pensionskassen, die vorbildlich mit ihren Versicherten kommunizieren. Die Vergabe erfolgt in Zusammenarbeit mit der «Handelszeitung», dem Schweizerischen Pensionskassenverband ASIP und dem VPS-Verlag.

 

 

Informationspflicht: Mehr als das Nötige

Leistungsblatt

Die Informationspflicht der Vorsorgeeinrichtungen gegenüber den Versicherten wird in Artikel 86b des Bundesgesetzes über die berufliche Vorsorge (BVG) geregelt. Eine Pensionskasse muss jährlich den aktualisierten Versicherungsausweis für jedes Mitglied erstellen. Darin wird über das angesparte Vermögen und Leistungen informiert. Die Angaben in diesem Leistungsblatt sind ein wichtiger Pfeiler für die persönliche Vorsorgeplanung. Nicht jeder Pensionskassenausweis ist vollständig. Die Kerninformationen lassen sich aber jedem Dokument entnehmen.

Strukturreform

Die minimalen Informationsanforderungen sind jüngst nochmals erhöht worden. Mit der Strukturreform wurden die Transparenzvorschriften in der 2. Säule verschärft. Insbesondere sind die Kosten für Administration und Vermögensverwaltung detaillierter auszuweisen.