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Prognosen
Diese Trends verändern den Jobmarkt 2018

Die Zukunft sieht auch im Jobmarkt vielseitig aus.

Bewerbung, Arbeit, Rekrutierung: Neun Prognosen, wie sich die Schweizer HR-Szene und der Jobmarkt im neuen Jahr entwickeln werden.

Von Stefan Mair
08.01.2018

Soziale Netzwerke, die in den Jobmarkt drängen, Rekrutierungsstress und Bewertungswahn zwischen Mitarbeitern und Firmen: Das neue Jahr wird geprägt sein von Herausforderungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Das sind die wichtigsten Trends:

LinkedIn im Schussfeld

Das Karrierenetzwerk Linkedin hat alle Voraussetzungen, zur zentralen Plattform der Arbeitswelt der kommenden Jahre zu werden. Durch Weiterbildungsplattformen, die mögliche Integration in die Microsoft-­Office-Anwendungen und seine schiere Grösse macht das Portal alle Mitbewerber nervös. 2018 kommt auf Linked­in eine Attacke neuer Dimension zu. Denn Facebook, aber auch Google wollen am Karrieremarkt mitmischen. Noch schlägt sich Facebook weltweit mit einer Imagekrise herum – aber mit der neuen Facebook-Jobsuche könnte Linkedin erstmals hart getroffen werden.

Bewertung für alle

Seit längerer Zeit bewerten Mitarbeiter ihre Firma auf Portalen wie Kununu und Co. 2018 könnte das Jahr der «Revanche» der Firmen werden. Bewertungs- und Performance-Analysesysteme werden breiter implementiert und aus dem Jahresgespräch herausgenommen. Das kann von Instant-Feedback mittels App bei einer Teamsitzung bis zu über das ganze Jahr verteilte Ziele, die Mitarbeiter erreichen müssen, reichen. Firmen können die Performance ihrer Mitarbeiter also automatisierter, transparenter und effizienter erfassen. Die Tools stehen bereit. Welche Firma beginnt 2018 damit?

Zittern vor Google-Jobs

Der Disruptor 2018 könnte die Funktion Google for Jobs werden. Noch sind der Starttermin und der Umfang der Funktionalität nicht festgelegt. Aber wenn Google in den Jobmarkt einsteigt, ändert sich nicht nur fundamental etwas für Linkedin, Xing und Co., sondern auch für die bisher sehr profitablen Jobportale, die sich in der Schweiz etabliert haben und Renditebringer für viele Medienhäuser in ganz Europa geworden sind. Eine Umfrage bei Schweizer Firmen zeigt, dass sie das neue Tool in jedem Fall nutzen würden – Datenschutzbedenken hin oder her.

HR spaltet sich weiter

Ein Trend im Schweizer Arbeitsmarkt wird sich 2018 akzentuieren: Die Spaltung von gut ausgestatteten und innovativ arbeitenden HR-Abteilungen auf der einen Seite (meist in Grosskonzernen und Startups) und in die Nische gedrängte Minimaldienstleister auf der anderen Seite, für die die Buzzwords der Personalarbeit – wie Analytics, HR-Bots und Social Recruiting – wie ein Märchen aus einer anderen Welt klingen. Diese Spaltung macht die gemeinsame Interessenvertretung der Personaler schwierig – während die einen sich organisieren, sind die anderen mit Ferienzetteln beschäftigt.

Bedürfnisse kennen

Es ist das Buzzword aus der HR-Szene, das in diesem Jahr noch mehr Prominenz erlangen wird: Employee ­Intimacy, also die genaue Kenntnis der Bedürfnisse und Probleme der Mitarbeiter. Zugang zu diesen Bedürfnissen und Problemen bekommen Führungskräfte durch einen ständigen Dialog mit Angestellten, aber auch durch neue Performance-Review-Systeme. Der Mitarbeiter als unbekanntes Wesen, der eine Leistung x abliefert, hat ausgedient. Digitalisiert wird der neue Mitarbeiterdialog auch aufgrund zunehmender Homeoffice-Arbeit.

Neue Arbeitsplanung

Firmen stehen immer intelligentere Methoden zur Planung von Arbeitseinsätzen zur Verfügung. Einsatzpläne können mittels selbstlernender Algorithmen ­berechnet werden. Diese Daten können etwa Umsatz, Wetter, Anzahl Kunden pro Tag, Anzahl eingesetzter Mitarbeiter und viele weitere Faktoren umfassen. Predictive Workplanning, wie der englische Fachbegriff lautet, erreicht eine neue Präzision bei der Arbeitsplanung. Besonders im Detailhandel und der Luftfahrt sind viele dieser Systeme bereits im Einsatz. 2018 könnte einen neuen Schub für das Konzept bedeuten.

Unsichtbare Mitarbeiter

Das Thema Remote Workforce wird im Jahr 2018 immer wichtiger. Das bedeutet, dass Teams und Mitarbeiter immer stärker aus dem Blickfeld der Führungskraft geraten, weil sie über Abteilungen verstreut oder gleich von zu Hause aus arbeiten. Schweizer Personaldienstleister wie Coople und Führungskräfteorganisationen sehen diese Entwicklung als einen der prägenden Trends für das nächste Jahr. Entsprechend müssen sich Chefs auf diese Remote Workforce einstellen und Systeme zur Kommunikation und Leistungskontrolle etablieren.

Deutsche bleiben weg

Schon das ganze vergangene Jahr über beklagten sich Topheadhunter in der Schweiz, dass es immer schwieriger werde, Ausländer, vor allem Deutsche, in die Schweiz zu holen. Die Erklärungen sind immer die gleichen: Deutschland brummt, die Schweizer Willkommenskultur hält sich in Grenzen. In Hintergrundgesprächen erwarten Headhunter, dass dieses Wegbleiben der Deutschen ein langfristiger Trend ist, der sich auch nicht sofort kehrt, wenn der deutsche Motor wieder einmal stottert. Die Aktivierung von inländischem Potenzial sei Pflicht der Arbeitgeber.

100 Millionen für Xing

Während sich Linkedin auf einem globalen Markt bewegt und sich mit Konkurrenten wie Facebook herumschlägt, schafft es Xing wohl auch 2018, sich in seiner deutschsprachigen Nische zu etablieren. Der Konzern kaufte in letzter Zeit wichtige Bausteine wie das profitable Internations, die grösste Expat-Online-Community der Welt, und bisher noch nicht profitable, aber visio­näre Angebote wie das Arbeitgeberbewertungsportal Kununu. 2018 muss Xing mindestens 100 Millionen Umsatz drauflegen (heute 50 Millionen), ansonsten ist das Ziel von 350 Millionen bis 2020 nicht in Reichweite.

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