Take five» von Dave Brubeck antwortet der versierte Saxophonist spontan, auf sein Lieblingsmusikstück angesprochen. Es gehörte auch zu den gecoverten Hits seiner gleichnamigen Jazzband. Im Alter von zehn Jahren hat Alexander Hagemann Segeln gelernt, später kam das Surfen hinzu. Und bereits als 16-Jähriger war er Pressesprecher für die Deutsche Windsurfer Klassenvereinigung.

Kann er immer noch ab zu diesen Leidenschaften – dem Segeln, Surfen und dem Saxophonspiel – frönen? «Schon wärs», sagt Hagemann. Und fügt nach einem beinahe wehmütigen Blick hinaus auf die durch Wolken verhangene triste Luterbacher Landschaft hinzu: «Aber sowohl beim Segeln wie in der Jazzband habe ich einiges gelernt, was mir heute zugute kommt.» Höchste Konzentration, die Einschätzung des «gefühlten» Windes und das Zusammenwirken der Besatzung sind entscheidend für den Erfolg beim Segeln.

Und in einer Jazzband? Hagemann lächelt. «Selbst wenn sich diese Musik oft wie ein scheinbares Chaos anhört, gibt es darin eine Struktur. Sie besteht darin, dass jeder Spieler um sein eigenes Können und das seiner Kollegen weiss, und dass die verschiedenen Stärken flexibel zusammengefügt werden, sodass sie harmonieren, eine Einheit entsteht. Das erlebe ich in meinem beruflichen Umfeld oft ebenso.»

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Keinen Knick im Lebenslauf

In Hagemanns Karriere gibt es keinen Knick, keinen «Ausreisser» in artfremde Gefilde, auch kein Jobhopping. Sein Vater war Bauingenieur. Zu dessen Projekten gehörten auch Brücken und Tunnels. Diese Bauten weckten im Sohn das Interesse für alles, was mit Technik zu tun hat.

Als Bub hat er ständig getüftelt, schwört aber, dass er nie die Werkstatt des Vaters oder die Waschküche der Mutter in die Luft gesprengt habe; obwohl in der Bubenzeit eher gefährliche Experimente – die üblichen etwa mit Unkrautvertilger – dominierten. Später rückten seriösere Projekte in den Vordergrund.

Sein erstes Geld verdiente er als Gymnasiast mit dem Bau und Verkauf hochwertiger Lautsprecher. «Auch hier gibt es wiederum Parallelen zu dem, was ich heute tagtäglich erlebe», sagt er.

Während seines Studiums im Bereich Produktionstechnologie und Werkzeugmaschinenbau und der begleitenden Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter des berühmten Professors Walter Eversheim ergaben sich erste Kontakte zur Schweiz. Im Rahmen eines Projektes, das die Optimierung der Organisations- und Produktionsabläufe zum Ziel hatte, arbeitete er im St. Galler Unternehmen Gallus, einem der weltweit grössten Anbieter von Etikettiermaschinen.

Europa, nicht Nationen

Bleibende Erinnerungen an St. Gallen und dessen Weltkulturerbe hat er allerdings nicht. Sein Interesse an alten Handschriften und Barockaltären hält sich offensichtlich in Grenzen. Viel mehr fesselte ihn eine ganz andere Welt: Diejenige der EU, damals noch EG genannt. Es müsse doch möglich sein, die Vision eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes auch möglichst zügig auf der Ebene der Hochschulen und Universitäten voranzutreiben, fand er, und trat der AEGEE, der Association des Etats Généraux des Etudiants de l’Europe, einer europäischen, und eben nicht nationalen Studierendenorganisation, bei.

«Wir hatten eine tolle Verfassung. Es gab nur ein einziges Gesetz. Jeder der 30 Vereine in allen europäischen Ländern hatte einmal pro Jahr einen mehrtägigen Grossanlass mit aktuellen Themen und hochkarätigen Referenten durchzuführen. Uns waren immerhin 10000 Studierende angeschlossen, da kamen viele Ideen zusammen», blendet Hagemann in jene Zeit zurück, die er als eine unbeschwerte erlebte.

Schon früh befasste sich die AEGEE mit der Frage der Kompatibilität von Studiengängen in verschiedenen Ländern, aber auch in verschiedenen Kontinenten. «Das war mir ein besonderes Anliegen», begründet er sein Engagement während seines Maschineningenieur-Studiums in Aachen, das als besonders streng gilt. Ein von ihm und seinen Kommilitonen organisiertes Symposium brachte beispielsweise je 100 Studierende aus Europa und aus Afrika zusammen.

Von Schott zu Schaffner

Auch das fällt im Leben des erst 45-jährigen CEO auf: Seine ausgesprochene Offenheit gegenüber anderen Kulturen. Wurzeln zu schlagen, scheint nicht sein Ziel zu sein. Für seinen zweiten Arbeitgeber, die deutsche Firma Schott, bekannt für ihre Spezialglasprodukte, lebte er längere Zeit in den USA und später während zwei Jahren in Singapur. Dies, nachdem das Asien-Geschäft zuerst in Japan und dann in China stark gewachsen war und die Präsenz eines Managers vor Ort unabdingbar wurde.

Alles in allem war er zwölf Jahre bei Schott tätig. Hagemann leitete drei verschiedene Divisionen und kommt zum Schluss, dass – ähnlich wie bei allem, was er früher tat, seine Jugend- und Studentenzeit eingeschlossen – alles für die nächste Karrierestufe von Nutzen war. «Die bei Schott gemachten Erfahrungen kann ich ideal in die Umsetzung der Wachstumsstrategie von Schaffner einbringen.»

Immenses Potenzial

Beinahe so begeistert, wie er von seiner früheren Jazzband und seinem Einsatz im Rahmen der studentischen EU-Aktivitäten erzählt, schildert er das Potenzial in den von Schaffner bearbeiteten Märkten. «Das sind kumuliert rund 1,3 Mrd Fr., nimmt man das Potenzial für EMV- und Power-Quality-Anwendungen zusammen. Das jährliche Wachstum wird gegenwärtig auf durchschnittliche 6% geschätzt. Diese Entwicklung ist vor allem auf den Vormarsch der alternativen Energien zurückzuführen, wo unsere Komponenten ein wichtiger Baustein für die Einspeisung unter anderem von Solarstrom in reguläre Stromnetze sind», sagt er.

Beim Erreichen der ehrgeizigen Wachstumsziele sieht er den üblichen Mix zwischen organischen und akquisitorischen Elementen. Die Eigenkapitaldecke von 35% hält er dabei mit Blick auf die Strategie für angemessen.

Was hat ihn am meisten beeindruckt an seinem neuen Wirkungsort? «Das gute Team, das ausgezeichnete technologische Voraussetzungen für unsere international tätige Gruppe mitbringt. Es geht darum, die Bedürfnisse der Kunden vor Ort zu kennen und über alle Grenzen hinweg – wir haben rund um den Globus eigene Niederlassungen und Vertretungen – zu entwickeln, was am Markt gefragt ist.»

Mehr als einmal betont Hagemann, dass ihm viel daran liegt, dass sich nicht einzelne «Stars» im Unternehmen profilieren, sondern dass die Mitarbeitenden auf allen Stufen dazu bereit sind, nicht nur ihre eigene Leistung isoliert, sondern das Resultat als Ganzes im Licht des Erfolgs für die Schaffner-Gruppe zu betrachten.

Authentische Küche

Um seinen Mitarbeitenden diese Vorstellung einer Unternehmensführung deutlich zu machen, war Hagemann seit seinem ersten Arbeitstag bei Schaffner viel unterwegs. «Das wird auch weiter so bleiben. Rund 50% meiner Arbeitszeit bin ich an der Front», sagt er. Lange Reisen, ständig andere Standorte oder Sitten und Gebräuche scheint er zu lieben. «Ob eine Bratwurst am Zürcher «Sternen Grill», einen Lobster in Maine oder Black Pepper Crab in Singapur, ich mag, was authentisch ist.»

Gibt es eigentlich nichts, was den so beherrscht wirkenden Mann ärgert? Auch diese Antwort ist rasch und kurz. «Ich mag es nicht, wenn jemand Vorurteile hat und über Menschen, die er nicht oder zu wenig kennt, herzieht.»