Der Online-Marketing-Spezialist soll den Umbau der Lausanner Werbevermarkterin vom Verkäufer von Zeitungsinseraten in einen multimedialen Werbevermarkter beschleunigen. Groth ist seit 17 Jahren in verschiedenen Führungspositionen tätig, zuerst vor allem auf Verlegerseite bei den Verlagsgruppen Georg von Holtzbrink, Handelsblatt und bei Interactive Media, damals Tochterunternehmen von Axel Springer. Bei Adconion gestaltete der Hamburger ab 2008 als Europa-Präsident die Weiterentwicklung der weltweit grössten Plattformen für die Distribution und die Monetarisierung digitaler Inhalte mit.

Haben Sie sich gut eingelebt in der Schweiz?
Absolut. Mir wurde sehr viel Freundlichkeit entgegengebracht. Auch mit dem Verstehen des Schweizerdeutsch klappt es besser als erwartet.

Die Anpassung dürfte Ihnen leichter gefallen sein, weil Sie als passionierter Segler den Genfersee als ideales Gewässer für Ihre Freizeittätigkeit direkt vor der Türe haben.
Der Lac Léman eignet sich aufgrund der Grösse wirklich für alle Arten des Wassersports. Leider hatte ich bislang noch keine Zeit, um das Segelrevier zu testen. Vermutlich muss ich damit bis zur nächsten Saison warten.

Ihre Erfahrungen als Segler kommen Ihnen auch beruflich zugute. Der Publigroupe weht in der Schweiz ein steifer Wind ins Gesicht. Wie begegnen Sie den 7 oder 8 Beaufort?
Den klassischen Medien bläst die digitale Revolution wie ein Orkan entgegen. Das geht allen traditionellen Medienhäusern so. Das entspricht eher Windstärke 10 aufwärts. Beim Segeln verkleinert man in solchen Fällen die Segelfläche deutlich, zurrt alle losen Teile fest und zieht wetterfeste Sachen an. Wenn man allerdings feststellt, dass das Schiff der schweren See nicht gewachsen ist, dann muss man in der Werft erst einige Umbaumassnahmen vornehmen, bevor man sich in den Sturm wagen kann. Genau daran sind wir momentan dran.

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Wie wollen Sie den Medienplatz Schweiz detailliert kennenlernen?
Durch viele intensive Gespräche mit allen relevanten Marktpartnern. Dazu gehören Meetings mit Verlegern wie auch Diskussionen mit Technologiefirmen. Veranstaltungen wie der Schweizer Medienkongress 2012 in Lausanne diese Woche sind willkommene Anlässe für solche Gespräche.

Franken statt Euro ist für Sie nun die Leitwährung. Wie stehen Sie zu Geld?
Wenn man aus einer Hamburger Kaufmannsfamilie stammt, geht man von Hause aus vorsichtig mit Geld um. Zudem ist es ein gutes Gefühl, dass ab jetzt nicht mehr alle Vermögensteile im Euro-Raum angelegt sind.

Was langweilt Sie?
Immer das Gleiche tun zu müssen. Aufgrund der Vielzahl der Herausforderungen der Medienbranche muss ich davor in den nächsten Jahren keine Sorge haben.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?
Aktuell die Biographie von Steve Jobs. Mit einer klaren Vision, dem Bekenntnis zu Qualität und Innovation und disziplinierter Markenführung hat er Apple zum wertvollsten Unternehmen aller Zeiten gemacht.

Was würden Sie gerne erfinden?
Das Perpetuum mobile, das einen Generator antreibt und unsere Energieprobleme für immer löst. Die Energiefrage und wie wir unseren Planeten mit bald 8 Milliarden Einwohnern nachhaltig mit Strom versorgen, beschäftigt mich seit Schulzeiten.

Wie lautet Ihr Alltagsmotto?
Das Bessere ist der Feind des Guten. Die Menschen haben die Tendenz, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Das gilt besonders für grosse Unternehmen. Wir dürfen uns niemals mit dem Status quo zufriedengeben, sonst laufen wir Gefahr, überholt zu werden. Darum ist das Motto «Launch Early and Keep Iterating» auch so wichtig. Wir müssen eine Unternehmenskultur schaffen, die es erlaubt, neue Themen zu entwickeln und laufend zu verbessern.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung ausserhalb der Arbeit?
Aufgrund der knappen Freizeit verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Frau und meinen Kindern. Wenn es dann noch zu einer Runde Golf reicht, dann ist das Wochenende perfekt.

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Wie wohnen Sie?
Mit der Familie bald in Zürich – mit vielen Bürotagen in Lausanne. Auch ich habe schon die Vorzüge der guten Bahnverbindungen in der Schweiz schätzen gelernt.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Wenn ich mir gerade die Berichterstattung über das Mohammed-Video anschaue, dann ist der zunehmende Radikalismus bei den grossen Religionen zumindest eine grosse Sorge.

Was treibt Sie derzeit am meisten an?
Die Entwicklung der Gruppe schnell genug voranzutreiben. Digital gehört dabei die Zukunft und das Wachstum. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergessen, dass wir derzeit den Grossteil unseres Umsatzes mit den klassischen Medien machen, gerade hier in der Schweiz. Insofern wollen wir in diesem klassischen Bereich weiter tätig sein und wertvolle Dienstleistungen anbieten. (mk)

 

Steckbrief

Name: Arndt Groth

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Geboren: 13. Juni 1964

Zivilstand: Verheiratet

Wohnort: Noch Hamburg, in Zukunft aber Zürich

Auto: Mini Cooper

Ausbildung: Dipl.-Kaufmann

Bisherige Funktion: President Europe, Adconion Media Group, München

Neue Funktion: Chief Executive Officer (CEO), Publigroupe AG, Lausanne