Der scheidende Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat sich nach zehn Jahren von den Aktionären verabschiedet. Auf seiner letzten Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle sprach der Schweizer von einem «Tag der Wehmut, vor allem aber der Freude».

Mit lang anhaltendem Beifall feierten die Aktionäre den abtretenden Bankchef. Der ebenfalls scheidende Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig hatte zuvor Ackermanns Verdienste um die Bank gelobt. Dank seiner strategischen Entscheidungen sei sie «als Gewinnerin aus der Finanzkrise» hervorgegangen. «Dies ist eine Bilanz, die allergrössten Respekt verdient», sagte Börsig. Nun gehe mit dem Rücktritt Ackermanns eine Epoche zu Ende.

Sichtlich bewegt nahm der 64-Jährige den Applaus der Aktionäre entgegen, wischte sich gar Tränen der Rührung aus den Augen.

Ungewohnt selbstkritisch

Ackermann selbst stellte sich vor den Aktionären ein gutes Zeugnis aus. Er musste zwar einräumen, dass er den herbeigesehnten 10-Milliarden-Euro-Gewinn 2011 wegen der Verwerfungen an den Finanzmärkten nicht geschafft hat. Im Vergleich zur Konkurrenz habe sich die Deutsche Bank aber gut geschlagen.

Allerdings zeigte sich Ackermann auch ungewohnt selbstkritisch. Mit Blick auf zahlreiche Klagen, mit denen sich die Bank wegen ihrer Hypothekengeschäfte in den USA konfrontiert sieht, räumte er ein, dass die Bank manche Geschäfte lieber nicht gemacht hätte. Kein Geschäft sei es wert, den Ruf des Hauses aufs Spiel zu setzen.

Kritik gab es indes vor allem ausserhalb der Festhalle: Schon vor Beginn der Hauptversammlung protestierten Globalisierungskritiker wie etwa die Gruppe Attac vor den Messehallen. «Ackermanns Vermächtnis: Steuerflucht, Waffenhandel, Zocken mit Nahrungsmitteln» skandierten einige von ihnen.

Für Kapitalismuskritiker steht Ackermann wie kein anderer für die Zocker in der Finanzbranche. Nicht vergessen haben viele, wie er im Prozess um Millionenabfindungen bei der Mannesmann-Übernahme durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone die Finger zum «Victory»-Zeichen gespreizt in die Kameras grinste.

Schwierige Zeiten erwartet

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Mit der Hauptversammlung endet die Ära Ackermann. Bereits am Freitag werden seine designierten Nachfolger - der bisherige Chef der Investmentbanking-Sparte Anshu Jain und der bisherige Deutschland-Chef Jürgen Fitschen - die Leitung der Bank übernehmen.

Ackermann sagte, er freue sich, dass er Deutschlands grösste Bank in guter Verfassung in die Hände seiner Nachfolger könne. Er stimmte sie jedoch auf schwierige Zeiten ein: Die konjunkturelle Lage, die Schuldensituation und mangelnder Reformwille in einigen Ländern der Eurozone würden Anlass zur Sorge geben. Seine Nachfolger könnten aber auf dem gemeinsam Erreichten aufbauen.

Allerdings hatte sich die Bank im Sommer 2011 erst nach monatelangem Gezerre auf das Duo Jain/Fitschen geeinigt. Ackermann hatte sich für Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber als Nachfolger stark gemacht. Grossaktionäre hatte das Personal-Hickhack schon vor der diesjährigen Hauptversammlung gerügt. Nun verzögerten Aktionärsvertreter mit massiver Kritik an Börsigs Amtsführung als oberster Kontrolleur zunächst die Aussprache über die Tagesordnung.

Vor allem Jains Berufung nährt Sorgen, die Deutsche Bank könnte stärker als bisher international ins Risiko gehen. Ackermann bekräftigte: «Die Deutsche Bank ist einen globale Bank. Aber wir haben tiefe Wurzeln in unserem Heimatmarkt, und wir pflegen diese Wurzeln.»

(laf/tno/muv/awp)