Die Rolle der Human-Resources-Abteilungen ist nicht nur von Land zu Land unterschiedlich, sie hat sich in den vergangenen zehn Jahren auch massiv verändert. Insbesondere der oft mit groben Geschützen geführte Krieg um die Talente hat die HR-Abteilungen von einer wenig ernst genommenen Stabsstelle zu einer für den Geschäftserfolg des Gesamtunternehmens entscheidenden Instanz mutieren lassen. Das Human Capital - die richtigen Leute mit dem richtigen Rucksack am richtigen Ort - bestimmt das Wachstum und den Erfolg , was fast automatisch zu einer aufgewerteten Rolle der HR-Abteilungen führt. Dies zeigt die neuste European-HR-Benchmark-Auswertung des CRF-Instituts (Kasten).

Wenig strategische Mitsprache

Der Vergleich zwischen total 359 Top-Arbeitgebern aus acht europäischen Ländern deckt Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten auf. So geben im europäischen Gesamtvergleich 64% der Unternehmen an, dass die Rolle ihrer HR-Abteilung eine entscheidende sei für die Strategiefindung plus den operativen Erfolg - in der Schweiz dagegen billigen nur 40% ihrer HR diese auch strategische Rolle zu; in Grossbritannien sind es stolze 85%. Wenn aber nur nach dem Einfluss auf den operativen Erfolg gefragt wird - also ohne strategische Mitsprache -, glauben 56% der Schweizer Top-Arbeitgeber, dass ihre HR stark mitentscheidend sei; das sind doppelt so viele wie im europäischen Schnitt.

Die als am wichtigsten erachteten Aufgabenbereiche der HR sind in den betrachteten europäischen Ländern grosso modo gleich, doch werden innerhalb dieses Feldes die Prioritäten anders gesetzt, wie die Tabelle unten zeigt: Während im europäischen Querschnitt die Personalrekrutierung und Stellenbesetzung an erster Stelle liegen, setzen die Schweizer Top-Arbeitgeber genau wie ihre holländischen Kollegen das Schwergewicht auf die Förderung der Führungsfähigkeiten, gefolgt von der Aus- und Weiterbildung.

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Wer als Top-Arbeitgeber gelten will, hat offenbar seinen Mitarbeitenden auch einiges zu bieten, damit ihnen wohl ist. Ein Massstab, das Wohlsein zu messen, ist die Fluktuation. Im Schnitt der europäischen Top-Arbeitgeber beträgt die Fluktuationsrate 10,4%, in der Schweiz liegt sie nur minim darunter. Grossbritannien kommt mit 19% praktisch auf das Doppelte, Italien mit 6,1% dagegen nur etwa auf die Hälfte.

Die Hauptgründe, warum jemand geht, sind hingegen überall in etwa dieselben: Persönliche Gründe, bessere Karrieremöglichkeiten und grössere Weiterentwicklungschancen, gefolgt von Pensionierungen und erst an fünfter Stelle mehr Geld oder kürzere Arbeitswege.

Schweizer machen gerne blau

Ein weiterer Massstab zur Messung der Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist die Absentismusrate. Der europäische Schnitt liegt bei 4%. Spitzenreiter im Blaumachen sind die Franzosen mit 5,8%, gefolgt von den Italienern mit 4,6% und - den Schweizern mit 4,1%. Deutsche, Briten und Spanier sind in dieser Hinsicht vorbildlich.

Optimistisch muten die Aussagen der Schweizer Top-Arbeitgeber bezüglich der über die nächsten drei Jahre erwarteten Veränderung der Beschäftigtenzahlen an, wobei auch hier die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern deutlich hervortreten - siehe Tabelle rechts.

Möglich, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung - sie fand zwischen September 2008 und Januar 2009 statt - die Auswirkungen der Krise noch nicht absehbar waren, möglich aber auch, dass der Horizont von drei Jahren ausreichend scheint, um die negativen Effekte wieder kompensieren zu können. Die Auswertung der Ergebnisse der im Moment angelaufenen Untersuchung der Top-Arbeitgeber 2010 wird mehr Aufschluss darüber geben.