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Liz Barrett: Novartis wirbt Krebschefin bei Pfizer ab

Die Amerikanerin Elizabeth Barrett kümmert sich bei Novartis um die Krebs-Sparte.Quelle: ZVG

Elizabeth Barrett wird bei Novartis Onkologie-Chefin. Es ist ein zentraler Entscheid.

Seraina Gross
Von Seraina Gross und Karen Merkel
11.01.2018

Die Leitung der Onkologie-Sparte bei Novartis ist ein zentraler Posten. Das Geschäft mit Heilmitteln gegen Krebs ist der wichtigste Wachstumstreiber für die Basler. Der designierte Konzernchef Vas Narasimhan hat die Position an Elisabeth Barrett vergeben. Und so mit seiner ersten wichtigen Personalentscheidung gleich ein Zeichen gesetzt.

Elizabeth «Liz» Barrett wird per 1. Februar CEO der Onkologie und zugleich Mitglied der Geschäftsleitung. Die US-Amerikanerin kommt von weltgrössten Pharmakonzern Pfizer, einem wichtigen Konkurrenten von Novartis im Krebsgeschäft. Der Wechsel von Barrett ist damit ein kleiner Coup. Ihr Vorgänger Bruno Strigini hatte Ende Jahr seinen Posten aufgegeben. Er war 2014 angetreten und 2016 in die Geschäftsleitung aufgerückt. Narasimhan sagt laut Konzernmitteilung: «Liz ist eine erfahrene und anerkannte Führungskraft im Onkologiegeschäft. Sie war entscheidend beteiligt an der Einführung neuer kommerzieller Modelle und beim Vorantreiben von Innovationen in enger Partnerschaft mit Forschung und Entwicklung.»

Onkologie ist das wichtigste Wachstumsfeld für Novartis

Das Krebsgeschäft ist für Novartis das wichtigste Wachstumsfeld. Aktuell sind die Basler der zweitgrösste Hersteller in dieser Sparte nach Intimkonkurrent Roche. Novartis ist führend bei CAR-T, der personalisierten Gentherapie zur Behandlung leukämiekranker Kinder, bei denen andere Methoden nicht greifen. Das Mittel hat hohe Erfolgsraten, bringt aber auch Risiken mit sich. Novartis ist das erste Unternehmen, das eine Zulassung für eine derartige Therapie erreicht hat.

Barrett hingegen hat in den Jahren bei Pfizer gezeigt, dass sie Wachstum liefern kann. Unter ihrer Führung hat das Onkologiebusiness von Pfizer stark zulegt. Ibrance, ein Medikament gegen metastasierenden Brustkrebs, gilt als der wichtigste Wachstumsträger von Pfizer. Analysten erwarten für das Medikament ein Potenzial von mehreren Milliarden Umsatz. Und das trotz der Konkurrenz durch Kisqali, einem Krebsmedikament von Barretts neuem Arbeitgeber Novartis, das eher einen langsamen Start hingelegt hat.

Bei Pfizer war Barrett seit 2009 als «Global President Oncology» angestellt. Die Hälfte ihrer Zeit habe sie bei Pfizer damit verbracht, klinische Studien des Unternehmens zu studieren, um die vielversprechenden herauszufiltern, sagte sie gegenüber dem Branchenportal «FiercePharma».

Stationen bei Kraft Foods und Johnson & Johnson

Den Weg in die Pharmabranche fand Barrett über Zwischenstationen: Gestartet ist die Marketingexpertin 1984 bei Kraft Foods, wo sie mehrere Positionen innehatte, bevor sie in die Konsumsparte von Johnson & Johnson wechselte. Dort wechselte sie intern in die Pharmasparte, was wiederum die Grundlage für die Arbeit für Pfizer legt.

Elisabeth Barrett ist die einzige Frau in der männlich dominierten Geschäftsleitung von Novartis. Einzig in der erweiterten Geschäftsleitung wirkt mit Compliance-Chefin Shannon Klinger noch eine weitere Frau.

Barrett ist eine der wenigen Top-Frauen in SMI-Firmen

Barrett ist sich ihrer herausgestellten Position in der Branche bewusst, wie sie gegenüber «FiercePharma» bestätigte. «Es gibt nicht viele Frauen mit meinem Erfahrungshorizont in der Branche», sagte sie. Sie sei glücklich, dass sich das allmählich ändere. «Ein Unternehmen ist stets besser aufgestellt mit einem vielfältig zusammengesetztem Führungsteam.»

In der Schweiz ist die Situation besonders zugespitzt: Nur 8 Prozent aller Führungspositionen in SMI-Konzernen sind von Frauen besetzt, zeigt der Schilling-Report. Das bedeutet, nur 17 von 219 Posten hatten Frauen inne, Stand Sommer 2017. Und noch seltener fällt die Entscheidung, einen finanziell zentralen Bereich in weibliche Hände zu legen. Novartis hat mit diesem Schritt also auch ein Role Model geschaffen.

Vas Narasimham startet Ende Januar

Novartis hat auch mit der Ernennung des erst 41-jährigen Vas Narasimhan zum neuen Konzernchef Mut bewiesen. Mit dem Ende Januar anstehenden Wechsel an der Konzernspitze überspringt das Unternehmen eine ganze Managergeneration; damit müssen viele Manager mittleren Alters ihre Ambitionen begraben.

Dazu kommt, dass Narasimhan einer Konzernleitung vorsteht, die seit 2014, seit dem Rücktritt von Daniel Vasella, bis auf zwei Ausnahmen – Finanzchef Harry Kirsch und Chefjurist Felix R. Ehrat – vollständig erneuert wurde.

Viel Fachwissen vorhanden

Zudem hat sie mit dem Rücktritt des erst 2016 dazugestossenen Onkologiechefs Bruno Strigini kurz vor Weihnachten erneut einen bedeutenden Abgang zu verkraften. Doch die Erfolgschancen sind intakt. Mit Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt hat Narasimhan einen der erfahrensten Pharmamanager überhaupt an seiner Seite.

Weiteres Plus der Aufstellung an der Spitze: die geballte Ladung an pharmazeutischem beziehungsweise medizinischem Fachwissen auf oberster Ebene. Jörg Reinhardt ist von Haus aus Pharmazeut, Vas Narasimhan ist Absolvent der renommierten Harvard Medical School.

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