Er folgt auf Konrad Lang, der altershalber zurücktritt. Schwarz war von 1998 bis 2009 Chief Information Officer (CIO) des Migros-Genossenschafts-Bunds und Direktor der Migros IT Services. Heute ist er unter anderem Präsident der Stiftung IT Berufsbildung Schweiz sowie Inhaber von black IT solutions, einer Informatik-Consultingfirma für Strategie- und Organisa­tions­themen bei grossen und mittleren Unternehmen. Die 2000 gegründete ECDL Switzerland mit Sitz in Basel ist verantwortlich für die Umsetzung, Verbreitung und Koordination der European Computer Driving Licence (ECDL) in der Schweiz, Liechtenstein, Belgien, den Niederlanden sowie weiteren, aussereuropäischen Ländern. Sie ist die führende Anbieterin von international gültigen und aner­kannten Computeranwender-Zertifikaten. Das ECDL-Attest bescheinigt praktisches Know-how in den gebräuchlichsten Anwendungen am PC oder Mac. Hierzulande absolvieren jährlich rund 20 000 Personen die modularen ECDL-Prüfungen an öffentlichen oder privaten Schulen sowie in ihren ­Unternehmen und Organisationen. Weltweit erreichen jährlich rund 1 Million Menschen in 148 Ländern das ECDL-Zertifikat. Anfang Jahr wurde die 200 000. ECDL-Kandidatin in der Schweiz gefeiert.

Wie kommt es, dass Sie nun die zusätzliche Funktion als Verwaltungsratspräsident der ECDL Switzerland übernehmen?

Rudolf Schwarz:
Über allem steht die Anfrage von Max Lüthi, Geschäftsführer der ECDL Switzerland. Wir kennen uns aus der Zusammenarbeit für die Initiative «Jahr der Informatik 2008». Die Übernahme des VR-Präsidiums dieser spannenden Firma rundet meine Aktivitäten im dritten Lebensabschnitt wunderbar ab.

Wie viel Zeit werden Sie dem Job widmen?
Meine Aufgaben konzentrieren sich auf strategische Themen. Das operative Geschäft ist in allerbesten Händen. Der zeitliche Aufwand hält sich damit im überschaubaren Rahmen.

Welches sind Ihre dringlichsten Aufgaben?
Ganz zuerst werde ich mein noch grobes Bild der ECDL so weit wie ­nötig verfeinern und mich dann den strategischen Fragen widmen. Meine langjährige Erfahrung und meine gute Vernetzung in der IT-Anwender-Branche werden mir dabei gute Hilfen sein.

Der Fachkräftemangel gilt in der hiesigen Informatikbranche als das Problem schlechthin. Was tut die ECDL hier?
Mit der Verbreitung des ECDL-Zertifikats für IT-Anwender trägt die ECDL Switzerland dazu bei, die Entwicklung von Computerkenntnissen und -fertigkeiten hierzulande zu fördern. Damit leistet sie wertvolle indirekte Beiträge zur Mini­mie­rung dieses tatsächlich existenziellen Problems, indem sie IT-Anwender auf Augenhöhe mit IT-Spezialisten bringt. Unter ­Augenhöhe verstehe ich die aktiv geförderte Ausbildung der IT-Anwender zu international zertifizierten Systemnutzern.

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Was ist das grösste Kapital der Schweizer Informatikbranche?
Das ist für mich eindeutig das Know-how der IT-Mitarbeitenden.

Was langweilt Sie?
Nichts. Mussestunden nutze ich zur Entwicklung neuer Ideen. Langweilige Gespräche unterbreche ich.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?
«Der alte König in seinem Exil» von Arno Geiger. Ihm gelingt es, das Altern seines Vaters auf eine unerreichte Art zu betrachten und zu begleiten.

Was stimmt Sie traurig?
Schicksale von lieben Menschen treffen mich hart, vor allem wenn ich keinen Beitrag zur Besserung leisten kann.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung ausserhalb der Arbeit?
Im dritten Lebensabschnitt habe ich das Privileg, nur noch das zu tun, was mir Spass macht und mir wichtig ist. An erster Stelle stehen Reisen, die von meiner Frau immer höchst individuell und meisterhaft organisiert werden. Während 30 Jahren war Reiten meine Passion. Auf dem Rücken eines eigenen Pferdes lassen sich Alltagssorgen fast umsonst abstreifen.

Wie wohnen Sie?
Traumhaft im schönen Zürcher Weinland. Der hier noch vorhandene ­natürliche Raum ist für mich wahre Freiheit und Inspiration zugleich.

Welche Fähigkeiten besässen Sie gerne?
Im Alltag bessere handwerkliche Fähigkeiten. Zudem wäre für mich das Klavier als Instrument spielen zu können, statt es nur zu hören, etwas Fantastisches.

Wie lautet Ihr Alltags- oder Lebensmotto?
«Das machen wir dann mal», gibt es nicht. Ideen werden sofort auf­genommen, eingeplant und umgesetzt.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Ich bin überaus positiv eingestellt und suche grundsätzlich Lösungen. Problemgeneratoren und -verstärker sind nicht mein Ding.

Können Sie kochen? Und was?
Kochen gehört seit meiner Pensionierung zum Wochenprogramm. Auslöser war meine Frau, die zu Recht der Meinung war, dass sie sich an einem Tag in der Woche gerne «bekochen» liesse. Mittlerweile gelingen mir feine, von Grund auf zubereitete Menüs aller Art.

Welchen kulinarischen Genüssen können Sie nicht widerstehen?
Eigentlich allen, wenn sie gut ­zubereitet sind. Zum feinen Essen darf ein gutes Glas Wein nicht fehlen. Beim Stu­dium der Speisekarte beginne ich grundsätzlich mit der Dessertauswahl.

Steckbrief

Name: Rudolf Schwarz

Geboren: 11. Februar 1948

Zivilstand: Verheiratet, eine ­erwachsene Tochter

Wohnort: Dinhard ZH

Ausbildung: Über die kauf­männische Lehre (KV) zum Eidg. Dipl. Experten in Rechnungslegung und Controllingin Winterthur und Zürich

Aktuelle Funktionen: Inhaber, black IT solutions,Dinhard ZH; Präsident, Stiftung IT Berufsbildung Schweiz, Bern

Zusätzliche Funktion: Verwaltungsratspräsident, ECDL Switzerland, Basel