Frick verfügt über 20 Jahre Erfahrung in IT und im Outsourcing, vorwiegend im Finanzbereich. Zuletzt arbeitete er als Chief Operating Officer (COO) Continental Europe bei Xchanging in Frankfurt, zuständig dort für die Bereiche Business Production, Implementierung und IT bei der Xchanging Transaction Bank. Zuvor war Frick Chief Information Officer (CIO) bei Avis Europe in Grossbritannien und davor CIO der Winterthur Insurance Group.

Zwei Herzen schlagen in Ihrer Brust. Sie kommen beruflich aus Deutschland, arbeiten aber neu wieder in der Schweiz ...

Martin Frick:
Im Zuge meiner Aufgabe bei der Winterthur Group sind wir vor gut zehn Jahren in die Schweiz gezogen und haben seither hier gelebt. Ich fühle mich privat wie beruflich sehr wohl in der Schweiz und freue mich, nach den Ausflügen zu Avis und Xchanging nun wieder hierher zurückgekommen zu sein. Ich weiss die sprichwörtliche Schweizer Professionalität sowie den Fokus auf Qualität und Nachhaltigkeit sehr zu schätzen.

Die Einstiegsfrage hat Hintergrund: Sie müssen über das Scheitern des Abgeltungssteuergesetzes zwischen Deutschland und der Schweiz enttäuscht sein. Seine Implementierung hätte ein Zusatzgeschäft werden können für Avaloq ...
Ich bin eher enttäuscht, weil eine inhaltlich sinnvolle Regelung des Problems – sagen wir einmal – Parteitaktik zum Opfer zu fallen droht. Was die Avaloq anbelangt: Wir haben zusammen mit unseren Kunden auch so genug mit den Abgeltungssteuerlösungen für die anderen Länder zu tun.

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Avaloq ist Anbieterin von standardisierter Bankensoftware. Ist diese aber wirklich immer so Standard?
Unser Ziel ist es, wenn immer möglich Standard zu verkaufen. Gerade im BPO-Bereich ist es wichtig, Standards zu setzen. Mit standardisierten Prozessen schaffen wir beachtlich mehr Effizienz in der Abwicklung, was sich in tieferen Kosten für unsere Kunden niederschlägt. Standard hilft den Banken auch im Bereich Regulatorien: Neue Anforderungen werden in Zusammenarbeit mit unseren Kunden als Standard umgesetzt. Nicht jede Bank muss diese selber programmieren, sondern sie profitiert von der AvaloqCommunity.

Was muss man sich unter Business Process Outsourcing genau vorstellen?
Wir wollen in Zukunft unseren Kunden nicht nur die Softwarelösung liefern, sondern ihnen auch die Option bieten, diese Software von uns betreiben und die Backoffice-Prozesse von uns abwickeln zu lassen. Die Kunden sollen von der Nähe der Softwareentwicklung und dem Betrieb der Bank profitieren können.

Stehen in der Schweizer Bankenwelt Softwareeinführungen auf dem Programm?
Nachdem die Tumulte auf den Finanzmärkten in den letzten Jahren die Entscheidungsfreudigkeit getrübt haben, spüren wir, dass der Markt wieder anzieht. Wir haben auf der Software- wie auf der BPO-Seite dieses Jahr Kunden gewinnen können und führen derzeit sehr spannende Gespräche im Markt.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Geld?
Geld bedeutet Grundsicherung und Verantwortung. Es gibt aber deutlich wichtigere Themen im Leben.

Wie kamen Sie zum neuen Job?
Der Weg, den die Avaloq nun im Bereich BPO gehen wird, ist in der Branche einzigartig und damit die Aufgabe sehr attraktiv. Das war sehr schnell klar, ebenso, dass wir gut zusammenpassen. Dann ging es sehr rasch mit der Entscheidung.

Was langweilt Sie?
Einen Status quo verwalten zu müssen.

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Welches Buch hat Sie beeindruckt?
Mitch Alboms «Tuesdays with Morrie». Das Buch zeigt auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben aus der Perspektive heraus, wenn es auf die letzten Momente zugeht.

Was stimmt Sie traurig?
Vorurteile, vorgefasste Meinungen und simplifizierende Verallgemeinerungen.

Was würden Sie gerne erfinden?
Die direkte Schnittstelle Gehirn/ Computer, wie bei der Matrix. Dann könnte man so viel einfacher lernen.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigungausserhalb der Arbeit?
Zeit mit meinen Töchtern zu verbringen.

Welche Fähigkeiten besässen Sie gerne?
Ein Elefantengedächtnis.

Wie lautet Ihr Alltagsmotto?
Alles ist möglich.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Die Radikalisierung der Gesellschaften im langfristigen ökonomischen Downturn.

Welchen kulinarischen Genüssen können Sie nicht widerstehen?
Fränkischen Bratwürsten.

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Welchen Traum wollen Sie sich erfüllen?
Den Jakobsweg zu gehen.

Welches Musikstück würden Sie als persönliche Hymne wählen?
Hymne, hmmm… Vielleicht «Throw down the sword» von Wishbone Ash.

 

Steckbrief

Name: Martin Frick

Geboren: 1964

Zivilstand: Verheiratet, drei Töchter

Wohnort: Zürich

Ausbildung: Universität Heidelberg, Dr. rer. nat.

Bisherige Funktion: Chief Operating Officer (COO) Continental Europe, Xchanging, Frankfurt

Neue Funktion: General Manager BPO, Avaloq, Zürich