Im Internet ist das Drehbuch zu einer grossen Propaganda-Aktion aufgetaucht: Im Zentrum steht der ehemalige Botschafter Thomas Borer. Er orchestriert eine mehrmonatige Kampagne zu Gunsten des russischen Milliardärs Oleg Deripaska.

Alles wurde vorbereitet: Treffen mit Journalisten, Gutachten von Schweizer Professoren, Fernsehauftritte, Social Media und Eingabe an die US-Börsenaufsicht. Es mangelt dabei nicht an prominenten Schweizer Persönlichkeiten, die eingebunden werden sollen.

In dem vertraulichen Dokument zum sogenannten «Project Gotthard», das die Seite aktuell.ru zeigt, werden etwa die ehemalige Bundesanwältin Carla del Ponte genannt und SVP-Nationalrat Hans Kaufmann. Auch Wirtschaftsanwalt Peter Nobel und Geldwäsche-Professor Mark Pieth, «Financial Times»-Redaktor Haig Simonian, PR-Berater Andy Bantel und SP-Politiker Daniel Jositsch. 

«Wir schlagen eine konzertierte Anstrengung vor»

Deripaska steht derzeit im Kampf mit Wladmimir Potanin, einem anderen russischen Oligarchen, um die Vorherrschaft über den Rohstoffkonzern Norilsk Nickel. Deripaska wirft Potanin vor, über die St.-Galler-Kantonalbank-Tochter Hyposwiss Geld gewaschen zu haben. Doch die Schweizer Behörden, allen voran die Bundesanwaltschaft, haben bisher kein Verfahren gegen Potanin eröffnet. 

Borer wollte das mit seiner Kampagne nun ändern: «Wir schlagen eine konzertierte Anstrengung vor, um Geldwäscherei und dieser spezifische Fall auf die öffentliche Agenda zu bringen», heisst es in dem Dokument.

Offenbar hatten die Macher auch den Plan, in Deutschland und den USA Stimmung gegen den Schweizer Finanzplatz zu machen, um die eigene Sache voranzubringen. Laut «Tages-Anzeiger» sagte Thomas Borer: «Trotz klaren Indizien wurde der Fall bisher nicht untersucht. Das ist ein Skandal für den Finanzplatz Schweiz.»

Die Akteure im Oligarchen-Streit


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