Der Internationalen Währungsfonds (IWF) gab keine ausdrückliche Begründung dafür, warum Fischer nicht berücksichtigt wurde. Allerdings verwies der Exekutivrat auf die Statuten der Organisation, wonach Kandidaten für den IWF-Chefposten nicht älter als 65 Jahre sein dürfen.
Fischer bedauerte die Entscheidung des IWF. Die Altersbeschränkung sei "heute nicht mehr relevant", sagte der Notenbanker, der seine überraschende Kandidatur kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist am vergangenen Freitag eingereicht hatte.

Der IWF-Exekutivrat traf seine Vorauswahl der Bewerber um die Nachfolge des Ende Mai wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretenen IWF-Direktors Dominique Strauss-Kahn am Montag bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen.
Das oberste Gremium des Währungsfonds will nun bis spätestens Ende des Monats entscheiden, ob die 55-jährige Juristin Lagarde oder der 53 Jahre alte frühere mexikanische Finanzminister Carstens das Rennen macht.

Treffen in den kommenden Tagen

Der Exekutivrat befindet über Personalfragen üblicherweise im Konsens. Die 24 Mitglieder würden die Kandidaten in den kommenden Tagen treffen, ihre Stärken diskutieren und anschliessend eine Entscheidung treffen, heisst es in der Erklärung des IWF.
Bei unüberwindbaren Differenzen kann es theoretisch aber auch eine Kampfabstimmung geben. Die Verteilung der Stimmrechte im Exekutivrat, die sich nach dem Kapitalanteil der Mitgliedsländer am Währungsfonds richtet, bevorzugt dabei die Industriestaaten.

Lagarde gilt deshalb als Favoritin auf den Posten. Die Französin ist die Kandidatin der Europäer, die traditionell den IWF-Chefsessel besetzen, während die USA nach dieser ungeschriebenen Abmachung Zugriff auf die Spitze der Schwesterorganisation Weltbank haben.
Auch Indonesien, Ägypten und die afrikanischen Staaten südlich der Sahara erklärten in den vergangenen Tagen ihre Unterstützung für Lagarde.

Juristische Unsicherheit

Carstens versucht, sich als Kandidat der Schwellenländer zu positionieren, die angesichts ihres wachsenden Einflusses die Aufteilung der Spitzenposten bei den internationalen Finanzinstitutionen zwischen Europa und den USA zunehmend in Frage stellen.
Bislang hat er aber nur die ausdrückliche Unterstützung einiger lateinamerikanischer Länder. Die aufstrebenden Mächte Brasilien, Indien, China und Russland halten sich bedeckt. Die USA und Japan haben sich ebenfalls noch nicht offen auf eine Seite geschlagen.
"Die Chancen, dass Christine Lagarde gewählt wird, sind sehr hoch", hatte Carstens am Montag bei einem Vortrag in Washington selbst eingeräumt.

Lagardes Kandidatur wird allerdings von einer juristischen Unsicherheit überschattet: Der Ministerin drohen in ihrer Heimat Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs. Am vergangenen Freitag vertagte die französische Justiz ihre Entscheidung, ob sie ein Verfahren einleitet, auf den 8. Juli.

(rcv/sda)