Die Deutsche Bank baut zweieinhalb Monate vor dem Rücktritt von Konzernchef Josef Ackermann ihren Vorstand radikal um. Mit Risikochef Hugo Bänziger verlässt auch der zweite Schweizer die Konzernleitung.

Zudem scheidet auch Personalchef Hermann-Josef Lamberti per 31. Mai 2012 aus der Bank aus, wie der Frankfurter Konzern am Freitag mitteilt. Im Gegenzug werden drei langjährige Manager des Instituts in den Vorstand berufen: Stephan Leithner (Personal, Recht, Europageschäft), Henry Ritchotte (Operatives Geschäft und IT) und Stuart Lewis (Risikochef).

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Damit schafft das ab Juni amtierende Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen vor dem Abschied von Konzernchef Josef Ackermann Fakten. Allerdings fiel ihr Favorit für den Posten des Risikovorstands, William Broeksmit, überraschend bei der Finanzaufsicht Bafin durch.

Dem personellen Umbruch bei der Deutschen Bank fallen auch die für die beiden Vermögensverwaltungssparten zuständigen Manager zum Opfer. Kevin Parker, bislang Chef des grösstenteils zum Verkauf stehenden Asset Management, und Pierre de Weck, bislang für die reichen Privatkunden zuständig, sollen das Institut nach der Hauptversammlung Ende Mai verlassen, wie mitteilte.

Über den Abgang der Manager war bereits zuvor spekuliert worden. Die Vermögensverwaltung erwirtschaftete zuletzt eher schwache Ergebnisse.

Führungsgremium wird vergrössert

Im Gegenzug vergrössern die beiden künftigen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen das erweiterte Führungsgremium - genannt Group Executive Committee (GEC) - von 12 auf 18 Mitglieder. Zum Gremium gehören neben den sieben Vorständen noch weitere Top-Manager.

«Durch die Erweiterung bringen wir einen grossen Querschnitt an Führungskräften aus unseren Geschäftsbereichen, Regionen und Infrastrukturfunktionen an einem Tisch zusammen», liessen sich die künftigen Chefs zitieren. «Diese neue Generation langjährig erfahrener Manager steht für das Wachstum und die Entwicklung der Bank in den vergangenen zehn Jahren.»

Kanadier und Australier für Vermögensverwaltung

Das Investmentbanking wird künftig vom Kanadier Colin Fan (39) und dem Australier Robert Rankin (48) geleitet. Sie übernehmen damit die bisherige Aufgabe Jains. Der Inder Gunit Chadha (50) und der Südafrikaner Alan Cloete (49) übernehmen die Verantwortung für die Region Asien-Pazifik. Der Italiener Michele Faissola (43) wird Chef der Vermögensverwaltung, die künftig nicht mehr in zwei Sparten aufgeteilt ist. David Folkerts-Landau (62) soll die Analyseabteilung betreuen.

Der Schotte Colin Grassie (50) ist für Grossbritannien zuständig. Christian Ricken (45) wird als rechte Hand von Privatkundenvorstand Rainer Neske (47) ebenfalls in den erweiterten Vorstand einziehen. Werner Steinmüller (57) bleibt Chef des Transaktions-Managements. Der US-Amerikaner Richard Walker (61) wird Chefjurist. Für das Geschäft in Amerika ist die Bank noch auf der Suche nach einem Hauptverantwortlichen.

Im eigentlichen Vorstand sitzen neben Jain (49) und Fitschen (63) weiterhin Finanzvorstand Stefan Krause und Privatkundenchef Rainer Neske. Neu in die Führungsspitze ziehen der Österreicher Stephan Leithner (45) als Chef für Personal, Recht und Europa, der Schotte Stuart Lewis (46) als Risikochef und Henry Richotte (48) als Technologie- und Strategiechef ein. Richotte hat die US-amerikanische und irische Staatsbürgerschaft

(vst/muv/awp/sda)