In seiner neuen Funktion verantwortet der gebürtige Schweizer das ­Geschäft der amerikanischen Fluggesellschaft in den US-Bundesstaaten Con­necticut, Maine, Massachusetts, New Hampshire, Rhode Island und Vermont sowie in ganz Kanada. Tronza ist seit zwölf Jahren für American Airlines tätig, zuletzt als Regional Director Continental Europe mit Sitz in Zürich. In seiner alten Funktion verantwortete er das Geschäft in den ­Ländern Deutschland, Italien, Österreich, Portugal, Russland, Schweiz, Spa­nien sowie in den GUS-Staaten. Tronza ­arbeitet seit 22 Jahren in der Airline-­Industrie. Von 1990 bis 2000 war er etwa für Crossair, Swissair und British Airways in den Be­reichen Sales, Marketing, Distribution und Brand Management tätig. Einen Nachfolger für ihn bei American Airlines in der Schweiz gibt es nicht, weil die Verkaufs­leitung für Kontinentaleuropa neu wieder in London gebündelt wird. Die amerika­nische Fluggesellschaft ist Gründungs­mitglied der weltweiten Oneworld-Allianz und ­bedient fast 250 Städte in 50 Ländern mit täglich rund 3600 Flügen. Die Flotte besteht aus über 900 Maschinen.

Es passiert bei globalen Airline-Konzernen selten, dass ein Manager, gebürtig aus Dornach SO, die regionale Verantwortung in deren Heimmarkt übernimmt. Weshalb?
Gianni Tronza:
Mit der Restrukturierung unseres gesamten Unternehmens bot man mir mehrere neue Führungspositionen im Konzern an. Ich habe mich letztlich für Nordamerika entschieden, weil ich schon einige Male im euro­päischen Ausland gearbeitet habe. Ich sehe mein Engagement als Teil der globalen Aus­richtung unserer Fluggesellschaft.

Sie ziehen mit Ihrer ganzen Familie nach Boston. Wie hat sie reagiert?
Sehr positiv. Veränderung bedeutet Fortschritt.

Vor neun Monaten meldete American Airlines in den USA Insolvenz nach Chapter 11 an, womit der Flugbetrieb aufrechterhalten werden kann. Sind Sie sicher, dass Sie nicht vergebens umziehen?
In den USA haben all unsere ­Mitbewerber diese Massnahme mehrmals genutzt, um ihre Kostenstruktur anzupassen. In unserer 90-jährigen Firmengeschichte haben wir davon nie Gebrauch gemacht. Das führte zu einer Wettbewerbsverzerrung zu unseren Lasten, die uns zu diesem Schritt gezwungen hat. Wir haben einen Fünf-Punkte-Plan. Zu dem gehören die Investition in eine verbrauchsarme Flotte – 900 Flugzeuge wurden schon bestellt –, die Verbesserung des Premium-Angebots, die Kostenkontrolle sowie die Verbesserung des Kundenservices. Wir sind mit unserem Plan sehr weit fort­geschritten und haben in vielen Punkten bereits heute eine ausgezeichnete Ausgangslage. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer Strategie wieder zu den globalen Top-Airlines aufschliessen werden.

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Sinkende Ticketpreise, steigende Kerosinkosten: Die Airline-Industrie hat im Sog der Wirtschaftskrise einen sehr schweren Stand. Gibt es Silberstreifen am Horizont?
Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwierig, eine Prognose abzugeben. Falls sich der Ölpreis allerdings wieder in Richtung eines Rohöl-Fass-Preises von 150 Dollar bewegen würde, wie schon im Sommer 2007, wird wohl keine Airline mehr mit Gewinn fliegen können. Die Wirtschaftskrise wirkt sich auf alle weltweit tätigen Unternehmen aus, nicht nur auf Fluggesellschaften. Die künftige Entwicklung in unserer Industrie beruht auf Nachhaltigkeit, der Erholung der Märkte, der Höhe des Kerosinpreises und einer konkurrenzfähigen Kostenstruktur.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Geld?
Money can’t buy happiness.

Was langweilt Sie?
Also im Moment kann ich über Langeweile nicht klagen.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?
«Die Kunst des klaren Denkens» von Rolf Dobelli.

Was stimmt Sie traurig?
Armut.

Was würden Sie gerne erfinden?
Eine Zeitmaschine.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung ­ausserhalb der Arbeit?
Familie und Sport, etwa Golf, Ski und Tennis.

Welche Fähigkeiten besässen Sie gerne?
Ich würde gerne selbst ein Flugzeug fliegen können.

Wie lautet Ihr Alltags- oder Lebensmotto?
I choose to be happy every day.

Was treibt Sie derzeit am meisten an?
Dabei sein zu können, ein globales Unternehmen neu zu positionieren.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Die Wirtschaftsaussichten in Europa.

Können Sie kochen? Und was?
Nicht wirklich. Wenn, dann spontan und was gerade im Kühlschrank ist.

Welchen kulinarischen Genüssen können Sie nicht widerstehen?
Schweizer Schokolade.

Welchen Traum wollen Sie sich erfüllen?
Manche Menschen träumen ihr Leben. Ich versuche, alle meine Träume zu leben.

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Welches Musikstück ist Ihre Hymne?
«Viva La Vida» von Coldplay.(ncb)

Steckbrief

Name: Gianni Tronza

Geboren: 28. Januar 1966

Familie: Verheiratet, zwei Kinder

Wohnort: Küsnacht ZH (noch), Boston/USA (bald)

Ausbildung: KV, SAWI, Executive MBA (GB)

Bisherige Funktion: Regional Director, Continental Europe, American Airlines, Zürich (seit 1. Januar 2003)

Neue Funktion: Regional ­Director, Northeast USA & ­Canada, American Airlines, Boston (ab 1. September 2012)